Wie Unternehmer unter Unsicherheit handeln

Im Podcast mit Michael Faschingbauer habe ich die Unterscheidung zwischen Unsicherheit und Unwissenheit kennengelernt. Warum sie fundamental ist, beschreibe ich hier.

Michael Faschingbauer — Autor von Effectuation — Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln (Bild (c) Michael Faschingbauer)

Bis zum Gespräch mit Michael Faschingbauer dachte ich, dass Unsicherheit und Unwissenheit identisch sind. Wenn ich nicht weiß, was morgen ist, dann bin ich unsicher und unwissend.

Tatsächlich existiert aber ein signifikanter Unterschied. In seinem Buch “Effectuation — Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln” greift Faschingbauer auf die Unterscheidung des Wirtschaftswissenschaftlers Frank Knight zurück (S.2):

Unsicherheit (uncertainty) herrscht, wenn eine Verteilung unbekannt aber prinzipiell berechenbar oder abschätzbar ist. Ungewissheit (true uncertainty) herrscht hingegen dann, wenn eine Verteilung nicht nur nicht bekannt ist, sondern auch nicht berechnet oder abgeschätzt werden kann (weil z.B. ein Markt noch nicht existiert bzw, erst im Entstehen ist).

Aus dieser Unterscheidung lassen sich drei Handlungsverständnisse ableiten.

  1. Solange ich mich in sicheren Bereichen bewege, brauche ich nur “richtig” zu handeln. Alle nötigen Daten bzw. Informationen liegen mir vor. Mich kann nichts überraschen ausser vielleicht, dass ich in diesem Fall Bedingungen falsch eingeschätzt habe.
  2. Wenn ich in den unsicheren Bereich komme, in dem es viele Unbekannte gibt, kann ich mit Recherche- und Analysemethoden aus dem betriebswirtschaftlichen Werkzeugkasten dafür sorgen, dass ich in den ersten Bereich komme.
  3. Wenn ich im dritten Bereich (Ungewissheit) bin, dann scheitern Methoden, die auf reiner Recherche basieren. Es ist schlicht zu komplex. In diesem Bereich bewegen sich neue Technologien, Start-Ups und Marktentwicklungen. Hier bedarf es versuchsbasierten (iterativen) Werkzeugen, wie Lean-Startup oder eben Effectuation.

Das ist natürlich alles idealtypisch. Denn woher weiß man, dass man sich lediglich unter Unsicherheit und nicht unter Unwissenheit bewegt? In meinen Augen existiert noch eine Meta-Unwissenheit, die man nie ganz beseitigen kann.

Effectuation als Ansatz gegen Unsicherheit und Unwissenheit?

Effectuation beschreibt wie Menschen (insbesondere Unternehmer) unter Unsicherheit und Unwissenheit erfolgreich handeln können.

Michael Faschingbauer hat das Thema aus der Forschung in die Praxis getragen und steht im deutschsprachigen Raum wie kein anderer dafür.

Er ist Vordenker und Vormacher. Nachdem mehrere Hörer mich gebeten haben Herrn Faschingbauer für den Flaneur zu gewinnen, habe ich angefangen mich mit Effectuation zu beschäftigen und kurz darauf gemerkt, dass dahinter tatsächlich mehr steckt, als nur irgendeine Methode.

Wer tiefer in das Verständnis und die Methoden hinter Effectuation eintauchen möchte, sollte sich den Podcast anhören.

Podcast mit Michael Faschingbauer zu Effectuation

Zeitmarken, Links und Buchtipps aus dem Podcast finden Sie im begleitenden Blogpost.

Viel Spaß beim Hören und neue Erkenntnisse wünsche ich.

Unternehmer ist die Bezeichnung der Rolle. Natürlich sind mit der Bezeichnung auch nicht-männliche Unternehmende gemeint.