Adobe Creative Days in Hamburg 

31. Oktober 2013


Ich bin seit Jahren treuer Adobe-Kunde — im Grunde seit dem ich mich dazu entschieden habe mich intensiver mit Design auseinander zu setzen.

Angefangen hat es bei mir so richitg mit der Adobe CS1 — das war ende 2003. Heute, 10 Jahre später, benutze ich Adobe CC und gehe das erste Mal zu einem Adobe Event.

Ich wusste nun wirklich nicht, was mich erwarten wird. Die Adresse — mitten im Hafen — hat einiges versprochen. Das Event wurde in einer großen Lagerhalle abgehalten, umgeben von Gabelstaplern, LKWs und in direkter Nachbarschaft vom Zoll. Dahin zu kommen: ein Kunststück, wenn man öffentliche Verkehrsmittel nutzt.


Relativ pünktlich begann das spektakel: im ersten Block bis zum Mittagessen wurden die erneuerungen der Tools von den Adobe Evangelists vorgestellt und vor allem was man damit unterm Strich alles machen kann.

Die meisten Erneuerungen gibt es im Bereich Web. Wie mache ich aus einem Photoshop-Mockup nahezu vollautomatisch die Webseite? Wie erstelle ich einen Mockup in Illustrator und bekomme das alles vernünftig da raus um daraus eine Webseite zu machen?

Kurz um: wie bekomme ich als Desginer automatisch valides und “gutes” HTML5 aus dem Programmen? Dafür hat Adobe sehr sehr viele Lösungen im Gepäck. Über Sinn oder Unsinn kann man sich an dieser Stelle streiten.

Rund um Photoshop

Kennt ihr das wenn ein Kunde sagt »nimm das Bild von der Webseite für das Plakat«?

Oh ja — das kenne ich! Adobe hat an neuen Bildberechnungsmethoden getüftelt um bessere Ergebnisse beim Vergrößern zu erzielen. Ich bin nahezu kein Freund davon, aber Adobe hat sich echt Mühe gegeben um eine Lösung zu finden, wenn es eben doch mal nicht anders geht. Die Ergebnisse ersetzen definitiv keine hochauflösenden Bilddateien, jedoch ist das was am Ende dabei rauskommt nicht von schlechten Eltern.

Auch die “Shade-Reduction” war sehr beeindruckend: was machen, wenn das Bild, was du UNBEDINGT verwenden willst verwackelt ist? Photoshop an und korrigieren. Die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Hier mal eines der Testbilder von Adobe.

Aber mit Abstand das beeindruckendste war die neue Camera Raw Filter. Hier hat sich unter der Haube eine Menge getan, um aus seinem Bild 150% rauszuholen — sogar aus JPGs.

Auch sehr schön ist das Feature sich aus Mockups direkt Bilder ausgeben zu lassen, in dem man eine Ebene einfach nur mit “box_xy.png” benennt und das dann in einem Ordner neben deinem Projekt abgelegt wird. Zwar bin ich noch immer recht Oldschool und mache mir meine Sprites noch mit vielen Hilfslinien selbst, aber das ist eine funktion die man mal benutzen kann um schnell ein paar Sachen auszuschießen

Die anderen üblichen Verdächtigen

Bei der Präsentation hat man immer wieder gemerkt, dass Photoshop nach wie vor das Hauptzugpferd ist und viele Funktionen nun auch in Premiere Pro, After Effects und einigen anderen zu finden sind.

Beispielsweise die Schnellauswahl und verbesserte Kanten sind in After Effects verfügbar. Das Beste daran: er versucht die Auswahl im Bewegtbild beizubehalten und schafft es sehr sehr gut!

Für mich ein richitges High-Light: wenn man Vektor aus Illustrator in die Zwischenablage legt und in einem Texteditor seiner Wahl einfügt ist es direkt SVG.

Außerdem hat sich die Leistung in allen Programmen deutlich verbessert. Das habe ich auch schon selbst gemerkt mit dem Wechsel von CS5 auf CC. Hier wurde nochmals sehr viel gezeigt wie es früher war und wie es heute ist.

Digital Publishing

Auch ein ganz großes Thema: wie veröffentliche ich epubs oder interaktive Magazine.

Indesign hat neue Möglichkeiten bekommen um aus Indesign eine App zu erstellen. Eine iPad-App. Kein Android oder ähnliches. Dafür kann das alles aber der Designer machen. Vidoes einbinden, Bildgalerien anlegen etc. Alles Klicki-Bunti, WYSIWYG Editor halt.

Die Möglichkeiten damit sind recht spanennd — keine Frage. Jedoch wurde das so dargestellt wie “du machst eine App, lädst sie bei Apple in den Store und alles ist chick”. Ich weiß nicht, ob dieses Konzept auf Dauer standhaft sein kann oder gar funktioniert.

Beim ePub ist die Lage schon etwas solider: ein Dokument gleichzeitig als Printprodukt und als ePub für Kindle und so weiter rausgeben, mit einer vernünftigen Kontrolle wie das ganze nachern aussieht. Wirklich gut gemacht Adobe.

HTML5 ohne Coden

Ich bin kein großer Freund von “Das macht das Programm für mich” und “Du kannst kein Javascript? Kein Problem. Du kannst es dir zusammenklicken!”, jedoch muss ich zugeben, was Adobe an Lösungen anbietet ist eine verdammt gute Grundlage um eine Webseite zu erstellen.

Grade Programme wie Edge Reflow bieten die Möglichkeit responsive Mockups zu erstellen um eben nicht 3 oder mehr Photoshop Dateien anlegen zu müssen. Das ganze funktioniert ganz grob wie Indesign und ich werde mir das ganze auch noch mal genauer anschauen.

Auch werde ich mir Edge Animate mal genauer anschauen um in einer Flash-ähnlichen Umgebung HTML5-Animationen zu erstellen.Sehr ambitioniert, die Ergebnisse sahen wirklich ganz okay aus.

Außerdem sagte einer von den Referenten immer wieder “Testet und optimiert euren Kram.”

Alles synchron

Ein Thema, was ich wirklich gut fand. Die Creative Cloud hat eine Art Dropbox für deine Dateien, werden mit deinen Arbeitsplätzen gesynced. Ebenfalls wie Einstellungen der Programme, Pinsel in Photoshop, Farbeinstellungen und vielem mehr.

Seine Arbeiten kann man sharen, Leute einladen, die keinen Creative Cloud Account haben. Die können das kommentieren, du kannst deine Änderungen darauf hin machen, die können sich das wieder angucken. Der Clou ist: du arbeitest an deiner Version, immer weiter. Irgendwann sagt dein Kunde “hat mir in der letzten Version besser gefallen.”, du hast aber nur die immer wieder aktualisierte Version. Die Creative Cloud schafft Abhilfe:du kannst die letzten Versionen zurück holen. Wusste ich nicht — werde ich jetzt aber versuchen mehr zu nutzen.

Auch finde ich die Apps fürs iPad nicht schlecht: in Ideas machst du deine Entwürfe — beispielsweise mit einem Stift oder den Fingern — und das ganze wird dann direkt als Vektor in die Creative Cloud gespeichert, sodass man am Desktop damit weiter arbeiten kann. Finde ich persönlich einen guten Schritt.

Der Kleinkram

Im Zeichen von Workflow, Designtrends und “so holst das meiste aus der Adobe CC” stand der Nachmittag. Es war interessant für mich zu sehen, wie andere Leute mit den Programmen arbeiten und nahezu live ein fertiges Produkt erstellen.

Hier konnte ich mir den ein oder anderen Kniff mitschreiben und das besonders bei Calvin Hollywood. Grade in der Bildbearbeitung hat er seine eigene Handschrift. Er kennt viele Funktionen, entdeckt aber auch immer wieder neues und scheut sich auch nicht zu sagen “Das habe ich erst letzte Woche entdeckt!” Er war zwar auch wie seine Kollegen gut vorbereitet auf seinen Vortrag, aber er hat sehr viel Charme in seinen Vortrag eingebracht.


Ich bin noch nie ein großer Freund von Adobe gewesen und die Creative Cloud war mir auch suspekt. Jedoch liegt der Vorteil klar auf der Hand: Updates kommen sehr sehr schnell (vor allem auch deutlich öfter), man kann es steuerlich besser abschreiben, bekommt Cloudspace dazu und hat die Komplette Suite zur Verfügung — egal an was du grade arbeitest du hast immer die passende Software (Am Rande noch mitbekommen, dass eine Version von Cinema 4D der Suite beiliegt). Grade für Agenturen sollte das nicht schlecht sein: eine Lizenz für alles — näher an einer Standard-Software-Ausstattung. Alle Dateien können überall geöffnet werden.

Ich bin bei vielen Sachen nach wie vor sehr kritisch — grade was komplette Automatisierung von Webseiten oder gar Apps angeht. Es zeichnet eventuell ein falsches Bild davon, wie viel Arbeit es ist.

Auch wenn das Event sehr erheiternd und informativ war,ich mir einiges an Notizen gemacht habe, was ich in meine tägliche Arbeit mit einfließen lassen werde, wird es für mich ein bisschen davon überschattet, dass 38 Millionen Kundendaten bei Adobe entwendet worden sind und damit höchstwahrscheinlich auch meine.

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