Flucht
Deutlich sehe ich den Eingang unseres Hauses noch vor mir, an dem ich vorüberging, als wäre er nicht der Eingang zu meinem Zuhause, in dem ich mit meinen Eltern und meinen zwei Brüdern lebte, soweit ich mich zurückerinnern konnte. Ich ignorierte das hohe Portal, an dessen oberem Ende vom Wetter verwaschene Jugendstilrosen — eine grosse in der Mitte und zwei kleinere seitlich davon — in komplizierten Windungen schnörkelten. Das Tor zur sonst selbstverständlichen Geborgenheit besass an diesem Tag nicht die geringste Anziehungskraft. Als hätte es nichts mit mir zu tun, streifte ich es im Vorübergehen mit den Augen einer unbeteiligten Spaziergängerin, die zufällig hier vorbeikommt oder mit dem distanzierten Interesse einer Touristin, die von einem wenig spektakulären Gebäude unberührt bleibt und sich nach einem flüchtigen Blick von ihm abwendet und weitergeht. Mit der Selbstverständlichkeit einer Schlafwandlerin, die Vertrautes bestens kennt, von ihm aber keinerlei Notiz nimmt, bewegte ich mich an der eigenen Haustür vorbei und ging einfach weiter, ohne bewusste Absicht, ohne die geringsten Bedenken und ohne einen einzigen Gedanken an die Ängste meiner Eltern, die sich bald einstellen mussten, wenn ich nach einer gewissen Zeit nicht erscheinen würde. Um ein solches Drama vorauszusehen, fehlte mir schlicht die Lebenserfahrung. Ich war, ohne es zu wissen, auf der Suche nach einer neuen Heimat.
Es geschah an einem düsteren Oktobertag des Jahres, in welchem der Zweite Weltkrieg zu Ende war. Im Sommer war ich drei Jahre alt geworden.
Was mich bewegt haben mag, diesen schützenden Hafen an mir vorbeigleiten zu lassen wie ein fahrendes Schiff auf einer Theaterbühne, vermag ich nicht mehr zu sagen. Mehr als ein halbes Jahrhundert liegt zwischen heute und jenem denkwürdigen Tag. Wenn nicht beide Eltern die Episode später unabhängig voneinander als in jenem Jahr tatsächlich geschehen beteuert hätten, würde ich behaupten, ich hätte ihn geträumt, obwohl ich mich heute noch lebhaft daran erinnere.
Es war kurz vor Mittag. Den ganzen Morgen hatte ich mit einem Gschpänli aus der Nachbarschaft in den Höfen hinter dem Haus gespielt. Es waren unendlich weitläufige Hinterhöfe, von langen Reihen aneinander gebauter Häuserblocks aus dem Anfang des Jahrhunderts umschlossen. Tiefe Gräben durchzogen das riesige Gelände als Grenzmarkierungen zwischen den einzelnen Grundstücken. Wir erlebten sie als Schluchten, in denen wir uns vor den prüfenden oder suchenden Blicken der Erwachsenen verstecken konnten. Auch die zahlreichen hohen Kastanienbäume mit ihrem dichten Laubwerk boten, zumindest im Sommer, eine brauchbare Deckung, in die ich mich später, als Teenager, zurückzuziehen pflegte, wenn ich genug von der Welt hatte und ungestört an einem stillen Plätzchen ein paar Stunden in einem Buch lesend oder in Tagträumereien versunken für mich allein sein wollte. Mit den meisten Kindern der Nachbarschaft, die es ständig auf unser Territorium abgesehen hatten (und wir auf das ihre), fochten wir erbittere Grabenkämpfe. Nicht selten auch blutige, wenn Steine an Köpfe flogen. Und nicht selten musste die Polizei die Klagen betroffener Eltern beschwichtigen und für eine Beruhigung der Lage sorgen. Die gegenseitige Antipathie schien sich von einer Generation an die nächste zu vererben. Unser Quartier hatte seine eigene West Side Story.
Andrée, so hiess meine Spielgefährtin, war ein paar Jahre älter als ich. Eines der grossen Mädchen, das schon zur Schule ging. Sie hatte meiner Mutter versprochen, auf mich aufzupassen. Wir waren an diesem sonnenlosen Herbstvormittag ganz mit unserem makabren Gruselspiel beschäftigt, das wir “La tâche” (der Schatten) nannten. Es galt, sich von einem kaum sichtbaren riesigen Phantom, das man nie deutlich zu Gesicht bekam, nicht erwischen zu lassen. Das Trugbild verschmolz ständig mit der Umgebung, besonders in der fast unheimlichen Stimmung dieses mit Nebel verhangenen Tages. In seiner Unbestimmtheit konnte es überall und nirgends sein. Es war immer in Bewegung, seine Gestalt mischte sich ständig mit den Schatten in den Gräben und dem fahlen Licht zwischen den Hecken. Plötzlich bäumte es sich, einmal hier, einmal dort, in halb tierischer, halb menschlicher Form, aber nie wirklich erkennbar vor uns auf und versetzte uns in Angst und Schrecken. Dann löste es sich wieder auf und verlor sich im Nebel, um unsere Sinne erneut zu täuschen. Schemenhaft lauerte das Ungetüm hinter Bäumen und Sträuchern, um sich plötzlich aufs Neue auf uns zu stürzen und uns mit Haut und Haaren zu verzehren wie der grosse böse Wolf im Rotkäppchen, wenn wir uns nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. In panischem Entsetzen huschten wir kreischend und mit eingezogenen Schultern und geduckten Köpfen in den unheimlichen Gräben herum und mehr oder weniger den festgestampften Pfaden zwischen Kartoffel- und Rübenbeeten erboster Hobbygärtner entlang, bis plötzlich eines von uns erneut aufschrie und die wilde Kinderhorde Hals über Kopf davonstob, um sich nach gerade noch rechtzeitig überstandener Gefahr in einem andern Winkel des Hofes wieder zusammenzurotten und mit weichen Knien und kalten Füssen der nächsten Attacke entgegen zu zittern. Wir rannten jeweils um unser Leben. Für die Kleinen von uns war das unheimliche Spiel besonders grauenhaft.
Wir konnten nie genug davon bekommen, obwohl es uns den letzten Rest unseres Mutes aus den Knochen sog. Es konnte nur der Fantasie eines der grossen Kinder entsprungen sein, und wir kleineren ahmten es nach wie alles, was jene taten. Allzu rasch vergassen wir in dieser schauerlichen Märchenwelt, dass das blutrünstige Ungeheuer nur in unserer Einbildung existierte. Wir ergötzten uns daran, obwohl wir uns fast zu Tode fürchteten, wenn unser Blut in den Adern gefror. Besonders an düsteren und regnerischen Tagen wie diesem jagte uns der Spuk einen Terror ein, von dem wir vergassen, dass wir ihn gesucht hatten.
Heute waren wir nur zwei Kinder, Andrée und ich, die in den Höfen um ihr Leben liefen. Nie sicher, wo sich das Monster mit seinen ständig wechselnden Konturen aufhielt, müssen wir kilometerlange Strecken in den vom Regen aufgeweichten, wie Katakomben wirkenden Gräben auf der Flucht zurückgelegt haben, uns von Baum zu Baum rettend und hinter Tomatenstangen duckend, die uns noch gut zu verbergen vermochten.
Es sollte an diesem Tag nicht die einzige Aufregung sein, mit der ich Bekanntschaft machen sollte.
Die ängstliche Stimme meiner Mutter, für den Mittagstisch heimzukommen, erlöste mich aus dem Alptraum. Da ich wusste, dass mein Vater noch nicht von der Arbeit nach Hause gekommen war und ich nur deshalb früher gerufen wurde, um mir vor dem Essen noch die Hände zu waschen, erbettelte ich die Erlaubnis, den Umweg um den Häuserblock machen zu dürfen. Ich wollte den dunklen Keller vermeiden, der auch ohne Gespenst beängstigend war. Zweifellos lag der drohende Schatten irgendwo im Hinterhalt, für den es in den düsteren Gewölben mehr als genug Verstecke gab. Und zudem würde mich Andrée, die Fantasie und Wirklichkeit viel besser voneinander zu unterscheiden vermochte als ich, nicht begleiten, da sie in einem befreundeten Nachbarhaus wohnte und einen andern Heimweg hatte.
So gelangte ich auf die offene Strasse. Der hufeisenförmige Umweg um die lange Häuserreihe wurde mir trotz meines zarten Alters in der Regel erlaubt. Man gewährte mir diese Freiheit, und offenbar mutete man mir die Fähigkeit zu, den Heimweg wie immer allein zu finden. Die kurze Strecke wurde für ein kleines Mädchen damals noch als ungefährlich und offensichtlich nicht als Versuchung für irgendwelche Eskapaden betrachtet.
Bevor ich zu meinem Haus gelangte, kam ich an zwei mit der unseren identischen Haustüren vorbei. Sie waren mit den gleichen kitschigen Rosetten verziert. Verstohlen beobachtete ich die beiden Eingänge aus dem Augenwinkel. Mein Argwohn war wohlbegründet. Man wusste nie, wann gegnerische Kinder, mit denen unser Haus in traditioneller Fehde stand, urplötzlich hervorstürzen und sich mit wildem Kriegsgeheul auf einen stürzen würden, wenn man es wagte, ohne den Schutz eines älteren Verbündeten aus dem eigenen Lager sozusagen durch Feindesland zu ziehen.
Ich hatte meinen Puppenwagen bei mir, der innen und aussen ganz schwarz gestrichen war wie die Särge meines Onkels, der im Tessin Pfarrer war. Leer schob ich ihn vor mir her, ein durchaus nicht aussergewöhnlicher Umstand, pflegte ich doch nicht leblose Puppen darin zu transportieren, sondern lebendige Kinder wie meinen kleinen Bruder und je nach Bedarf Spielzeug und allerlei Gerät, das man immer wieder gut gebrauchen konnte, wie es etwa ein Handwerker in seinem Werkzeugkasten mit sich schleppt.
Kein einziges Mal drehte ich mich um. Es schien das selbstverständlichste der Welt, in der einmal eingeschlagenen Richtung weiterzugehen, wohin auch immer diese führen mochte, obwohl ich in meiner Unerfahrenheit nicht die geringste Vorstellung damit verband. Mein Ziel war der Weg, der vor meinen Füssen lag. Ich spazierte mit meinem Wagen durch Strassen und Strässchen und wusste bald nicht mehr, welche Strecke ich zurückgelegt hatte. Mein Horizont war noch nicht so gross, dass er weiter als einige Hundert Meter über mein Elternhaus hinausreichte, und allein war ich in meinem ganzen Leben noch nie unterwegs gewesen. Eine Zeitlang zeichneten sich die Strassenkreuzungen und Häuserreihen aus meinem Gedächtnis noch in das Bild vor meinen Augen, soweit ich es von den Spaziergängen mit unserem Vater kannte, aber bald verloren sich die Erinnerungen, und ich war zum ersten Mal in der Fremde allein.
Niemand wunderte sich über das kleine Mädchen, das mit seinem hässlichen Puppenwagen offensichtlich auf dem Heimweg zum Mittagstisch irgendwo in der Gegend unterwegs war. Nichts verriet die Ausreisserin. Nie drehten sich die hohen Köpfe der Erwachsenen nach mir um, oder vielleicht bemerkte ich sie nicht. Niemand behinderte meinen arglosen Drang nach einer Freiheit, die ich mir in keiner Weise ausmalte. Sehr deutlich spürte ich aber mein klopfendes Herz im Gefühl einer etwas unsicheren Grossartigkeit, wie sie sich unserer bemächtigt, wenn wir uns zu einem Wagnis aufraffen, dessen Ausgang ungewiss ist und das eine der grossen Weichen bedeuten kann, die wir manchmal im Leben stellen, um ihm eine andere Richtung und vielleicht einen besseren Sinn zu geben.
Kein Hunger trübte meinen Pioniergeist, der sich bei einem Kind sonst einzustellen pflegt wie das Schrillen eines Weckers, wenn seine Zeit gekommen ist. Eine vage innere Anspannung, die ich wie ein in weiter Ferne noch kaum hörbares Gewittergrollen verspürte, bannte ihn ganz. Ich hatte den normalen Alltag hinter mich gelassen. Ich dachte weder an meine Mutter noch an meinen Vater, geschweige denn an meine Brüder.
Ich war ganz versunken in ein unbeschreibliches, fast euphorisches Gefühl der Unabhängigkeit, die unversehens und auf unerklärliche Weise vor meinen Füssen lag. Noch nie waren für meine unbewusste Sehnsucht, eine andere Welt zu finden, die Türen so offen wie an diesem Tag. Gärten reihten sich an Gärten mit den Blumen und Gerüchen des Altweibersommers. In jedem Hof, bei jedem Haus, zwischen unbekannten Gebäuden, in jeder Strasse taten sich Horizonte auf, die ich noch nie zuvor gesehen hatte und in denen es Aufregendes zu entdecken und zu begutachten gab. Damals waren die Vorhöfe zu den Häusern noch nicht zurückgestutzt, um breiteren Strassen und Parkplätzen zu weichen. Alles Mögliche las ich vom Boden auf und legte es in meinen Wagen, wenn es der kindlichen Prüfung standzuhalten vermochte. Meinen Vater konnte ich mit dieser Angewohnheit zur Verzweiflung bringen. Wollte er eine grössere Strecke zurücklegen, zog er es vor, mich zu tragen, damit ich mich nicht ständig nach etwas Verlockendem bückte, dem ich nicht widerstehen konnte. So häufte sich allmählich eine beträchtliche Sammlung an Kieselsteinen und Vogelfedern und anderen bunten Dingen in meinem Puppenwagen. Pedantisch legte ich die Kostbarkeiten in eine Ecke meines Transportmittels. Ich betrachtete sie mit dem herrlichen Gefühl der stolzen Besitzerin, die zum ersten Mal etwas Eigenes gefunden hat, ohne die Kritik Erwachsener erdulden zu müssen.
Wie man unverhofft, von einer Minute auf die andere, um sein ganzes Hab und Gut kommen kann, sollte ich etwas später an diesem Tag erfahren.
Nach immer mehr Beute Ausschau haltend, eifrig sammelnd und herumtrödelnd muss ich schon eine ganze Weile unterwegs gewesen sein, als ich an einen grossen Platz kam, der mir zum Verhängnis werden und meinem Abenteuer ein vorläufig jähes Ende bereiten sollte. Ich hatte nur kleine Strassen überquert. Instinktiv muss ich den Weg des geringsten Widerstandes gegangen sein. Autos gab es zu jener Zeit nicht so viele wie heute, so dass die Chance auch für ein kleines Mädchen gross war, unbehelligt und ohne aufzufallen von einem Trottoir zum gegenüberliegenden zu gelangen. Bis zu diesem unheilvollen Platz war ich ungeschoren über die Verkehrsrunden gekommen. Hier aber fügte das Schicksal eine hässliche Wendung.
Ich hatte noch keinen Verkehrsunterricht genossen. Da ich sonst ein einigermassen folgsames, eher schüchternes Kind war, fiel es mir nicht schwer, die Anweisungen meines Vaters auf unseren langen Spaziergängen aus dem Gedächtnis abzurufen. An diesem ungewöhnlichen Tag schien es besonders ratsam, mich auf seine Ermahnungen zu besinnen. Ich wartete also, wie es sich gehörte, auf der einen Seite dieses unendlich grossen Platzes, den Bewegungen der langen Arme des Verkehrspolizisten aufmerksam folgend, dessen Gebaren mir erklärt worden war. Den Puppenwagen hielt ich mit beiden Händen startbereit vor mir, um beim entscheidenden Signal prompt zu reagieren.
Das Warten kam mir vor wie eine Ewigkeit. Und schon bald schweiften meine Augen von der Ordnung schaffenden Instanz in der Mitte des Platzes weg, am scharfen Blick einer grossen Dame mit strengem Chignon am Hinterkopf neben mir vorbei zu einem Kätzchen, das einfach zu niedlich war, um nicht gestreichelt zu werden. Es schaute mich so Herz zerreissend süss an, dass ich meinen Puppenwagen unvermittelt losliess und mit ausgestreckten Armen auf das entzückende Tierchen zulief.
Das war mein Fehler. Bis jetzt war ich, wie gesagt, von niemandem angerempelt worden. Kein Mensch hatte sich zwischen mich und mein aussergewöhnliches Unternehmen gestellt. So durchfuhr es mich bis tief ins Mark, als die energische Stimme und die harten Augen der Dame vom Trottoirrand auf mich zukamen wie ein Unheil aus heiterem Himmel. Sie hatte meinen desertierten Puppenwagen gerade noch ergreifen können, bevor er über das Trottoir auf die abschüssige Fahrbahn rollte, und dabei unschwer erraten, dass das wegspringende winzige Mädchen unbeaufsichtigt war. Ich erschrak zutiefst, und plötzlich packte mich ein schlechtes Gewissen, wie es nur Erwachsene einem Kind einpflanzen können, wenn sie seine Autonomie nicht respektieren. Ich war wie gelähmt. Mein Hals schwoll so dick an, dass ich zu ersticken drohte und völlig erstarrt neben dem Kätzchen stand, ohne es je berührt zu haben. Schlagartig wurde ich aus der Stimmigkeit meines Tagtraumes herausgerissen. So bedingungslos hatte ich mein kindliches Herz einer Märchenwelt anvertraut, dass ich den Umsturz zurück in die andere, ältere Wirklichkeit der Erwachsenen nicht schaffte. Ich stand wie angewurzelt da. Meine Verwirrung war unendlich.
Mit einschüchternder Autorität fragte sie nach meinem Namen. Als ich sie versteinert ansah und nicht reagierte nach demjenigen meiner Mutter, der für mich das französische Maman war. Auf ihre weiteren unbarmherzigen Fragen, wo meine Mutter sei, wo ich wohne, wo ich herkäme, schwieg ich wie ein Stock und bohrte meine Augen in den Boden vor meinen Füssen. Nicht nur vor Schreck über die Überrumpelung und keineswegs etwa aus Trotz, sondern vielmehr aus dem Unvermögen heraus, die unerbittliche Frau zu verstehen, da ich der Sprache meiner Stadt damals noch nicht mächtig war. Stummheit war meine klassische Defensive immer dann, wenn mich fremde Leute ansprachen und ausfragten. Ich schwieg aus lauter Verlegenheit, bis ein normalerweise anwesender Erwachsener die Situation rettete und für mich antwortete und so die Neugierde von Unbekannten befriedigte, die meistens nur meinen Namen wissen wollten.
Aber niemand war da, um mir zu helfen. Die Aussichtslosigkeit ihrer Interrogation einsehend, hob die Fremde mich kurzerhand auf und setzte mich, nicht allzu sanft, neben die Schätze in meinen Puppenwagen. Offensichtlich änderte sie ihren Plan, die Strasse zu überqueren, wie ich es selber auch im Sinn gehabt hatte, und steuerte in die entgegengesetzte Richtung auf einen fremden Wohnblock zu, während sie mich wie Einkäufe vor sich herschob. Der Schock hatte mir alle Sinne verschlagen. Ich konnte vor Entsetzen nicht einmal weinen. Stumm und mit der Orientierungslosigkeit eines brutal aus seinen Fantasien gezerrten Kindes wurde ich als Gefangene in meinem eigenen Vehikel abgeführt.
So landete ich in der Höhle der alten Hexe. Erneut versuchte sie, meinen vermeintlichen Trotz zu brechen. Innerlich und äusserlich zitternd versuchte ich mich so klein wie möglich zu machen. Sie konnte nicht wissen, dass ich keines ihrer harschen Worte verstand, die unbarmherzig auf mich niederprasselten wie die Kugeln eines Maschinengewehrs. In unserem Haus wohnten ausschliesslich Romands und Tessiner, die man der Einheitlichkeit der romanischen Sprachen wegen bevorzugte, wenn freiwerdende Wohnungen neu vermietet wurden. Wir Kinder hörten bis zu unserer Schulzeit höchstens von feindlichen Nachbarskindern oder deren Eltern ein in der Regel unfreundliches deutsches Wort. Da wir mit den meisten von ihnen auf Kriegsfuss standen, waren bis zum Schuleintritt kaum mehr als ein paar Worte ihrer fremden Sprache an mir haften geblieben. Ich kannte den Tonfall genau und wusste sofort, dass die Alte zu den andern, den Feinden, gehörte.
Sie hatte graue Haare. Sogar ihre Haut war gräulich und unappetitlich. Ihre Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen wie diejenigen der Schlangen im Zoo, und ihr Gesicht war voller Runzeln wie dasjenige aller bösen Frauen in den Bilderbüchern, aus denen uns die Mutter vorlas. Ihre Lippen wurden dünn wie eine Messerklinge, wenn sie sie zusammenpresste und zwischen ihren verwirrenden Fragen schwieg und mich ungeduldig und ratlos anstarrte. Sie hatte keine Ahnung, in welchen Abgrund sie mich mit ihrem Übergriff stürzte. Ich fiel in ein Loch, in dem ich mich nirgends festhalten konnte. Es verschlang mich wie der gierige Rachen des gefürchteten Schattens La tâche in unseren Hinterhöfen.
Hinter ihrer strengen Fassade spürte ich aber die Unsicherheit, die Erwachsene gegenüber Kindern hilflos macht, wenn sie nicht wissen, was sie mit ihnen anfangen sollen und glauben, mit ihnen anders reden zu müssen als mit normalen Erwachsenen. Dieses instinktive Gefühl für ihre Ratlosigkeit verriet mir, dass sie trotz ihrem garstigen Getue nicht allmächtig war. Diese Ahnung sollte mich aus ihren Klauen retten. Aber soweit war es unglücklicherweise noch nicht.
Sie war der erste böse Mensch, der mir in meinem Leben begegnete. In meiner grenzenlosen Verzweiflung schlug ich die Hände vor das Gesicht und würgte am Elend, das so unerwartet und so rücksichtslos über mich hereingebrochen war. Und plötzlich sehnte ich mich nach meiner Mutter, die so anders war als diese hässliche alte Hexe, die mit einer weichen Stimme voller Melodien sprach und die ich vielleicht nie wieder sehen würde. So vermochte das trübste Wetter die Sonne in meiner Seele zu verfinstern, die mich an diesem Tag bis hierher geführt hatte, und zum ersten Mal war ich in der Fremde nicht nur allein, sondern auch noch unglücklich.
Als sie schliesslich einsehen musste, dass sie es mit ihrer Ausfragerei auf keinen grünen Zweig brachte und mir meine Identität nicht entlocken konnte, liess sie endlich von mir ab und sprach in einen schwarzen Gegenstand, den ich noch nie gesehen hatte und der aussah wie ein komisch geformter Knochen. Dabei hielt sie das eine Ende an ein Ohr, während sie in das andere schrille Worte sprach. An ihrer Stimme erriet ich, dass es um etwas sehr Ernstes ging. Es bestand kein Zweifel, dass die Aufregung mich betraf, denn während des ganzen Gesprächs klebte ihr Blick an mir wie der Kaugummi, der manchmal in meine Schürzentasche geriet und kaum mehr herauszulösen war. Etwas Unheilvolles braute sich über meinem Kopf zusammen. Hier wollte ich auf keinen Fall bleiben. Das wurde mir in meinem gequälten Herzen klar, ohne dass ich darüber nachzudenken brauchte.
An das Ende ihrer Klagen über meine kleine Person angelangt, legte sie den Knochen auf das kleine Möbel zurück, von dem sie es aufgehoben hatte, und setzte mich auf einen Stuhl in der Küche. Vielleicht weil ich nun doch schluchzte, fiel ihr endlich etwas Vernünftiges ein: Ich könnte Hunger haben. Aus einem Korb nahm sie ein grosses Brot, schnitt mit einem breiten Messer wie das unsere zuhause eine Schnitte ab und legte sie in fast freundlicher Anwandlung vor mich auf den Tisch. Doch ich traf keinerlei Anstalten, sie zu essen, nicht weil sie weder Butter noch Konfitüre darauf gestrichen hatte, wie meine Mutter es getan hätte, sondern aus dem puren Selbsterhaltungstrieb heraus, um jeden Preis aus dieser bedrohlichen Lage wegzukommen, ohne vergiftet zu werden. Weder mein Hunger noch meine Angst wuchsen so schnell wie dieses Bedürfnis, aus diesem Gefängnis herauszukommen.
In der internationalen Sprache der Kinder artikulierte ich den Drang, Wasser zu lösen. Sie führte mich vor eine geschlossene Tür. Diese öffnete sich auf einen unendlich langen Gang, an dessen Ende die Kloschüssel stand. Neue Verzweiflung packte mich. Von zuhause wusste ich, dass in ihr ein riesiges Loch gähnte, das einen hinunterzog, wenn man zu lange hinunterschaute und vor dem ich mich über alle Massen fürchtete. Meine Mutter hielt mich immer fest, damit ich nicht in die grässliche Tiefe gezogen und verschlungen wurde. Oder sie setzte mich auf den Topf, wenn sie keine Zeit hatte, sich um meine krankhafte Furcht zu kümmern.
Die Alte aber liess mich allein. Jetzt war ich — wenigstens für den Augenblick — wieder auf mich selbst gestellt. Da sie mich hinter der angelehnten Tür nicht sehen konnte, zerrte ich hastig mein Höschen herunter und verrichtete meine Notdurft vor der Schüssel auf dem blanken Boden. Ich hatte erhebliche Mühe, meine Kleider anschliessend wieder in eine Ordnung zu bringen, die mir noch nicht geläufig war. Meine Mutter half mir immer noch dabei. Schliesslich war ich in diesem Sommer eben erst drei Jahre alt geworden.
Während ich mich umständlich mit dem Stoff um meinen Körper abmühte, dämmerte mir plötzlich die dumpfe Ahnung, dass die widerliche Alte vorhaben könnte, mich in das schreckliche Loch in der Kloschüssel hinunterzustossen. Aus Märchen wusste ich, dass runzlige alte Frauen (meine Grossmutter ausgenommen) böse Hexen waren, die es mit kleinen Kindern nicht gut meinten. Die Lache am Boden würde sie bald genug entdecken, und dann wäre es um mich geschehen.
Ich verhielt mich mucksmäuschenstill. Vielleicht glaubte sie, ich sei schon in die Falle gegangen! Vorsichtig schlich ich bis zur Tür. Dort stand sie und redete erneut in der Sprache der Gegner und noch eindringlicher als zuvor in das schwarze Ding. Diesmal drehte sie mir den Rücken zu. Das war meine Chance! Wie von einer Tarantel gestochen rannte ich an die Wohnungstür, die glücklicherweise nicht verschlossen war, stürzte so schnell es mit meinen kurzen Beinen möglich war das Treppenhaus hinunter, riss mit allen meinen Kräften an der Haustür, bis sie sich endlich öffnete, und rannte auf die Strasse in die heiss ersehnte Freiheit.
Einmal mehr rannte ich um mein Leben. Planlos, durch unzählige Gärten und unbekannte Strassen, noch nie gesehene Treppen hinauf und hinunter, über Mäuerchen eines grossen Schulhauses kletternd und an Leuten vorbei, die mir belustigt oder staunend nachsahen, bis ich sicher war, dass mich die Hexe nicht eingeholt hatte. Dass alte Leute nicht so schnell laufen können wie Kinder, wusste ich schon längst. Wie sich das aber bei Hexen mit ihren heimtückischen Zaubermitteln verhielt, war nicht abzusehen.
In der wilden Aufregung aber hatte ich meinen Puppenwagen mit all den Kostbarkeiten zurückgelassen! Ich weiss heute noch, wie einem zumute ist, wenn man etwas dem Herzen Teures verlieren muss, um sein Leben zu retten. Man ist im Augenblick nicht sicher, ob es sich gelohnt hat.
Als ich wieder fähig war, meine durcheinander geratenen Sinne von der eben entronnenen Gefahr abzuziehen und auf die unmittelbare Zukunft zu richten, sah ich ein baufälliges altes Haus, das ich kannte. Das konnte nicht weit weg von meiner Mutter sein! Mein Vater kam oft mit mir und meinem kleinen Bruder, der eben erst ohne Hilfe aufrecht zu stehen gelernt hatte, bei unseren Sonntagsspaziergängen an diesem Häuschen vorbei, das Jahre später zu einem verrufenen Jugendhaus umgebaut werden sollte. Seit ich wusste, sass hier jahraus, jahrein ein uraltes kleines Männchen auf einem Schemel. Die Attraktion für uns aber waren die jungen Hunde, die sich im Zwinger neben ihm tummelten. Entzückt klammerten wir uns an das Gitter, das sie umgab, und jauchzten und schrien mit ihnen. Es waren mindestens zehn. Natürlich waren es weniger als zehn, aber für mich waren es so viele, dass ich zehn sagte, weil das ein Begriff war für eine unüberblickbare grosse Menge. In wilden Kapriolen purzelten sie so rasch und munter und lustig durcheinander, dass auch ein Erwachsener Mühe gehabt hätte, sie zu zählen.
Schnell eilte ich näher, durch die familiäre Umgebung ermutigt, der Schreck von vorhin fast verflogen. Aber es waren keine Hündchen da! Das Gitter war leer! Ich konnte hinschauen, wo ich wollte, in die hintersten Ecken und Winkel des Geheges spähen; es war hoffnungslos. Mein Herz sank. Zu klein noch, um zu begreifen, dass sie anderswo sein könnten, vielleicht drinnen im Haus, schaute ich verständnislos in den verlassenen Zwinger und auf den leeren Schemel daneben, auf dem der freundliche alte Mann immer sass und sich freute, wenn wir auf unserem Weg zum Park vorbeikamen. Plötzlich war eine vertraute Welt nicht mehr da.
An den Weg zur nahegelegenen Brücke über den Fluss, der unsere Stadt teilt, erinnere ich mich nicht mehr. Es ist eine sehr schmale Brücke, vermutlich die kleinste und eine der unbedeutendsten in der Stadt. Sie verbindet den Park auf einer Landzunge, in welchem zweideutige Männer ihren damals noch geächteten Gelüsten nachgingen, mit dem Festland. Die quadratischen Verstrebungen des Geländers, um neunzig Grad gedreht, sind gross genug, dass auch ein Erwachsener den Kopf hindurch strecken kann, um sich von den unter ihm vorbeiziehenden Fluten über das Wasser gleiten zu lassen.
Diese schwindelerregende Fahrt, die mir Jahre später noch vorkommt wie die Illusion einer Reise in die Ewigkeit, liess mich die erste Erfahrung mit den wechselhaften Seiten irdischer Unwägbarkeiten vergessen, denen ich an diesem Tag so reichlich ausgesetzt worden war. Mit dem seligen Gefühl gänzlicher Hingabe liess ich mich von der unsichtbaren Kraft des Stromes ziehen. Das quirlende Wasser wand und schlängelte sich in den vielfältigsten Wellen, kleine Strudel bildend, die sich sogleich wieder selbst verschluckten, in tausendfachen Verästelungen auseinanderstrebend und wieder zusammenfliessend, sich verbergend und wieder offenbarend wie miteinander flüsternde Geheimnisse, die vielleicht nur Kinder und Geistesgestörte verstehen. Kleine und kleinste Fluten und Ströme, nacheinander greifend und ineinander dringend und miteinander verschmelzend, zerflossen wie die taumelndsten Gefühle, gelöst von jeglichem Geschehen ausserhalb ihrer selbst, immer wieder gleich erstehend und doch immer wieder neu, einander ähnlich und unähnlich zugleich wie Geschwister, die zusammen aufwachsen und doch eigene Wege gehen. Es versetzte mich in die zauberhafteste Erregung. Ehrfurcht, ohne die geringste Fähigkeit, diesem Gefühl auch nur einen Namen geben zu können, breitete sich in mir aus und durchströmte mich wie eine Freude, von der man weiss, dass sie für immer dauern, immer da sein wird.
Jedesmal, wenn wir mit unserem Vater hier vorbeikamen, versuchte ich ihm das wunderbare Erlebnis zu erklären, und immer wieder drängte ich ihn zu dieser Brücke, um das Wonnegefühl zu kosten, das mich wie Schmetterlinge unheimlich angenehm im Bauch kribbelte und von dem ich nie genug bekommen konnte.
Schwere, regelmässig klopfende Schritte auf asphaltiertem Boden riefen mich in die Seltsamkeiten der ungereimten Wirklichkeit zurück. Ein grosser Mann näherte sich mir ohne Hast und baute sich als gewaltiger Berg vor mir auf. Er trug eine Uniform und einen Helm, der seinen Kopf bis über beide Ohren zudeckte. Da er lächelte und sehr freundlich auf mich herunterschaute, konnte ich seinem Blick ganz begegnen. Ich wusste sogleich, dass ich mich vor dem riesigen Unbekannten nicht zu fürchten brauchte.
Als er merkte, dass ich seine Fragen nicht verstand, beugte er sich zu mir herab und suchte mit seinen offenen Augen mein unsicheres Gesicht, das ich sofort schamvoll senkte. Mein kindliches Herz mochte sich nicht ohne Weiteres offenbaren. Seine Freundlichkeit aber löste schliesslich meinen Blick vom Boden. Ich sah auf. Noch nie hatte ich einem Fremden so nah in die Augen geschaut, und zum ersten Mal in meinem Leben nannte ich, wenn auch zaghaft, einem unbekannten Erwachsenen meinen Namen. Als er sich wieder erhob und mir seine Hand anbot, verflogen alle Bedenken, die ich noch gehabt haben mochte. Ich legte meine kleine Hand in die seine.
So begann der letzte Teil meiner ereignisreichen Odyssee. Ich sollte sie von jetzt an nicht mehr selber bestimmen. Der Polizist sprach mit sanfter Stimme zu mir. Ihr Klang verscheuchte den letzen Rest meiner Unsicherheit, obwohl ich von dem, was er sagte, nichts verstand. Als wir am Häuschen mit den Hündchen vorbeikamen, die nicht mehr da waren, löste sich meine Zunge, und ich erzählte ihm in meiner Sprache aufgeregt von den herzigen Hündchen, die doch immer dagewesen seien und jetzt auf unerklärliche Weise plötzlich verschwunden waren, als hätte sie jemand gestohlen oder gefressen. Als er die Tränen in meiner Stimme hörte, nahm er mich auf seinen Arm und streichelte mit seiner Männerpranke so zart über mein Haar, dass ich ihm mein ganzes Leben zu erzählen anhob, das nicht nur aus diesem langen, aufwühlenden Nachmittag bestand und mich so erfüllte, wie mich vielleicht später einmal all die Jahre erfüllt haben werden, auf die ich am Ende meines Lebens zurückblicken werde. Seine ganze Enormität presste ich in meine unbeholfenen welschen Worte. Nicht für einen einzigen Augenblick liess ich den Faden abbrechen, um den so knapp überstandenen Schrecken bei der Hexe und den Kummer über den Verlust meines Puppenwagens mit all den Schätzen und den nun von der bösen Frau vernichteten Hündchen in einem Wortschwall sprudelnder und durcheinander geworfener Gefühle aus meiner Seele zu stossen. Ich erinnere mich an keinen Menschen, der mir später mit so viel Aufmerksamkeit und mit so viel Geduld zugehört hat, und ich erinnere mich nicht an viele Tränen, die ich mit so viel Inbrunst geweint habe.
Auf dem Polizeiposten, der heute noch unverändert dasteht, dass mir fast wehmütig wird, wenn ich an ihm vorbeifahre, konnte ich vor Müdigkeit kaum mehr auf den Beinen stehen. Hier gab es noch mehr Männer, die ich noch nie gesehen hatte, aber weil sie die gleiche Uniform trugen wie mein Polizist, bestand kein Grund zur Angst.
Es hätte nicht lange gedauert, bis ich eingeschlafen wäre, hätte nicht eine freundliche Stimme in meiner eigenen Sprache gefragt, ob “la jolie petite fille” nicht Hunger habe. Und ob ich Hunger hatte! Ich wurde hellwach. Wo die guten Männer nicht nur Brot, sondern auch Butter und ein Kinderherz seligmachende süsse Konfitüre herzauberten, vermag ich nicht zu sagen. Der Posten ist zu klein, um über eine eigene Kantine zu verfügen. Vielleicht gehörten die Leckerbissen zur täglichen Zwischenverpflegung der diensttuenden Beamten, die sie von zuhause mitbrachten.
Da man noch keine Ahnung hatte, wer ich war, sondern nur in den komischen schwarzen Knochen (fast wäre mein Misstrauen von neuem erwacht) zu melden vermochte, dass ich braune Haare und ebensolche Augen habe und nur französisch spreche, hatte ich jede Menge Zeit und Musse, so viele dick mit Butter und herrlicher Konfitüre bestrichene Brote zu verschlingen, wie beide Backen und mein kleiner Bauch zu halten vermochten. Die imposanten Männer hatten ihre helle Freude an mir und überboten sich mit Fragen, die sie auf Französisch zu stellen sich alle Mühe gaben, lachten und scherzten mit mir, während ich, sichtlich ermutigt, mein charmantestes Lächeln in die Runde verteilte. Es war mein erster Erfolg in einer Männergesellschaft.
Bis der Ernst des Lebens in der dunklen Gestalt meines Vaters den Türrahmen füllte. Da erinnerte ich mich wieder an eine Welt, die es auch noch gab und von der ich mich so weit entfernt hatte, dass ich nur mit Mühe in ihre verbindliche Gültigkeit zurückfinden sollte. Wie von Weitem nur erkannte ich ihn, und nur der erlöste Ausdruck in seinen Augen hinderte mich daran, in einen Zustand gänzlicher Konfusion zu versinken, aber auch der Schlaf, der mich in seinen Armen übermannte, ohne eine Spur jenes Traumes zu hinterlassen, dem ich erst viel später in meinem Leben wiederbegegnen sollte.