Für eine Handvoll Shrimps — Der erste Fall von Leonard, der einäugigen Möwe (Teil VI)

Die Sache mit Napoleon

Ich hasse Seehunde. Sie sind immer fröhlich. Aber Napoleon ist nicht wie die anderen. Er hat echt was drauf. Leider merkt das keiner von seinen Artgenossen, weil er einen Sprachfehler hat. Die haben ja keine Ahnung. Napoleon wohnt in einer alten Gefriertruhe, die irgendwann einmal nach einem Sturm ans Ufer gespült wurde. Fragt mich jetzt bloß nicht, wie die Gefriertruhe ins Meer kam. Wir treffen uns oft.
Napoleon sah mich schon von weitem kommen und winkte mir.
„Hollo Loo!“, rief er.
„Hallo, Napoleon, alter Junge. Alles klar?“
„Jo, mor goht os got ond dor?“
„Wie immer. Was macht deine Muschelsammlung?“ Ihr müsst wissen, dass Napoleon in seiner Freizeit gerne Muscheln sammelt.
„Gostorn hobo och onogo gonz bosondors schono gofondon“, berichtete er stolz, „soll och so dor mol zogon?“
Eigentlich hasse ich ja Muscheln, aber Napoleon kann sehr empfindlich sein, wenn es um sein Lieblingsthema geht.
„Ja, zeig sie mir doch mal, Napoleon!“
Er holte drei Muscheln hervor, die alle genau gleich aussahen — nämlich genauso wie die 72 anderen, die er mir letztes Mal gezeigt hatte.
„Gock mol, sond do nocht wonderschon?“
„Ja, Napoleon, die sind wirklich ganz besonders schön.“
„Jo, workloch? Gofollon so dor? Mochtost do ono hobon?“
Das fragt er mich jedes Mal. Und jedes Mal gibt er mir eine mit. Ich lege sie dann immer irgendwo am Strand ab, wo Napoleon sie daraufhin findet und sich freut wie eine Taube mit Durchfall. Auch dieses Mal nahm ich eine mit.
„Ond, wos gobt os bo dor for Noogkoton?“
„Stell dir vor, sie haben Ernest, die Lachmöwe, überfahren.“
„Oh, dos ost jo forchtbor.“
Und er gab mir eine zweite Muschel.
„Hor, do ost for Ornost. Gob so ohm mot ons Grob. Domot or on don Hommol kommt. Os ost nomloch so, doss mon nor on don Hommol kommt, wonn mon ono Moschol hot.“
„Vielen Dank, Napoleon. Damit wird der kleine Ernest bestimmt in den Himmel kommen.“
„Woß mon schon, wor os wor?“
„Nein, im Moment gibt es noch viele Spuren. Kennst du zufällig einen Uhu namens John?“
„On Oho nomons John? Jo, von dom hobo och schon onmol otwos gohort. Och globo, or wohnt orgondwo om Wold. Hot or otwos mot dor Socho zo ton?“
„Das wird sich zeigen, Napoleon.“
„Frog doch mol Orson, do Flodormos. Dor ost doch och nochtoktov.“
Eine brillante Idee. Genau das würde ich tun. Wieder einmal sah ich mich darin bestätigt, dass Napoleon schlauer war als all die anderen Seehunde zusammen. Deswegen ist er ja auch mein Freund. Obwohl er Muscheln sammelt.
Wir plauderten noch ein bisschen über dies und jenes und dann verabschiedete ich mich. Neil wartete bestimmt schon auf mich.