Kann man analog digitalisieren?

Über analoges Denken

Für mich ist BWL die perfekte Grundlage ein Unternehmen zu managen oder ein Produkt weiter zu entwickeln 
- ist Weiterentwicklung die richtige Herangehensweise für die Bewältigung der Digitalisierung?

Digitalisierung heißt nicht (ausschließlich), bestehende Prozesse durch den Einsatz von Vernetzung und Computer zu beschleunigen. Es geht nicht nur darum, neben der telefonischen Annahme von Kundenanfragen nun auch per WhatsApp zu reagieren. Es geht nicht nur darum, ab sofort Rechnungen nicht mehr nur per Post sondern auch per Foto auf dem Smartphone einreichen zu können. Geschwindigkeit und Komfort gegenüber alten Prozessen ist nicht der einzige Inhalt der Digitalisierung. Das sind die Grundvoraussetzungen, die jeder Kunde erwartet.

Kann analoges Denken zur Bewältigung der Digitalisierung führen?

0 zu 1 oder 1 zu n?

Etwas Neues aus dem Nichts zu erschaffen birgt ein hohes Risiko, aber dafür exorbitant hohes wirtschaftliches Potential. Von 0 nach 1 ist analoges Denken unmöglich, deswegen empfinden viele das, was StartUps machen, als unvernünftig. Ebenfalls würde die eigene Neuerfindung für ein Unternehmen bedeuten, sich das eigene, aktuelle Geschäft kaputt zu machen.

Eine Produktinnovation 1 zu N (Beispiel: Schallplatte -> CD) wird häufig als Wandlung bezeichnet, in der Wertschöpfungskette ändert sich aber nichts. Im Beispiel der CD sind die Kunden weiterhin in klassische Musikläden gegangen. Die gleiche Industrie hat auf die gleiche Art und Weise Geld verdient — die Wertschöpfungskette ist weiterhin der Schwach- und Angriffspunkt. Nur die Maschinen wurden modernisiert. 
Dagegen herrscht mittlerweile eine ganz andere Industrie über den Musikmarkt, diejenigen die von 0 zu 1 gegangen sind und das Streaming, respektive den digitalen Verkauf von Musik erfunden haben. Nicht eine einzige Wirtschaftsgröße des damaligen Musikhandels ist heute noch relevant. Spotify, Apple, etc. sind alles Unternehmen, die vorher nicht existent und deren Erfinder nicht einmal in der Branche tätig waren. Hätte Tower Records nicht auch ein Streaming-Anbieter werden können? Die finanziellen Mittel und das Netzwerk hätten sie gehabt, sie hätten aber frühzeitig viel Geld in etwas investieren müssen, das das bisherige Geschäft komplett abschafft.

Dabei kann die Qualität des Neuen sogar zunächst schlechter sein 
- vergleiche zum Beispiel BluRay mit HD Streaming über Netflix, Amazon Prime, Watchever, etc.

Kann das einer Versicherung auch passieren? Könnte Google, die sowieso schon alles über uns wissen, nicht einfach erkennen, dass ich viel Sport betreibe und mir entsprechend eine Unfallversicherung anbieten? Und das auch noch supergünstig, weil keine Provision an den Vertrieb fließen muss und für die Kundenakquise nur bisherige Wege weitergenutzt werden. Hier ist die Beratung sicher nicht so gut, aber ist das vielleicht der Qualitätsmangel, der für viele erst einmal hinnehmbar ist (BluRay Vs. Streaming)?

Zerstöre N selbst

Ist der langfristig richtige Weg also, dass eigene Geschäftsmodell zu zerstören und ein neues aufzubauen? Es selbst zu zerstören, bevor es andere machen? Natürlich ist es schwer und birgt viel Risiko, die eigene Weiterentwicklung zu unterbrechen und von N zu 0 zu gehen, bevor man mit 0 zu 1 wieder den Markt beherrscht.

Nicht nur für das Unternehmen birgt es ein Risiko, auch persönlich. Erfolg hat immer viele Gesichter, Fehler nur eines. Jeder will im Glanz stehen, aus dem Schatten verschwinden sie dann ganz schnell. Es scheint als könne man mehr verlieren als gewinnen?

Ist Digitalisierung eine Weiterentwicklung oder ein Wandel?