Ist Mike nur eine Markerting-Erfindung?

Es gibt in dieser Stadt mehr Fahrräder als Autos, weiß jeder gute und schlechte Reiseführer über Amsterdam zu berichten. Tatsächlich fahren alle mit dem Rad, transportieren Sperrgut, große Blumen und hungrige Freundinnen auf ihren klapprigen Gepäckträgern. Auf den Straßen fädeln sie ein, halten an, rauschen an Autos vorbei, die im Stau stecken. Da wollen wir mitmachen und buchen zwei Plätze bei Mike’s Bike Tour, zahlen 44€ für zwei Räder und ein paar unterhaltsame Stunden.

Die Tour beginnt in der Kerkstraat. Wir sind sechzehn Leute, die aus Amerika kommen, aus England, Australien und wir aus Deutschland. Zwei kleine Frauen kommen aus…


Im Sexshop für Frauen

Nicht auf der Reeperbahn, sondern in Hamburg-Winterhude beweist ein Sexshop für Frauen, dass erotisches Einkaufen auch unverkrampft geht.

Im Sexshop in St. Pauli ist es schrecklich einsam: Zwei Männer stöbern still und konzentriert durchs Sortiment und meiden jeden Blickkontakt, vorne surren DVD-Player und in den Videokabinen flimmern runde Busen über bauchige Röhrenbildschirme. Zwanzig Minuten gucken kostet zwei Euro. Niemand will.

In der Ecke guckt sich einer die Pornofilm-Charts an; die DVDs sind in einer Glasvitrine ausgestellt. Die Streifen kann man entweder kaufen oder gleich hier in der Videokabine schauen. Andererseits gibt es das alles im Netz, viel billiger und anonymer…


Schattige Straßen, muffige Mauern, der traurige Fado: Lissabon bietet die perfekte Kulisse für melancholische Streifzüge.

VOR DEM GROSSEN REGEN bin ich da, mitten im gutgelaunten Durcheinander von Menschen, die trinken und lachen. An der Bar ist noch ein Hocker frei. Der Tresen ist feucht und kalt, jemand wischt die Flecken und Krümel zur Seite und stellt das erste Bier vor mich hin, ein Super Bock. Hinter mir stehen die Tische eng zusammen. Dort sitzen Jungen und Mädchen, die sich in die Augen schauen und verliebt ins Hühnchenfleisch beißen. Neben mir trinken zwei Mädchen Vinho Verde und hinterlassen durchsichtige Lippenabdrücke auf ihren Gläsern. Die eine dreht mir den Rücken zu, leicht gekrümmt und leicht bekümmert. Die…


Glosse

In Berlin gibt es neuerdings einen Friedhof für Lesben, wo Frauen, die Frauen lieben, ihre letzte Ruhe finden. Da sind sie dann ganz unter sich: keine verblödeten Macho-Spackos, denen nur dumme Sprüche einfallen, keine intoleranten Idioten, die lieber hassen, als zu leben. Für die und alle anderen Randgruppen kann es ja eigene Friedhöfe geben – für jede Minderheit ein exklusiver Ort für die lange Zeit nach dem Sterben. Neben einem Friedhof der Kuscheltiere gibt es einen muffigen Raucherfriedhof, wo es ständig qualmt. Porschefahrer finden ihre letzte Unruhe auf dem Autofriedhof, auf dem geschnitten und geschimpft wird: über rote Ampeln, Radfahrer…

Daniel Berger

Journalist · Blogger · Tourist

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