Beichten: Immer Dasselbe?!

“ … und letztlich ist es immer das Selbe, was ich sage. Was bringt das schon? Deshalb habe ich das Beichten schließlich aufgegeben.” Ich höre aufmerksam zu und nicke nachdenklich, denn den letzten Satz meines Gegenübers kenn ich von mir selbst.

Mit genau diesem Argument hatte auch ich das Beichten einmal eingestellt: “Was bringt das schon, du sagst immer wieder das Selbe. Da tut sich nichts. Vielleicht geht es hier nicht um Bereuen, sondern um Integrieren. Das sind nun mal deine Fehler und Macken, gewöhn’ dich dran.”

Bild: Pfarrei St. Bonifatius Berlin, Im Beichtstuhl, flickr

Heute sehe ich es anders. Ja, es geht um Integration, aber um die Integration von Gnade. Genau bei meinen Fehlern und Macken brauche ich Gott, dass sie sich nicht weiter verfestigen und verschlimmern. Ich lade Gott ein, je neu meine inneren Teufelskreisläufe zu durchbrechen und ich bin immer wieder überrascht und beglückt zugleich: Es hält für eine gewisse Zeit vor!

Beichten ist meine Exitstrategie. Wenn ich merke, dass ich mich in mir selbst verrenne, wenn ich zuviel Kraft in Selbstrechtfertigung und Rechthaberei investiere, wenn ich verstärkt ein Verhalten an den Tag lege, das mir und anderen nicht gut tut, … dann nehme ich mir ein Herz und gehe beichten. Denn dann wird es Zeit, wieder freier von mir selbst zu werden.

Es frustiert mich nicht mehr, dass mein Sündenbekenntnis keine großen Variationen aufweist. Ich glaube, es ist bereits eine Wirkung von Gnade, wenn mein Fehlverhalten sich auf wenige Grundmuster reduziert. Beichtgnade ist für mich zu einem religiösen Grundnahrungsmittel geworden: Es verbraucht sich über mein Verhalten, aber ich weiß ja, wo ich Nachschub bekomme.