Beten: Wann, wo, wie?

Beten ist für viele eine Sehnsucht. Es ist aber auch eine Übungssache und eine Frage der Disziplin. Ohne gut überlegtes Übungsprogramm, das mich in meinem Anliegen unterstützt, bleibt beten oft eine unerfüllte Sehnsucht.

Wenn ich mich jeden Tag neu befrage: “Wann kann ich beten, wo kann ich es tun und auf welche Weise will ich es tun?”, dann — Hand drauf! — werde ich das Beten bald einstellen. Das ist zu anstrengend, zu zermürbend und es geht kostbare Zeit verloren, die ich besser ins Beten selbst investieren kann.

Bild: Jesuiten Bilddatenbank, Christian Ender

Also, mit Realismus und aus Liebe zur Wirklichkeit, sich einmal hinsetzen und die “3 W” überlegen:

Wann kann ich beten? — Zu welcher Tageszeit? Manche sagen: “Ich bin kein Morgentyp, aber am Abend schlafe ich immer ein.” Na dann lieber den inneren Schweinehund überwinden und etwas früher aufstehen. Zehn Minuten sind besser als nichts!

Wo kann ich beten? — Ein ruhiges Plätzchen zu Hause ist schnell organisiert: ein Kerze auf den Tisch, ein Kreuzzeichen gemacht … und es kann los gehen. Und wenn zu Hause immer Halligalli ist, gibt es vielleicht eine offene Kirche auf meinem täglichen Arbeitsweg.

Wie will ich beten? — Ich muss nicht das Rad neu erfinden: Ich lese ruhig eine Bibelstelle, z.B. das Tagesevangelium, also die Jesus-Geschichte, die heute in der Kirche vorgelesen wird. (Schott-Messbuch, Te Deum …) 
Suche ich Stille, dann reichen zwei Worte: Ich lege den Namen Jesu in meinen Atem und spreche, denke beim Ausatmen “Jesus”, beim Einatmen “Christus”. Alle Gedanken, die mir sonst noch kommen — und es werden viele sein! — , lasse ich wie Wolken am Horizont weiterziehen, SEIN Name ist mein Anker im Hier und Jetzt. (Herzensgebet)

Dann kommt es auf eine Experimentreihe an. Wenn es irgendwo hakt, kann ich nachbessern, aber um Himmels willen nicht jeden Tag das ganze Übungsprogramm neu in Frage stellen und über den Haufen werfen! Launigkeit tut keiner Beziehung gut, auch nicht der zu Gott.