“Bibliodrama light” zum Nachbauen (Teil II)

Ein letztes Mal “Barmherziger Vater” (Lk 15,11–32), denn es fehlt noch die Spielrunde mit dem „Vaterstuhl.“ Wenn nach der ersten Spielrunde (vgl. Teil I) alle wieder im Kreis sitzen, bitte ich für einen weiteren Stuhl Platz zu machen und erkläre:

„Das ist der Vaterstuhl. Denn jetzt sind Fragen an den Vater möglich. Das geht so: Wer eine Frage an den Vater hat, soll sie bitte laut aussprechen und dann überlegen wir alle. Wer einen Antwortversuch hat, steht bitte auf, nimmt den Vaterstuhl ein und gibt seine Antwort in der Rolle des Vaters.“

Bild: “Crypt Chair”, David, flickr

Wichtig in dieser Runde ist, dass die gegebenen Antwortversuche nicht diskutiert oder kommentiert werden, z.B.:
 „Äh, das genügt mir nicht.“ 
„Wie jetzt, verstehe ich nicht?“
„Aber dann hättest du doch …“

All das gilt nicht und ich achte als Spielleiter darauf, dass es nicht geschieht. Denn es ist mutig, sich auf den Vaterstuhl zu setzen und wer es tut, verdient Aufmerksamkeit und Respekt.

Natürlich ist es möglich, auf eine Frage, mehrere Antworten zu geben. Das merkt man als Spielleiter, wann die nächste Frage in die Runde muss, damit Spannung im Spiel bleibt.

„Na ja, ist halt mal wieder eine reine Männersache!“, wirft eine Teilnehmerin ein, bevor ich das Spiel eröffnen will. „Danke für den Hinweis! Sobald eine Frau auf dem Stuhl sitzt, ist es selbstverständlich ein ‘Mutterstuhl’! Nun, die erste Frage bitte, wer eröffnet, wer traut sich?“ Ich habe es noch nie erlebt, dass nach einer ausgesprochenen Frage niemand aufstand, um Vater bzw. Mutter zu spielen.

Frage:
„Wieso hast du deinen Sohn einfach so weggehen lassen?“
Antworten:
„Ach, wir hatten es vorher so oft durchdiskutiert. Ich hatte gehofft, dass er nicht geht.“
„Kann Liebe jemanden gegen seinen eigenen Willen binden? Ist das Liebe?“

Frage:
„Hast du eigentlich auch mal dran gedacht, wie dieses ganze ‘Empfangstrara’ bei deinem älteren Sohn ankam?“
Antworten:
„Nein, in dem Augenblick, als ich meinen Jüngsten am Horizont zerlumpt daher kommen sah, war ich nur dankbar, ihn heil und gesund wieder zu haben.“
„Nicht so wirklich, aber seine Reaktion war sehr hilfreich für mich. Ehrlich, ich war überrascht, dass er mich für so einen Geizkragen hält! Das wusste ich nicht, gut, dass er das nun ausgesprochen hat!“
„Ich hoffe, er glaubt mir, denn ich meine es so: Er muss nicht fragen, was soll das!“

Und einmal hat der ältere Sohn, der in diesem Fall eine ältere Tochter war, gefragt: „Wo ist eigentlich unsere Mutter?“
Die Antwort:
„Komm mit rein, sie ist im Festsaal. Sie wird sehr, sehr glücklich sein, euch beide wieder zu haben! Und ich bin so froh, dass endlich dieses Thema vom Tisch ist. Jeden Tag durfte ich mir anhören, dass ich daran schuld bin, dass alles so gekommen ist. Ich hätt’s gerne rückgängig gemacht, wenn ich gekonnt hätte. Das kannst du mir glauben!“

Kein weiterer Antwortversuch auf diese Frage! Stattdessen erleichtertes Lachen im Raum, insbesondere bei den Männern. Ich liebe Antworten, die nicht huldvoll, sondern ganz aus dem Leben gegriffen sind. Dem ist dann einfach nichts mehr hinzuzufügen!

Alle Einträge zum Barmherzigen Vater:
Bibelskizzen: Barmherziger Vater (Teil I)
Bibelskizzen: Barmherziger Vater (Teil II)
“Bibliodrama light” zum Nachbauen (Teil I)