Bittgebet und Gottesbild

Ein Seelsorgegespräch: “Warum überhaupt bitten, Gott weiß doch ohnehin alles?” — “Jesus ermutigt uns zu bitten (z.B. Mt 7,7; Lk 11,5ff) und das Vaterunser ist ein einziges großes Bittgebet.” — “Gut, aber mal ehrlich, was bringt’s, meine Bitte ändert doch an Gottes Plan nichts?”

Nicht wenige fliegen beim Fürbittgebet aufgrund ihres Gottesbildes aus der Kurve: Gottes Pläne sind unabänderlich. Er hat alles fest gefügt. Fürbitten haben maximal einen pädagogischen Sinn: Sie räumen uns Zeit ein, uns in den Willen Gottes einzufügen.

Bild: Michelangelo, Gott bei der Erschaffung Adams

Was aber, wenn doch nicht alles determiniert ist? Wenn Gott offen ist für Kooperation, sie sogar wünscht und ersehnt? Gott, der unsere Freiheit achtet und ihr Garant ist, könnte doch sehnsüchtig auf unsere Bitten warten, weil sie ihm neue Handlungsspielräume eröffnen.

Jede Fürbitte ist eine Vergewisserung für Gott: “Du darfst, … mach ruhig, … ich vertraue Dir.” Ich verstehe alle, die hier aus der Kurve fliegen. Es will gut überlegt sein, wem ich ein Stück meiner Freiheit abtrete. Am besten einem Gott, dem ich wirklich zutraue, dass er allen, die ihn lieben “alles zum Guten gereichen” lassen will (vgl. Röm 8,28).