Bringt’s das?

Ein gewöhnlicher Werktag, morgens um 7:20 h. Ich betrete die Kirche, in der ich gleich als Priester die Hl. Messe feiern darf. Ich gehe in Richtung Sakristei und denke: Na, hoffentlich kommen noch ein paar Leute, zehn bis zwölf sind nicht viel!

Auch wenn das stimmt, zehn bis zwölf sind nicht die Masse, in einer Kirche, in der ohne Probleme 300 Menschen Platz hätten, trotzdem ärgere ich mich über meinen Gedanken! Das Zahlenargument ist verräterisch. Wie überzeugt bin ich von meinem Tun?

Bild: Blake Clinkart, Church, flickr

Gottesdienst feiern, Gott Ehre erweisen. Wird das sinnvoller und berechtigter über die Zahl? Gottesdienst feiern, Gott bitten, er möge seinen Geist in die Welt senden. Ist das verlorene Zeit, in einer Welt, die immer wieder Gefahr läuft sich selbst zu genügen?

In der Sakristei angekommen, ziehe ich mir die priesterlichen Gewänder an und hab die Dinge wieder klar: Gott wirkt dort, wo man ihm Wirksamkeit zutraut. Das ist ja gerade unser Problem, wir trauen Gott nichts mehr zu!

Wer um diese Uhrzeit hierher kommt, sieht das anders, sonst würde er im Bett bleiben. Eine Handvoll Frühaufsteher leistet der Welt einen wertvollen Dienst: Sie glauben an Gott und erhöhen so seine Wirksamkeit!

So betrachtet wünschte ich mir natürlich, dass um 7:30 h, wenn ich an den Altar trete, die Kirche bis auf den letzten Platz voll wäre. Aber 12 x Gottvertrauen bringt der Welt auch schon was!