Geistlich kämpfen

“Du kannst jetzt noch so, … so arschig sein, … ich liebe dich trotzdem!” Mancher Ehekrach endet, nicht verbal, aber gefühlt so, meint mein Gegenüber. Er ist Ehemann und Familienvater, er muss es wissen. Ich schmunzle in mich hinein, denn ich wusste wirklich nicht, dass es dieses Adjektiv gibt.

Wir sind uns einig, es ist paradox: Wir sehnen uns nach Liebe, wir hungern nach ihr und kämpfen zugleich gegen erfahrene Liebe an. Sich lieben lassen, ist nicht immer leicht. Ein Drama, von dem auch Gott ein Lied singen kann!

Bild: Federico Cardoner/Shinny used red Boxing gloves on isolated white background. Sport/ flickr

Wie oft kämpfe ich gegen Gottes Liebe an? Wie oft versuche ich mich seiner Liebe zu vergewissern, indem ich ihm innerlich an den Kopf werfe: Nein, du liebst mich nicht, sonst …! — Nein, du liebst mich nicht, schau mich doch an, wie ich bin …! — Nein, du liebst mich nicht, du hast andere Lieblinge …!

Sich lieben lassen. Gott glauben. Es ist der größte geistliche Kampfplatz. Tugendverbesserung und moralischer Fortschritt sind auch beliebte religiöse Kampfplätze. Oder sind es Ausweichmanöver, damit uns Gottes Zusage: “Ich liebe dich trotzdem!”, gefühlt nicht zu frontal trifft?