Gott — Hermelin scheint inn

Gott hat irgendwann einmal alles so eingerichtet, wie es ist. Jetzt läuft das Uhrwerk ab, er thront fernab, ohne einzugreifen. Gott im Hermelin, der in seinem Thronsaal Würde bewahrt, unabhängig von dem, was auf Erden geschieht.

Einen solchen Gott braucht man nicht und doch hat er viele Kinder. Nicht wenige tun es dem alten Herrn im edlen Pelz gleich. Sie möchten mit “dem hier”, mit den Problemen der Welt, nichts zu tun haben. Prinzen und Prinzessinnen, die sich in ihre Privatsphäre zurückgezogen haben.

Jesus muss einen anderen Gott vor Augen gehabt haben. Aus “please respect my privacy” wird bei ihm: “Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt …” (Mt 11,28). Wenn der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, dann kann seinem himmlischen Vater Privatsphäre nicht so wichtig gewesen sein.

Bild: Andrew Stawarz, The Driver, flickr

Das göttliche Vorbild, an dem Jesus sich ausrichtet, trägt Blaumann und nicht Hermelin. Jesus heilt und macht sich dabei die Finger schmutzig. Er gibt sich mit Menschen ab, die seinem Ruf schaden. Er streitet auf Teufel komm raus mit seinen Gegnern, weil er sie ernst nimmt. Er liebt die Seinen bis in den Tod.

Jesu Gott, das ist einer, der jeden Tag neu in den Maschinenraum der Schöpfung geht, um alles am Laufen zu halten. Der Heilige Ignatius beschreibt den Schöpfergott auch so: “Erwägen, wie Gott sich in allen geschaffenen Dingen … für mich müht und arbeitet, … sich in der Weise eines Arbeitenden verhält …” (Exerzitienbuch Nr. 236)

Gott und seine Kinder: Hermelin oder Blaumann, Thronsaal oder Maschinenraum, Heiligtum Privacy oder immer mitten drin. Mein Gottesbild ist der Kompass.