Höllenpredigt

“Alles war Sünde, alles war verboten, alles war so streng!” — Wenn ich mich mit älteren Menschen unterhalte, dann fassen sie ihre religiöse Erziehung oft mit diesen Worten zusammen. Sie erzählen mir Beispiele und ich spüre, wie Wut, Schmerz und Enttäuschung über die Erinnerung wieder in ihnen wach werden, einfach noch da sind.

“Vergiss das nicht, wenn du predigst!”, sage ich mir selbst. Denn ich habe in meiner Kindheit und Jugend — Gott sei Dank! — keinen strengen Gott und keine strenge Kirche erlebt. Natürlich will ich kein Höllenprediger sein. Aber ich muss gestehen, ab und an ist es eine Versuchung!

Bild: SJ-Bild

Denn eine Predigt für den erhobenen, tadelnden Zeigefinger ist viel schneller ausgearbeitet, als eine aufbauende und ermutigende Predigt. Bei der Predigtvorbereitung abzukürzen, ist der beste Weg zur überzogenen Moralpredigt.

Und dann sticht mich manchmal der Hafer: Einverstanden, Höllenpredigten sind ein No-Go! Aber wie konnte es nur passieren, dass Gott so belanglos wurde? Liegt das auch an seinen Predigern? Wurde Gott über uns zu einem Wellness-Artikel, den ich dazu buchen kann oder eben auch nicht? Warum nicht einmal die Tonlage wechseln und einen Überraschungseffekt herbeiführen?!

Mein Fazit, um der Versuchung zu widerstehen: 
Eine gute Predigt braucht Zeit! 
Und: Das eigene Unvermögen, nicht spannender und packender von Gott reden zu können, ohne moralisch zu werden, ist auf gar keinem Fall an den Zuhörern auszulassen!

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