Taufe, warum eigentlich?

“Aber Pater Heindl, jetzt mal ehrlich, wir kommen doch sowieso alle in den Himmel. Wieso dann noch die Taufe?” Viele Gedanken rasen durch meinen Kopf, was, wie sagen, antworten? Denn die Frage war ehrlich gemeint. Mein erster Erwachsenentäufling, eine Jurastudentin, stellte sie mir bei unserem dritten oder vierten Vorbereitungsgespräch auf die Taufe, als sie Vertrauen in mich gefasst hatte.

Mein Gegenüber schaut mich erwartungsvoll an. Ich jongliere mit Begriffen wie “Heilsnotwendigkeit”, “Heilsbedeutsamkeit”, komme damit nicht so recht auf den Punkt. Ich will der jungen Frau ihren Heilsoptimismus nicht nehmen, ziehe mich aus der Affäre, indem ich etwas Schwarz in das Rosarot mische und frage, ob ich wirklich alle im Himmel wissen will?

Das ist Jahre her. Nach wie vor überlasse ich die Frage, wer letztlich im Himmel ist, Gott. Auch bin ich nach wie vor Heilsoptimist. Aber je länger ich das bin, um so nachdenklicher werde ich, wie tief mein Heilsoptimismus wirklich reicht? Taufe, das ist die Zusage Gottes an mich: “Hab nicht so viel Angst, mach dir nicht so viele Sorgen. Glaub mir, alles wird gut!”

Bild: SJ-Bild

Glaube ich das wirklich? Lebe ich so oder bin ich letztlich doch ein Heilspessimist, der nur Optimismus vorgibt? Überwundene Ängste und Sorgen werden jedenfalls schnell durch neue ersetzt. Allen voran die Angst zu kurz zu kommen. Kaum habe ich sie Lügen gestraft, flüstert sie mir eine neue mögliche Benachteiligung ins Ohr.

Wo ist da die Stimme Gottes in mir? Aber ich ziehe mir diesen Schuh nicht alleine an. Denn viele echte Heilsoptimisten müssten doch ein anderes Lebensgefühl auf unserem Planeten zu Stande bringen als “rausholen, was nur geht, … me first, … hilf dir selbst, dann …”

Taufe: “Hab nicht so viel Angst, mach dir nicht so viele Sorgen. Glaub mir, alles wird gut!” Ein Ritual, das mir eine Stimme ins Herz gelegt hat, die alles andere als selbstverständlich ist. Der Aktivierungscode? Meist genügt schon ein ruhig gebetetes Vaterunser … und ich kann die Stimme leise wieder hören.