Vergebung

Vergebung tut Not, aber bitte nicht zur Vergebung nötigen! Als Christen müssen wir doch vergeben. Das ist leicht dahin gesagt. Meist von denen, die gerade nichts zu vergeben haben oder Vergebung mit Verdrängung verwechseln.

Vergebung braucht Zeit und geschieht Schritt für Schritt. Ein Schritt, der leicht übersehen wird: Die Verletzungsgeschichte, um die es konkret geht, sollte abgeschlossen sein. Wer neue Verletzungen fürchten muss, darf zuerst an Selbstschutz denken, bevor er nachdenkt, wie Vergebung möglich wird.

Bild: Symbol of peace, richelieu umel, flickr

Aus einem Ratgeber*: “Vergebung setzt kein neues Vertrauen voraus.” Verträgt sich das mit der Aufforderung Jesu, wir sollen einander aus ganzem Herzen vergeben? Vergebung kann selbst dort geschenkt werden, wo der Täter kein Unrechtsempfinden, keine Reue zeigt. Doch einem solchen Täter neu zu vertrauen, wäre töricht und hat nichts mit gläubiger Herzensbildung zu tun!

Wer vergeben will, muss die kleinen Schritte würdigen, die ihn zum Ziel führen. “Vergebung bedeutet, das Unrecht, das mir widerfahren ist, nicht immer wieder neu zur Sprache zu bringen.” Wer innehält und darauf verzichtet, seine Verletzungsgeschichte erneut zu erzählen, obwohl die Gelegenheit günstig wäre, der ist schon auf einem Vergebungsweg, der investiert gerade in Herzensbildung und sollte sich darüber freuen!

Und was in keinem weltlichen Ratgeber steht: Gott hat Erfahrung mit Vergebung. Ich kann ihn um Hilfe, um Gnade bitten, wo ich an meine Grenzen stoße. Vergebungssehnsucht lässt ihn nicht ungerührt, davon bin ich überzeugt, … wiederum aus Erfahrung!

*Justitia et Pax, Zehn Thesen zur Vergebung