Zirkeltraining Fastenzeit

“Fasten, beten, Almosen geben”, das ist die klassische Trias, in der sich Christen in der Fastenzeit üben. Das Ganze ist natürlich kein Selbstzweck. Letztlich soll eine tiefer liegende Trias gestärkt werden: Gottes-, Nächsten-, Eigenliebe.

Beten stärkt die Gottesliebe, mein Almosen hilft meinem Nächsten und Fasten tut meinem Körper und meinem Geist gut. Im Idealfall ist es ein Zirkeltraining und ich sollte schauen, dass ich mich nicht nur an einer Station auspowere. Sich z.B. so auf das Fasten zu konzentrieren, dass für die anderen Stationen keine Kraft mehr bleibt, wäre doch irgendwie der Eigenliebe ein Eigentor geschossen. Oder?

Bild: Fred Johnsson, workout, flickr

Sich in der Fastenzeit gut in Eigenliebe zu üben, ist gar nicht so leicht. Weil gönnen soll man sich ja gerade nichts. Meine Übung in Eigenliebe im Fastenzeit-Zirkeltraining ist so aufgebaut: 
Ich höre ganz bewusst hin, wie ich mit mir selbst rede. Wenn sich jemand im Ton vergreift, dann rutscht mir schon mal heraus: “Sag mal, wie redest du eigentlich mit mir?”

“Sag mal, wie rede ich eigentlich mit mir?” Das ist meine Frage an der Eigenliebe-Station. Würden meine inneren Monologe im Kommunikationsseminar als “gewaltfrei” durchgehen? Beispiele: “Och, wieder vergessen! Wie doof darf man eigentlich sein?!” — “Meint Güte, jetzt stell dich nicht so an, du Schwächling!” — “Wieder reingetappt, du bist echt ein Vollpfosten!”

Nicht wirklich liebevoll. Weitere Selbstvorwürfe, die noch mehr auf “unbegabtes, häßliches Entlein” hinauslaufen, möchte ich hier nicht preisgeben. Ich hab jedenfalls an der Eigenliebe-Station immer wieder zu tun, wenn es um den Grundton gegenüber mir selbst und den Verzicht auf Selbsterniedrigungen geht.