“Irgendwie muss es ja weitergehen” — von übersteuerten Entwicklungsprozessen

Es sei nicht böse gemeint, sagt der Kollege, aber er empfehle mir, die Protokolle zu lesen.

Der erste Arbeitstag nach dem Urlaub ist gar nicht so schlimm. Tief aus meiner Seele heraus spüre ich die Liebe zu meinen Mitmenschen strömen. Ich muss lächeln. Es ist schön. Im Kolleginnenkreis tauschen wir uns über dies und das aus. Alle finden den Entwicklungsprozess ermüdend. Er macht wütend. Wir machen trotzdem weiter. Auf dem Heimweg im Bus lese ich den neuen Asterix & Obelix, bei dem endlich Obelix die Hauptrolle spielt. Sein Starksein bringt das Team an vielen Stellen weiter. Und ein Team sind sie. Das gefällt mir.

Was ist eigentlich ein Entwicklungsprozess?

Entwicklung ist Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Bäume im Wald. Die älter werdenen Eltern. … Was bedeutet das Wort Prozess dahinter? Ist eine Entwicklung nicht an sich ein Prozess? Ich muss nachdenken. Mir kommt Entwicklung natürlich vor und Prozess irgendwie kulturell. Ist es das? Jetzt nur nicht googeln. Einfach dem Bauchgefühl folgen. So kam Obelix an seinen Wagen, mit dem das Team am Ende das Rennen … o, nicht spoilern. Zurück zum Thema. Wir wollen gerne die Dinge im Griff behalten. Darum wird aus der Entwicklung ein Prozess. Aber eigentlich ist uns schon klar, dass wir nicht alles in Händen halten. Darum darf das Wort Entwicklung bleiben. Aber wir sind schon ein wenig beleidigt, wenn dann doch nicht alles so klappt wie im Votum heraufbeschworen (Votum ist auch so ein Wort. Aber dazu ein anders Mal, sonst kommen wir heute nicht mehr zu einem Ende.).

Warum tun wir uns mit dem Entwicklungsprozess so schwer?

Wir sind herausgenommen aus dem, was wir leben und wie wir leben. Wir sitzen in Kreisen und jemand führt Protokoll. An die Öffentlichkeit darf von all dem nur das, was der Vorsitzende für gut befindet. Kein Wunder, dass ein großes Unbehagen durch die Reihen zieht. Der echte Brüller aber ist das Thema Geld. Ohne Geld geht es nicht, heißt die Devise. Aber : Worum geht es eigentlich? Es geht doch nicht eigentlich ums Geld? Oder doch? Wenn es nicht eigentlich ums Geld geht, dann können wir doch erst mal über das sprechen, was sich entwickelt. Wir sprechen aber lieber über das, was wir erklären können. Alles andere sortieren wir aus. Darüber kann man sowieso nicht sprechen.

Derweil entwickelt sich alles munter weiter.

In einer Gruppen älterer Damen referiert eine junge Gemeindereferentin über die Entwicklungen der katholischen Kirche auf den Philippinen. Man weiß schon, dass der Vortrag ein Ende haben wird und ist einigermaßen überrascht, als es Gruppenarbeit gibt. Damit gehen alle unterschiedlich um. Die einen beantworten die Fragen ratzfatz, die anderen kriegen den Zusammenhang mit der bundesrepublikanischen Situation in den Gesprächsverlauf und verheddern sich drin. Man ist begeistert oder auch bestürzt. Wie auch immer: Wenn man erst einmal ein gewisses Alter erreicht hat, weiß man, dass alles seine Zeit hat. Man hat Erfahrung. Die einen finden, dass sie nicht Schuld sind. Die anderen finden, dass sie nichts dafür können. Man beendet das Ganze mit einem Vaterunser und räumt auf.

Es ist mein erster Arbeitstag nach einem wundervollen Urlaub. Es ist Herbst. Zufällig treffe ich auf unseren Pastor und frage ihn nach dem Evangelium mit der Hochzeit, bei der die Leute von den Straßen geholt werden, weil die Geladenen was Besseres vorhatten. Was hat das zu bedeuten, dass der ohne Hochzeitsgewand nichts zu antworten wusste? Der Pastor sagt, man habe damals auch die Heiden getauft und manche haben sich taufen lassen, ohne zu wissen, worum es geht. ^^ jo. Dem ist nichts hinzuzufügen.