Aktuelle Kunst | Mitsue Kono | Hamburg & Japan

Mitsue Kono — Porträt einer deutsch-japanischen Künstlerin in Hamburg

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Beschreiben Sie bitte kurz, was Sie tun.
 Ich bin Künstlerin. Malerin.
 Ich bin in verschiedenen kreativ künstlerischen Bereichen ausgebildet.
 Unter anderen auch als Sprecherin und Theaterschauspielerin.

Wann, wie und warum sind Sie Künstlerin geworden?
 Ich denke ich war schon immer Künstlerin.
 Für mich ist Kunst die freie Bewegung von Kreativität, die in die Welt hinaus will
 und muss. Sie duldet keine Stoppschilder und kein Wenn & Aber.

Vietnam River... - 130x130 cm - Acryl/Acrytinte/Lack
Vietnam River… — 130x130 cm — Acryl/Acrytinte/Lack

Ich bin ein sehr kreativer Mensch bin und brauche immer Ventile für mich,
 um diese Energie auszudrücken.
 Zum Glück habe ich immer künstlerische Ausdrucksformen gefunden.
 Auch in Zeiten, wo ich von der Kunst noch nicht gänzlich leben konnte.
 Als Kind faszinierte mit das Wort in der Poesie und in der Musik.
 Von klein auf an habe ich viel gedichtet.
 Irgendwann als junge Frau mit Mitte 20, entschied ich mich weiter in die Kunst zu gehen,
 weil mir dies als der einzige Schaffenssort schien, bei dem ich bis zu meinem
 Lebensende verweilen könnte.
 Ich fand dann sofort den Einstieg in die Musikbranche, wo ich meine prosaischen
 Erzählungen in Töne kleiden durfte. Eine große Lebensfreude, von der ich
 immer noch emotional zehre.
 Der Weg der Kunst ist für mich ein Weg des schöpferischen Schaffens.
 Mein Weg führte durch die Bereiche, die sich mit meinen Fähigkeiten und Talenten deckten.
 Künstler haben ja oft mehrere Talente.
 So machte ich eine professionelle Sprechausbildung, “sprach” und spielte Theater.

Eine größere Freude des Tuns und Seins als Künstlerin habe ich bisher nicht erlebt.
 Ich fühle eigentlich bei jeder Art von Kunst, die ich erlebe eine tiefe Dankbarkeit
 dem Leben gegenüber Künstlerin zu sein.

Was ist der schwierigste Part am Künstlerdasein?
 Ich denke man selbst. In der abstrakten Malerei begegne ich mir selbst.
 In der Dichtung sind es die Schmerzen und tiefen Wunden, die mir als Nährboden für den Ausdruck dienen.
 Beides ist nicht leicht, denn ich begegne oft meinen gedanklichen Mustern und Einschränkungen.
 Bei verpatzten Sprecherjobs stand mir in jungen Jahren mein Mangel an Selbstbewusstsein im Wege.

Aber schwierig?
 Ich bin dankbar und glücklich Künstlerin zu sein und empfinde es als einen Segen,
 neben all den weniger schönen Dingen im Leben.
 Der schwierigste Part ist vielleicht der existenzielle, wenn man den Anspruch
 hat von der Kunst zu leben. Aber das hat ja nicht zwingend etwas mit dem “Künstlerdasein” zu tun.

Sommerregen 130x130 cm Acryl/Lack/Acryltinte.jpg
Sommerregen — 130x130 cm — Acryl/Lack/Acryltinte

Wie haben Sie sich seit Ihren Anfängen entwickelt?
 Stetig. Wenn ich das auf das eben gesagte beziehe, dann kann ich heute sagen, dass ich viel mehr in Verbindung mit meiner kreativen Energie bin.
 Ich hinterfrage mich nicht mehr.
 Ich baue heute auf mein Können, weil ich Erfahrung mit mir habe und weiß, was ich kann und was nicht.
 Es gibt ein anderes Niveau von Perfektionismus.
 Ich akzeptiere das, was auf der Leinwand ensteht.
 Heute weiß ich, es hat seine Berechtigung egal wie “unperfekt” es sich in manchen Entstehungsmomenten anfühlt. Ich habe gelernt es zu “lassen”.
 Im japanischen nennt man das Wabi Sabi. Ein natürlicher Zustand.

Mit welcher Kunst(form) identifizieren Sie sich besonders? Was beeindruckt Sie?
 Die abstrakte Malerei. Aber das ist nur der aktuelle Stand meines Lebens. Kunst ist ja nicht statisch.
 Ich verschließe mich den kreativen Kanälen und Fähigkeiten, die sich mir als Chance des Ausdrucks anbieten nicht. Als Künstler wächst man stetig am Umgang seiner kreativen Energie und Kraft.
 Künstler wissen ja darum.
 Ich liebe Kunst als Ganzes. Und mich beeindruckt der Weg der Entstehung eines Kunstwerkes an sich.
 Ich bin mir sicher irgendwann wieder Musik zu machen oder ein neues Buch zu schreiben.
 Allerdings erfüllt mich die Gewissheit, dass mich die Malerei — und ich sie — nie wieder loslassen wird.

Gibt es Künstler mit denen Sie gern verglichen werden würden?
 Nein! Ich muss mich auch nicht zwingend mit anderen Künstlern auseinander setzen.
 Da ich die Kunst achte, habe ich automatisch Interesse an Kunst & Künstlern.
 Mich beeindrucken grundsätzlich Künstler/innen, die authentisch sind!
 Ich genieße die Arbeiten anderer Künstler und tauche bei der Betrachtung aus Interesse gerne in deren
 Schaffensprozesse ein. Materiell wie emotional.
 Ich habe Kunst nicht intellektuell studiert. Der Kopf hat für mich wenig mit Kunst zu tun.
 Ich fühle sie lieber.

Wie würden Sie die Kunstszene in Ihrem Umfeld beschreiben?
 Hamburg ist kulturell sehr gut versorgt und in Bewegung.

Frozen Water . Deepest Yin.jpg 100x100 cm - Acryl/Acryltinte/Lack
Frozen Water — Deepest Yin — 100x100 cm — Acryl/Acryltinte/Lack

Was sind Ihre Zukunftspläne?
 Ich wünsche mir, dass meine Arbeiten weiterhin Menschen glücklich machen, und diese weitere Kreise ziehen.
 Pläne mache ich nicht mehr wirklich. Es kommt sowieso wie es kommt. Auf dem Weg dorthin schaue ich, dass ich gut bei mir bleibe und beim Wesentlichen. Und vor allem gesund.
 Was ist der beste Tipp/sind die besten Tipps, den/die Sie als Künstler bisher bekommen haben?
 Keinen.

Und welche Tipps haben Sie selbst für die, die sich gerade auf den Weg machen?
 Ich denke jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen.
 Ausdauer und Durchhaltevermögen haben mich weiter gebracht.
 Es gab einige Jahre, da hat kein Mensch außerhalb meiner Wohnung meine Arbeiten gesehen, geschweige denn gekauft.
 Ich habe mich damit nicht so aufgehalten, sondern weiter auf das Bedürfnis Malen konzentriert. Die Türen haben sich irgendwann — ich glaube nach etwa 4 Jahren — plötzlich geöffnet. Ohne Ausdauer und Durchhaltevermögen wäre ich heute sicher keine internationale Künstlerin. Die Vorstellung, dass meine Bilder in England, Skandinavien, den USA und sonstwo noch hängen und Menschen sich so weit weg von mir, meine Arbeiten anschauen, vielleicht drüber sprechen und sich daran erfreuen,
 das finde ich großartig. Da hüpft echt mein Herz.

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Foto: Privat

Mitsue Kono wurde im Jahre 1969 des Hahns in eine alte Samuraifamilie Yokohamas als Tochter eines japanischen Vaters und einer nordeutschen Mutter hinein geboren. Beide Kulturen haben sie wachsen lassen und beeinflussten sie sowohl als Frau und wie auch als Künstlerin.
 Die Freude an der Kunst und das natürliche Verlangen diese kreativ auszudrücken, begleiten Mitsue Kono seit ihrer Kindheit: Achtsamkeit, Sensitivität und bewusste Entwicklung.

Kreativität und Kunst sind im Leben der Künstlerin und Therapeutin allgegenwärtig. Ihren Weg als Künstlerin begann Mitsue Kono als Dichterin. Die Rhythmik der Worte verband sich mit der Musik. Zu dieser Zeit begann sie mit japanischer Kalligrafie und dem Malen buddhistischer Symbolik. Hinzu kamen Kinderillustration (als Zwischenspiel) und Abstrakte Malerei. In Letzterer bündelt sich ihre kreative Energie und ist Begleiter im Schaffensprozess all ihrer Bilder, mit dem Ursprung in ihrer Seele.

Kontakt zur Künstlerin: mitsuekono.de


Originally published at der blaue ritter.