Die Homepage — Der ewige Patient stirbt

Ist die Unternehmens Website noch der Nabel der Online-Welt oder ein Web-Relikt auf dem Weg ins Abseits?

In der Marketing-Bibel auf Seite Eins steht irgendwo bestimmt der Satz: “Du sollst eine Homepage haben”. Ohne geht es nicht. Das ist Fakt. Die Homepage ist sozusagen in virtuellen Stein gemeißelt. Aber ist das noch die Wahrheit? Stimmt es, dass ein Unternehmen ohne Homepage nicht existieren kann? Nein! Ich behaupte:

Unternehmen können ohne eine eigene Homepage online erfolgreich sein!

Ok, das trifft sicher nicht auf jede Art von Unternehmen zu. Wer einen Online-Shop betreibt, wird sicher ohne eigene Homepage nicht glücklich. Aber es gibt viele Unternehmen, die problemlos auf eine Homepage verzichten könn(t)en. Und einige von ihnen tun es bereits. Aktuell sind es vor allem Freiberufler und kleinere Firmen, die sich von der eigenen Webpräsenz verabschiedet haben. Trotzdem präsentieren sich diese Leute mit ihren Dienstleistungen erfolgreich im Web. Viele sogar erfolgreicher, als mancher Kollege, der ständig und gewissenhaft seine Homepage pflegt.

Und das funktioniert wirklich?

Pauschal kann man das kaum sagen. Der Erfolg hängt zumindest aktuell noch stark von der Branche ab. Einige Berufsgruppen, die traditionell eh schon immer auf unkonventionelle Art gearbeitet haben, sind da sicher im Vorteil. Ein Beispiel: Fotografen. Früher mühten sie sich mit aufwendigen Portfolio-Pages ab, die nicht nur gähnend langsam waren, sondern auch unglaublich viel Arbeit erforderten. Und dann von kaum jemandem zur Kenntnis genommen wurden.

Heute ist das viel einfacher. Denn es gibt Instagram. Jawohl, das meine ich durchaus ernst. Einige der besten Fotografen unseres Landes sind mit ihren Bildern inzwischen fast ausschließlich bei Instagram zu sehen. Und es funktioniert. Man nehme zum Beispiel @akusepp, der nicht nur satte 280.000 Fans auf der Knips-Plattform eingesammelt hat, sondern als professioneller Fotograf auch für so bekannte Marken wie Mercedes Benz, Coca Cola oder Courtyard arbeitet.

Warum braucht meine Firma keine Homepage?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns zuerst von einer Grundüberlegung des Internets zu lösen. Dazu gehen wir einen Schritt zurück. Bisher betrachteten wir die Homepage als den Mittelpunkt der Internet-Welt. So wie unser Büro für uns der Mittelpunkt unserer Arbeitswelt ist. Im Kern ist dieser Gedanke auch richtig. Aber:

Niemand klingelt einfach mit einem Auftrag an unserer Bürotür!

Und genau so ist es mit der Homepage. Niemand kommt einfach so vorbei. Aus diesem Grund haben auch viele Unternehmens-Webseiten unglaublich geringe Zugriffszahlen. Wird nicht gerade ein Gewinnspiel veranstaltet oder großzügig in Google investiert, hält sich der Traffic auf Homepages schlicht und einfach in Grenzen. Und genau das ist der Knackpunkt. Im entscheidenden Kapitel “Sichtbarkeit”, das online und offline eine feste Größe zur Erfolgsmessung ist, liegt die Firmen-Homepage regelmässig auf den Abstiegsplätzen der Tabelle. Aber das ist ja auch kein Wunder. Im echten Leben kennt man Coca Cola ja auch nicht, weil man täglich in Atlanta an der Firmenzentrale vorbeifährt.

Ok, Homepage ist weg. Und jetzt?

Setzen Sie Ihre Fantasie ein! Was können Sie gut? Was ist Ihr Spezial-Gebiet? Wie Fotografen ihr Publikum erreichen, haben wir Sie ja schon erfahren. Was ist mit Handwerkern? Die können zum Beispiel einfache DIY (Do It Yourself) Videos ins Netz stellen. Architekten? Zeigen aufwendige Renderings ihrer Entwürfe entweder als Video oder sogar zum maßstabsgetreuen Nachdrucken im 3D Drucker. Wurstfabriken? Natürlich punkten diese Betriebe mit tollen Rezepten auf Koch-Plattformen oder mit einem Grill-Chefkoch auf Youtube, der seine eigene Kochshow hat.

Die Möglichkeiten sind so weitreichend, wie das Internet selbst.

Es liegt an Ihnen, was Sie aus den vielen Plattformen herausholen und ob Sie am Ende sagen wollen “Ich kann ohne Homepage leben!” Vielleicht geht es Ihnen ja auch wie mir und sie halten einem alten Weggefährten die Treue, der Ihnen viele Jahre einen guten Dienst erwiesen hat — Und heute zumindest dafür sorgt, dass sie Ihren Namen in der Mail-Adresse führen können. ;-)