Ruhestörung

Kurzgeschichte 01/2019

Kapitel 1

Immer diese Blase. Im Alter wird es schlimmer, das haben sie gesagt. Aber er hätte nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde. Anfang vierzig, in seinen besten Jahren also, und doch musste er jede Nacht mindestens einmal das Badezimmer aufsuchen. Auch diese Nacht stellte keine Ausnahme dar.

Er blickte auf die Uhr, 4.14 Uhr. Verdammt. In weniger als zwei Stunden würde sein Wecker klingeln. Diese Drecksblase! Hätte sie die zwei Stunden nicht noch aushalten können? Offensichtlich nicht. Er spürte den Druck, die Spannung in seinem Unterleib. Würde er sich jetzt mit dem Finger gegen die Bauchdecke schnippen, er könnte für nichts garantieren.

Es war kalt, nicht ungewöhnlich für Januar, und er mochte es so. Im Schlafzimmer wurde nie geheizt. Die kalte Luft half ihm, zur Ruhe zu kommen, seine Gedanken zu sortieren. Er zog die Decke zur Seite, genoss einen Augenblick die sich bildende Gänsehaut, als die Kälte seine nackten Beine umschloss und stand dann auf. Jetzt aber schnell, dachte er. Sein Schlafzimmer war im Obergeschoss, unter dem Dach. Er mochte die Schrägen, die vier großen Dachfenster, die ihm in klaren Nächten einen malerischen Blick auf den Himmel offenbarten. Eine alte Holztreppe führte nach unten in den Wohnbereich. Die drittletzte Stufe knarrte, es war ihm egal. Er war ohnehin alleine. Eine Frau hatte er nie gehabt, ebensowenig Kinder oder Haustiere. Er war gerne allein. Niemand, der ihm vorschrieb, wie er sein Leben zu leben hatte.

Ohne Licht ging er bis ins Badezimmer. In seiner Wohnung konnte er jeden Weg blind gehen. Er wohnte seit über zehn Jahren hier und hatte seit seinem Einzug nichts verändert. Beständigkeit mochte er, sie gab ihm ein Gefühl von Sicherheit. Er setzte sich auf die Toilette. Das Licht ließ er ausgeschaltet, der Mond warf einen schwachen, bläulichen Schein durch das Fenster, das genügte vollkommen. Nur nicht zu wach werden, dachte er. In weniger als zwei Stunden klingelt der Wecker. Er schloss die Augen und entleerte seine Blase.

Kapitel 2

Plopp. Plopp. Plopp.

Ein rhythmisches Pochen, es war ihm erst gar nicht aufgefallen. Als er aber so dasaß, in beinahe völliger Dunkelheit, mit geschlossenen Augen und in absoluter Stille, klang es wie ein donnern. Plopp. Plopp. Plopp. Er öffnete die Augen, beugte sich so weit er konnte nach vorne, um den Lichtschalter zu erreichen, schaffte es und betrachtete sein Badezimmer nun hell erleuchtet.

Plopp. Plopp. Plopp.

Der Wasserhahn war es nicht, kein Wassertropfen zu sehen, der sich an dem kleinen Sieb hätte ansammeln können. Er blickte nach links, zur Dusche. Die Glasscheiben sollte er mal wieder gründlich reinigen, dachte er und machte sich in Gedanken eine Notiz für den nächsten Tag. Er beugte sich nach vorne, um den Duschkopf sehen zu können. Nichts, kein Wasser, kein Tropfen. Plopp. Plopp. Plopp. Er sah sich um. Es gab in seinem Badezimmer nichts, was dieses Geräusch hätte erklären können. Ihm fiel zumindest nichts ein.

PLOPP. PLOPP. PLOPP.

Wurde es lauter, oder bildete er sich das nur ein? Warum war ihm das zuvor nie aufgefallen? Hatte es das vorher nicht gegeben? Oder gab es das jetzt nur in seiner Vorstellung? War er überhaupt wach? Saß er wirklich auf der Toilette, oder träumte er womöglich? Er zwickte sich in den Oberschenkel — autsch — er war also wohl wirklich wach. Er stand auf, zog sich die Shorts nach oben und betätigte die Spülung. Um sicher zu gehen, betrachtete er den Wasserhahn und den Duschkopf abermals aus der Nähe. Nichts, staubtrocken, so wie es eben ist, wenn beide zuletzt vor Stunden benutzt wurden. Er dreht das Wasser am Waschbecken auf und wusch sich die Hände. PLOPP. PLOPP. PLOPP. Da war es wieder, der Hahn war noch aufgedreht. Er schloss ihn, ging zur Dusche und drehte dort ebenfalls das Wasser auf. Plopp. Plopp. Plopp. Er stellte das Wasser wieder ab, schüttelte den Kopf, fasste sich an die Stirn und beschloss, wieder ins Bett zu gehen. Er würde sich das morgen in Ruhe ansehen, jetzt, mitten in der Nacht, konnte er ohnehin nichts ausrichten.

Kapitel 3

Er lag im Bett, die Decke bis ans Kinn hochgezogen und betrachtete den Nachthimmel durch das Dachfenster direkt über ihm. Was war das? Er konnte es sich nicht erklären, hatte dieses Geräusch nie zuvor in seiner Wohnung vernommen. Plopp. Plopp. Plopp. Und es hörte nicht auf, schien sogar mit jedem Mal lauter zu werden. Er drehte sich auf die andere Seite, schloss die Augen und presste ein Kissen auf das rechte Ohr. Die Uhr zeigte 4.36 Uhr — er musste schlafen! Bald klingelte sein Wecker, ein arbeitsreicher Tag lag vor ihm. Der Job verlangte höchste Konzentration, ein Fehler könnte buchstäblich Menschenleben gefährden, auf jeden Fall sein eigenes. Die Arbeit als Psychiater hatte er immer geliebt, die Betreuung von Straftätern war für ihn die Königsdisziplin. Gewalttätige, psychisch kranke Menschen. Psychopathen, Soziopathen und alles dazwischen. Plopp. Plopp. Plopp. Es machte ihn wahnsinnig. Er warf sich auf die andere Seite, presste das Kissen gegen das nun oben liegende Ohr und kniff die Augen so fest zusammen, dass sie schmerzten. Aber es hörte nicht auf, wurde mit jedem Mal lauter. Der Mond legte das Schlafzimmer in das selbe, bläuliche Licht wie sein Badezimmer. Die Luft war kalt, auf den Dachfenstern lag jetzt eine hauchdünne Schneeschicht, dicke Flocken fielen vom Himmel. Der Wind verwirbelte den frischen Schnee. Er betrachtete das Treiben auf der Glasscheibe. Es hatte etwas anmutiges und gleichzeitig sehr beruhigendes. Er schloss die Augen, seine Lieder waren schwer und er merkte, wie der Schlaf die Oberhand über seinen Körper zurückgewann. PLOPP! PLOPP! PLOPP! Er schrak hoch. Auf dem Wecker stand 4.37 Uhr. Kein Schlaf, dafür ein lautes, hämmerndes PLOPP! PLOPP! PLOPP! Er schwang die Beine aus dem Bett, schaltete das Licht ein und ging die Treppe nach unten.

Kapitel 4

Der Patient war knapp siebzig Jahre alt, hatte volles, graues Haar und stahlblaue, tiefe Augen. Sein Blick war durchdringend, beinahe einnehmend. Er war hager, groß gewachsen und hatte einen derart aufrechten Gang wie man ihn sonst nur bei Schwimmern zu sehen bekommt. Sicher war er als junger Kerl ein Frauenheld gewesen. Nun aber saß er seit mehreren Jahren in der geschlossenen psychiatrischen Anstalt und würde diese erst nach seinem Tod wieder verlassen.

In jener Nacht schlief er nicht. Er saß am Fenster und blickte in den Himmel. Es hatte zu schneien begonnen. Die großen, trockenen Flocken tanzen im Wind und verwirbelten vor seinem Fenster. Diejenigen, die auf die Scheibe trafen, schmolzen sofort und hinterließen kleine Bäche, die das Fenster nach unten rannen. Er betrachtete die Mini-Rinnsale und schloss mit sich selbst Wetten ab, welche zuerst am unteren Fensterrahmen ankommen würde.

Zwischen Zeige- und Ringfinger seiner rechten Hand klemmte eine Zigarette. Sie brannte nicht, rauchen war innerhalb der Klinik streng untersagt, aber sie beruhigte ihn. Das sie aus Holz war störte ihn nicht, es ging ihm nur um die orale Befriedigung und das Gefühl, sie zwischen den Fingern zu halten. So saß er da, die Minuten verstrichen, aber er hatte keine Eile. Mit dem Zeigefinger der linken Hand tippte er auf‘s Fensterbrett. In einem immer gleich bleibenden Rhythmus: Plopp, Plopp, Plopp.

Kapitel 5

Er streifte durch die Wohnung wie ein aufgescheuchtes Tier. Zunächst hatte er alle Wasserhähne in der Wohnung genau geprüft. Keiner tropfte. Als nächstes untersuchte er seine Heizkörper, aber auch die waren still. Kühlschrank, Spül- und Waschmaschine, Kaffeemaschine, alles ohne Befund.

Plopp! Plopp! Plopp! Es hörte nicht auf, wurde lauter und durchdringender. Irgendwo musste die Quelle von diesem verdammten Geräusch sein! Er war sicher, sich das nicht einzubilden. Das konnte nicht sein. Eine halbe Stunde später hatte er alle Schubladen in seiner Wohnung aus ihren Schränken gerissen, der Inhalt lag verstreut auf dem Boden. Töpfe, Tassen, Teller, Besteck, Putzzeug, Bücher und Zeitschriften, Kleidung und Lebensmittel. Alles, was sich in seiner Wohnung befand, verteilte sich nun auf dem Fußboden.

Nichts. Kein Hinweis auf den Ursprung dieses nervtötenden Pochens. Er presste die Hände gegen die Ohren und schrie so laut er konnte. Schweißperlen standen auf seiner Stirn, sein T-Shirt war vollkommen durchnässt. Plopp! Plopp! Plopp! Den Kopf noch zwischen den Händen nahm er Anlauf und rammte seinen Schädel mit voller Wucht gegen die Wand. Ihm wurde schwarz vor Augen, Sterne tanzten, ein Feuerwerk schien in seinem Kopf zu explodieren. Blut rann ihm von der Stirn über den Nasenrücken bis zu seinem Mund. Es schmeckte nach Eisen, und ein wenig süß. Er taumelte, konnte sich gerade noch an einem Stuhl festhalten, bevor er umzukippen drohte. Schmerz durchfuhr seinen Körper, von Kopf bis Fuß und wieder zurück.

Er saß vornüber gebeugt auf dem Stuhl, Blut tropfte auf den Boden. Die Augen geschlossen tastet er nach der Wunde an seiner Stirn. Es brannte höllisch als er mit den Fingern vorsichtig über den offenen Schnitt strich. Das muss auf jeden Fall genäht werden, dachte er sich und schüttelte ganz langsam den Kopf. Was war nur mit ihm passiert? Wie konnte er so ausrasten? Er öffnete die Augen und betrachtete seine Wohnung. Als hätte eine Bombe eingeschlagen. Er würde Stunden brauchen, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Plopp! Plopp! Plopp! Da war es wieder. Es war nie weg gewesen, um genau zu sein. Und es war lauter als zuvor.

Kapitel 6

Er stand auf und ging ins Badezimmer. Licht an, Spiegelbild. Kein schöner Anblick. Mit einem Handtuch wischte er sich halbherzig das Blut aus dem Gesicht. Eigentlich war es ihm scheißegal. Das Pochen wurde lauter, mit jedem Mal. Er musste die Wohnung verlassen, hier konnte er unmöglich schlafen. In weniger als einer Stunde klingelte sein Wecker, für den heutigen Tag würde er sich allerdings krank melden. Seine Verletzung musste behandelt werden, geschlafen hatte er ebenfalls kaum und er hatte Angst, verrückt zu werden. In meine Praxis, dachte er. Er verließ das Bad, ließ das Licht eingeschaltet, zog sich Schuhe und Jacke an, griff nach dem Schlüsselbund und verließ die Wohnung.

Draußen war es kalt, aus dem leichten Schneefall war mittlerweile ein kräftiger geworden. Die Straße war glatt, aber nicht so, dass man nicht hätte fahren können. Er ging in die Tiefgarage, setzte sich in seinen Wagen, startet den Motor und machte sich auf Richtung Innenstadt. Seine Kopfschmerzen waren unerträglich, als wäre ihm eine Dampfwalze über den Schädel gefahren. Er ärgerte sich über sich selbst. Darüber, dass er nicht viel früher auf die Idee gekommen war, in seiner Praxis zu schlafen. Und darüber, dass er sich den Kopf gegen die Wand gedonnert hatte. Was soll‘s, jetzt war er unterwegs. Raus aus der Wohnung, die ihn mit diesem — Plopp! Plopp! Plopp!

Was zur Hölle! Wie konnte das möglich sein? War vielleicht doch alles nur Einbildung? Das Pochen war mittlerweile so laut, dass er seine eigenen Gedanken nicht mehr greifen konnte. Als würde ein Subwoofer mitten in seinem Schädel dröhnen. Oder ein überdimensional großer, tropfender Wasserhahn. Er schüttelte den Kopf, was eine Explosion an Schmerzen lostrat! Das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt raste er die Bundesstraße entlang, in der Hoffnung er könnte dem Geräusch entfliehen. Aber es wurde lauter, immer lauter. Es hämmerte in seinem Kopf, durchdrang seinen ganzen Körper wie eine Flutwelle aus Schall und Schmerz. Er schloss die Augen, presste die Lippen aufeinander, wollte schreien, brachte aber keinen Ton heraus. Das Pochen war jetzt so laut, dass er beinahe die Hupe überhört hätte.

Er öffnete die Augen und sah, dass er auf der Gegenfahrbahn auf direktem Kollisionskurs mit einem anderen Auto war. Die schneebedeckte Fahrbahn machte es beinahe unmöglich, das Lenkrad herumzureißen, ohne die Kontrolle über den Wagen zu verlieren. Das Auto rutschte über die Vorderräder, das Heck schob sich mit roher Gewalt nach links und drohte, ihn zu überholen. Er kurbelte wie verrückt, versuchte gegenzulenken, die Räder reagierten nur zaghaft und mit erheblicher Verzögerung auf seinen Wunsch. Irgendwie gelang es ihm, die Kontrolle zurück zu erhalten. Das war knapp. Er atmete aufgeregt, zitterte am ganzen Körper und verringerte die Geschwindigkeit so weit, dass er beinahe im Schritttempo weiterfuhr. Plopp! Plopp! Plopp!

Kapitel 7

Sein Verstand begann, auszusetzen. Er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, vor seinen Augen verschwamm die Straße im Schneegestöber immer mehr zu einem weiß-grauen Brei. Noch drei Kilometer, dann würde er seine Praxis erreichen. Dort würde er sich auf die Couch legen und versuchen, zu schlafen. Er hoffte, dass das grausame Pochen verstummen würde oder er es zumindest ignorieren könnte. Außerdem gäbe es ja immer noch die Möglichkeit, sich mit Medikamenten ruhig zu stellen. Er trat auf‘s Gas, erhöhte die Geschwindigkeit wieder auf ein normales Niveau und erreichte kurz darauf sein Ziel.

Das bläuliche Mondlicht tauchte die Praxis in ein unheimliches Ambiente, aber er wollte seinen Augen keiner grellen Beleuchtung aussetzen. Also ließ er das Büro im Dunkeln, legte sich auf die Couch und schloss die Augen. Plopp! Plopp! Plopp! So konnte er nicht schlafen. Ignorieren ging auch nicht. Er stand auf und ging zu seinem Medizinschrank. Dieser war verschlossen, wie es das Gesetz verlangte, schließlich hatte er darin erhebliche Mengen an Psychopharmaka und anderen, nicht ungefährlichen Medikamenten, sollten sie in falsche Hände geraten. Er kramte in seiner Hosentasche nach dem Schlüssel, seine Hände zitterten so sehr, dass er mehrere Versuche brauchte, um den richtigen in die Finger zu bekommen. Zweimal fiel ihm der Bund auf den Boden, das nach unten beugen quittierte sein Kopf mit stechenden Schmerzen.

Er zog die oberste Schublade auf. Etwas blitzte ihm entgegen. Seine Waffe. Für den Fall der Fälle hatte er eine registrierte Handfeuerwaffe in der obersten Schublade. Schließlich konnte man bei psychisch Kranken nie sicher sein, was einen erwartete. Plopp! Plopp! Plopp! Er griff nach einer Dose Schlafmittel, entnahm ihr zwei Pillen und ging zu einem kleinen Waschbecken. Dort füllt er ein Glas mit Wasser, schob sich die Pillen in den Mund und leerte das Glas in einem Zug. Gleich würde es besser werden.

Als er wieder auf der Couch lag spürte er, wie die Tabletten zu wirken begannen. Seine Augenlieder wurden schwer, die Kopfschmerzen ließen nach und sein Köper entspannte sich. Kurz bevor er eingeschlafen war, hörte er es erneut: PLOPP! PLOPP! PLOPP! Und er konnte es nicht mehr ertragen.

Kapitel 8

Was er jetzt vorhatte hielt er bis vor wenigen Stunden noch für unmöglich. Nun saß er da, an seinem Schreibtisch, und zitterte eine Patrone in das Magazin seiner Waffe. Tränen standen in seinen Augen, getrocknetes, verkrustetes Blut klebte auf seiner Stirn. Es würde gleich keine Rolle mehr spielen. Er hatte kurz darüber nachgedacht, einen Abschiedsbrief zu hinterlassen. Aber für wen? Sinnlos, alles sinnlos. Ohnehin wäre er wohl kaum noch in der Lage, etwas sinnvolles zu Papier zu bringen. Er schob das Magazin in den Griff der Pistole und zog den Schlitten zurück, so dass sich die Kugel direkt im Lauf befand. Dann legte der den kleinen Sicherungshebel um und starrte in die leere Dunkelheit. Plopp! Plopp! Plopp! Es tut nicht weh, sagte er sich. Und es wird aufhören, direkt danach wird es aufhören. Es wird dunkel sein, für immer. Und still. Endlich still. Ruhe, nach mehr sehnte er sich jetzt nicht. Alles andere war bedeutungslos geworden. Er hob die Waffe an seine Schläfe und drückte ab.

Kapitel 9

Der Patient saß am Fenster, sah hinaus in den Himmel und zog an seiner Holzzigarette. Es war beinahe sieben Uhr, in einer Stunde würde die Sonne aufgehen. Er liebte den Winter, die Kälte ließ ihn zur Ruhe kommen. Mit dem Zeigefinger seiner linken Hand schlug er einen letzten Rhythmus auf das Fensterbrett: Plopp! Plopp! Plopp! Dann war alles still. Er drehte sich um, setze sich auf sein Bett und nahm ein Polaroid von seinem Nachtschrank. Gute Nacht, Doktor, sagte er. Genießen Sie die Ruhe. Dann legte er sich hin, schloss die Augen und schlief ein. Das Bild mit seinem Psychiater verblasste langsam, bis nichts mehr zu sehen war. Zurück blieb ein leeres, weißes Quadrat. Und Stille.