Online Shopping — der Tod des Einzelhandels?

Online Shopping boomt — das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Vor allem im Vorweihnachtsgeschäft hatten Unternehmen wie Amazon, Zalando & Co. Hochkonjunktur. Egal ob Socken, ein neuer Fernseher oder Ersatzteile fürs Auto, mittlerweile kann alles ganz bequem und einfach per Internet bestellt werden. Haben da die lokalen Einzelhändler überhaupt noch eine Chance?

[9] Online Shopping

In der Tat sind es düstere Zeiten für viele Einzelhändler. Viele kleine Geschäfte und Ketten haben den großen Onlineriesen immer weniger entgegenzusetzen. „Jeder zehnte Euro [wird mittlerweile] online ausgegeben, in wenigen Jahren kann es jeder vierte sein.“ [1]. Die Gründe dafür sind vielzählig. Neben einer großen Auswahl, besticht vor allem der kostenlose Versand und die Suche nach dem günstigsten Angebot viele Kunden online zu kaufen. Zudem spielt auch die Bequemlichkeit unserer Gesellschaft eine große Rolle. Die meisten sind so gestresst von Beruf und Alltag, dass sie nicht auch noch ihre Zeit und Energie für den Weg in die Stadt verschwenden wollen.

Tun sie es einmal doch, dann meist nur, um von der Beratung und Kompetenz der Verkäufer zu profitieren. Letztendlich gekauft wird oftmals wieder online. „Beratungsklau“ nennen das die Einzelhändler. Um dem entgegenzuwirken, setzen einige Geschäfte bereits auf kostenpflichtige Beratungsmodelle. „Eltern, die sich [..] Schulranzen vorführen lassen, müssen dafür 10 Euro [zahlen]. Kauft der Kunde im Laden, wird die Gebühr jeweils verrechnet.“ [2] Doch kann das wirklich die Lösung sein? Sind Einzelhandel und Online Shopping wirklich unvermeidliche Feinde? Und wird der lokale Einzelhandel tatsächlich einmal aussterben?

[8] talMARKT

„Nein“, meint Stephan Sperling, Google-Stratege bei netzstrategen.com. Und weiter: „Wenn Sie lokaler Einzelhändler sind, haben Sie mit dem Internet jede Menge Konkurrenz bekommen. Aber noch viel mehr Chancen.“ [3]. „[Denn] viele Kunden wollen immer noch im Laden einkaufen — die Geschäfte dürfen nur nicht nach Mittelalter aussehen.“ [4], weiß auch Dr. Kai Hudetz,Chef des Instituts für Handelsforschung.

Wie es auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel Online City Wuppertal. „Das Projekt will den scheinbar unüberwindbaren Graben zwischen Online- und Offline- Handel schließen und besonders die Chancen des elektronischen Handels und der Online-Kommunikation für eine attraktive und lebendige Einkaufsstadt in den Vordergrund stellen.“ [5]. Ganz konkret heißt das: Der Kunde kann in einem Onlineshop alle Produkte der kooperierenden Einzelhändler anschauen und auch kaufen. In der Regel holt der Kunde dann seinen Artikel jedoch im jeweiligen Geschäft vor Ort ab. Auf Wunsch kann aber auch eine Lieferung durch einen lokalen Kurierdienst erfolgen oder der Artikel an einer zentralen Service- und Abholstelle abgeholt werden.

Zudem haben die Einzelhändler die Möglichkeit ihre Produkte mithilfe neuartiger Verkaufskonzepte im sogenannten Retail Lab zu präsentieren. „Interessierte Händler bekommen hier die Möglichkeit, zu günstigen Konditionen eine Shop-in-Shop-Fläche befristet zu bespielen. […] Diese sog. „Multichannel-Betriebstypen“ unterscheiden sich in der Kundenansprache, Beratungsleistung, im Ladenbau und in der Kaufabwicklung von herkömmlichen Geschäften und sollen als Anschauung dienen. Denn einzelne Elemente aus diesen Verkaufskonzepten können auch etablierte Geschäfte in Wuppertal bereichern.“ [6].

Und der Erfolg dieses Projekts gibt dem Konzept des neuen Einkaufens Recht. Der Kunde will heutzutage ein „einheitliches und authentisches Erlebnis“, bei dem einheitliche Preise, Verfügbarkeiten und Services schlichtweg dazugehören [7]. Außerdem müssen die lokalen Geschäfte für die Kunden auch sichtbar sein. D.h. kann ein Händler online nicht gefunden werden, existiert dieser für den Kunden nicht und wird folglich im weiteren Kaufprozesse auch nicht berücksichtigt.

Ich finde, das hier vorgestellte Projekt der Online City Wuppertal ein gelungenes Beispiel dafür, dass Online Shopping und Einzelhandel sich keineswegs ausschließen müssen. Vielmehr ist es doch auch für uns Kunden ein großer Vorteil, weder auf den Tante-Emma-Laden an der Ecke noch auf Weltkonzerne wie Amazon verzichten zu müssen. Die digitale und analoge Welt ist heutzutage nicht mehr voneinander zu trennen, also warum sollten wir nicht einfach das Beste aus beiden Welten miteinander kombinieren?

Zitate und Quellen

[1] [4] Artikel „Die digitale Gefahr für den Einzelhandel“. In: Handelsblatt: handelsblatt.com. Bearbeitungsstand: 15.05.2015 08:32 UTC. URL: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/online-shopping-die-digitale-gefahr-fuer-den-einzelhandel/11780342.html (Abgerufen am 10.01.2016 16:00 UTC)

[2] Artikel „Wegen Online-Shopping: Kostet Beratung im Geschäft bald bares Geld?“. In: Aktiv Wirtschaftszeitung: aktiv-online.de. Bearbeitungsstand: 07.01.2016. URL: http://www.aktiv-online.de/nachrichten/detailseite/news/wegen-online-shopping-kostet-beratung-im-geschaeft-bald-bares-geld-9133 (Abgerufen am 10.01.2016 16:15 UTC)

[3] [7]Artikel „Stirbt der lokale Einzelhandel in Zeiten des eCommerce?“. In: netzstrategen: netzstrategen.com. Bearbeitungsstand: nicht angegeben. URL: http://www.netzstrategen.com/erklaeren/stirbt-lokale-einzelhandel-zeiten-des-ecommerce/ (Abgerufen am 10.01.2016 16:30 UTC)

[5] Flyer „Online City Wuppertal“. In: Online City Wuppertal: onlinecity-wuppertal.de. Bearbeitungsstand: nicht angegeben. URL: http://www.onlinecity-wuppertal.de/fileadmin/download/flyer_onlinecity.pdf (Abgerufen am 10.01.2016 16:30 UTC)

[6] FAQ „Online City Wuppertal“. In: Online City Wuppertal: onlinecity-wuppertal.de. Bearbeitungsstand: nicht angegeben. URL: http://www.onlinecity-wuppertal.de/faq/ (Abgerufen am 10.01.2016 16:35 UTC)

[8] Screenshot „talMARKT“. URL: https://atalanda.com/wuppertal/t/bekleidung-and-accessoires (Abgerufen am 10.01.2016 17:23 UTC)

[9] Bild „Online Shopping“. In: Riegger Rechtsanwälte: ra-riegger.com. URL: http://ra-riegger.com/wp-content/uploads/2014/08/Fotolia_44688417_S-620x413.jpg (Abgerufen am 10.01.2016 17:29 UTC)