Wie finanziert sich eigentlich häusliche Intensivpflege?

Immer wieder hören wir von Betroffenen die Frage: Lässt sich denn häusliche Intensivpflege in unserem Versorgungsfall überhaupt finanzieren? Dahinter verbirgt sich die Angst, häusliche Intensivpflege sei eine teure Angelegenheit und damit gewissermaßen ein Luxus, den sich nicht jeder leisten könne. Ich kann Sie jedoch beruhigen, dem ist nicht so. Alle gesetzlich Versicherten in Deutschland haben einen umfassenden Anspruch auf Versorgung in der eigenen Häuslichkeit.

Die Finanzierung der außerklinischen Intensivpflege ist allerdings einigermaßen komplex. Sie sorgt bei Betroffenen, die sich das erste Mal mit dieser Materie auseinandersetzen müssen, häufig für Fragezeichen. Schauen wir deshalb etwas genauer hin.

Grundsätzlich müssen Sie bei der Finanzierung zwischen dem Anspruch auf Behandlungspflege und dem Anspruch auf Grundpflege sowie hauswirtschaftliche Versorgung unterscheiden, diese sind in unterschiedlichen Sozialgesetzbüchern geregelt. Hinzu kommen zusätzliche Ansprüche, z. B. bei der Versorgung mit Hilfsmitteln.

Schauen wir zunächst auf die Behandlungspflege, geregelt im Sozialgesetzbuch V. Sie umfasst alle medizinisch notwendigen Maßnahmen, die von Ihrem Hausarzt verordnet werden müssen. Dazu gehören bei beatmungspflichtigen Menschen z. B. die Überwachung der Beatmung und Vitalfunktionen. Die Kosten für die Behandlungspflege werden von der Krankenversicherung übernommen.

Werfen wir nun einen Blick auf die Grundpflege, geregelt im Sozialgesetzbuch XI. Zur Grundpflege gehören Leistungen wie Körperpflege, Ernährung und Mobilität des Klienten. Getragen wird sie durch die Pflegeversicherung in Form von Sach-, Geld- oder Kombinationsleistungen. Den individuellen Bedarf legt der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) durch Einstufung in eine Pflegestufe fest. Für die einzelnen Pflegestufen sind pauschale Beträge vorgesehen.

Betrachten wir nun die Situation in der häuslichen 24-Stunden-Intensivpflege etwas genauer. In dieser speziellen Form der Pflege fallen während Zeiten der Behandlungspflege auch grundpflegerische Leistungen an. Sowohl Grund- als auch Behandlungspflege werden zumeist von einer Pflegekraft erbracht. Wer, wie viel von den entstehenden Kosten zu tragen hat, dazu gab es in der Vergangenheit immer wieder rechtliche Auseinandersetzungen.

Die aktuell gültige Regelung beruht auf einem Urteil des Bundessozialgerichtes aus dem Jahre 2010 (Az. B 3 KR 7/09). Darin wird festgelegt, dass bei gleichzeitigem Auftreten von Grund- und Behandlungspflege keine der Leistungen in den Hintergrund tritt. Entsprechend stehen Ansprüche aus der Kranken- und Pflegeversicherung gleichberechtigt nebeneinander.

Um die daraus resultierenden Kostenanteile für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung bei 24 Stunden-Intensivpflege bestimmen zu können, macht das Bundessozialgericht klare Vorgaben. Hierzu wird die Grundpflegezeit betrachtet und hälftig auf Krankenkasse und Pflegeversicherung aufgeteilt.

Die aktuelle Finanzierungsregelung bedeutet für die Betroffenen gegenüber vorher gültigen Regelungen eine erhebliche Reduzierung des Eigenanteils, der wenn nötig vom Sozialhilfeträger im Rahmen der „Hilfe zur Pflege“ finanziert werden kann. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass nicht immer ein Eigenanteil anfallen muss. Ob und in welcher Höhe eine Zuzahlung auf Sie zukommen kann, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Versorgungsumfang, der Pflegestufe und der Grundpflegezeit.

Abschließend möchte ich Sie noch darauf aufmerksam machen, dass Sie als Betroffener bei der schwierigen Frage der Finanzierung nicht allein dastehen. Unser Case Management unterstützt und berät Sie bei allen Fragen zur Finanzierung der häuslichen Intensivpflege und der Überleitung aus der Klinik in die häusliche Versorgung. Mehr Informationen finden Sie hier:

https://www.gip-intensivpflege.de/intensivpflege-erwachsene/finanzierung-intensivpflege/