Hexenhatz — Teil 3

Aus meinem aufgelösten Blog (www.casparloesche.ch) habe ich einige Beiträge gerettet, die ich hier wieder aufbereite. Dieser Beitrag stammt vom 25. April 2013.

Zu Teil 1 und Teil 2 von Hexenhatz.

Der Tweetup

Am 22.04.2013 war es soweit: Der erste Tweetup des KonzertTheaterBern fand in den Vidmarhallen statt.

Ich hatte in der Woche zuvor kräftig die Twitter-Trommel gerührt und alle Interessierten aus der Region (hauptsächlich Follower des @konzerttheaterb und @vvonwatt), per Twitter DM angeschrieben und zur Generalprobe von Hexenhatz eingeladen. Wir hatten das Datum sehr kurzfristig angesetzt und so gab es einige Absagen, aber am Ende waren wir doch zu neunt, was sich als wunderbare Grösse herausstellte.

Erster Theater-Tweetup der Schweiz?

Soweit ich weiss, war dies der erste Tweetup eines Theaters in der Schweiz. Das Stadttheater Heilbronn hatte kurz zuvor ebenfalls den Versuch gewagt. Wir betraten also nahezu unbekanntes Terrain. Es ging los, ganz klassisch mit einer Einführung durch die Dramaturgin Wanda Puvogel. Wie es der Zufall wollte, waren auch die Theaterfreunde zur Generalprobe eingeladen und gesellten sich ebenfalls zur Einführung dazu, was sich (für uns Twitterer) höchst amüsant gestaltete, für die Theaterfreunde wohl etwas befremdlich war:

Twitterer vs. Theaterfreunde

Ich fand die Mischung toll, hätte mir aber mehr Zeit gewünscht, dass sich diese zwei so unterschiedlichen Besuchergruppen etwas annähern könnten. Doch schon ging es weiter, hinein in die heiligen Hallen, die noch nie ein Smartphone jemals leuchtend wieder verlassen hatte. Bis heute. Die Fragen, die mir durch den Kopf gingen: “Bleibt mein Handy lautlos, auch wenn ich jetzt @Hofrats Vine-Video abspiele?”, “Wird sich jemand lustig machen?”, “Kann ich twittern und gleichzeitig schauen?” und vor allem: “Hält mein Akku?!?” Wie abgemacht setzten sich die Twitterer in die letzte Reihe und legten konzentriert los:

Auch die Choreographin machte sich Sorgen und kam eine Minute vor Beginn schnell noch einmal vorbei:

Aber die Sorgen waren unbegründet. Bei und blieb Alles still, während am nächsten Tag bei einem “normalen Zuschauer” mitten in der Premiere eine SMS ziemlich lautstark eintraf. Und dann begann das spannende Experiment so richtig. [Für alle Nicht-Theaterbewanderten: Die Generalprobe ist ein kompletter Duchlauf des gesamten Stückes, in dem alles genau so gemacht wird (werden soll), wie am nächsten Tag in der Premiere. Wir sassen also quasi in der Vorpremiere. #funfact]. Durch den Einsatz unserer Smartphones im Stück ergaben sich nun neue Kommunikationsmöglichkeiten, Sichtweisen, Einblicke und Eindrücke und die Möglichkeit, auch mal gezielt nachzufragen:

Mehr Infos zu Walter Hauser und “seinem” Museum hier: https://www.swissinfo.ch/ger/anna-goeldi_-wie-ein-wildpferd--das-sich-nicht-einfangen-liess-/43403934?srg_sm_campaign=general&srg_sm_medium=soc&srg_sm_source=sflow

Die Twitterer genossen den Austausch und das Stück sichtlich. Jeder twitterte so viel er wollte, Instagrams und Vines flogen herum und manche schauten auch einfach ganz in Ruhe zu und sagten ab und zu einmal:

Also eigentlich ein ganz normaler Abend im Theater. Nur dass man sich austauschen konnte, seiner Timeline spannende Geschichten mitteilte und gleichzeitig Werbung für das Stück und mein Social Media Projekt machte. Nach der Probe kam noch die, der Grösse des Ensembles geschuldeten, etwas längeren Probe der Applausordnung.

Draussen trafen wir noch zwei der twitternden Tänzer, Georgia Usborne (@gusborne) und Jack Widdowson (@JackWiddowson1), die uns Auskunft über das Stück und ihre Erfahrungen mit dem Twittern und Instagrammen von der Probenarbeit gaben. Sie sprachen von einem digitalen Scrapbook, das ihnen ermöglichte den Probenprozess immer wieder Revue passieren zu lassen und so immer wieder Einordung gab. Dann waren wir schon am Ende des 1. Berner Theater Tweetups. Meine letzte Frage an die letzten Twitterer war: “War es jetzt schwierig für Euch, gleichzeitig zu twittern und dem Stück zu folgen?” Nein, überhaupt nicht, kam die einhellige Antwort, “so schauen wir ja auch seit 5 Jahren Fernsehen”. (Eine etwas andere Einschätzung von Christian Holst (@culturelab) noch hier:

Ein spannender Abend.

Zu Teil 1 und Teil 2 von Hexenhatz.

Kommentare

3 Responses

Christian Holst 26. April 2013 at 07:21 · Reply

Die Einführung vor dem Tweetup — an dem ich nicht teilnehmen konnte- war sicher noch eine gute Sache, um das Stück zu verstehen. Trotzdem möchte ich doch ein großes Fragezeichen dahinter machen, ob man die Aufführung eines stark abstrahierten Handlungsballetts/tanzes auf gleiche Weise rezipieren kann wie etwa einen Tatort, der solide gemachte Unterhaltung von der Stange ist, oder eine Fussballspielübertragung, bei der jede Schlüsselszene fünf Mal in Wiederholung und Zeitlupe gezeigt wird.

Tanja Praske 26. April 2013 at 08:20 · Reply

Lieber Caspar,
 toll gemacht. Ob ein Tweetup im Theater oder ein Tweetup im Museum, Unterschiede sind bestimmt da — kenne bislang nur Museumstweetups -, als eine neue, andere Form der Auseinandersetzung mit Kunst finde ich das Medium klasse. Denn in der Tat setzt sich der Twitterati mit dem Stück auseinander, denkt nach, reflektiert und hat einfach nur Spaß. Hier wird also nicht nur konsumiert, sondern im realen Raum sozial interagiert, während der Vorstellung/Führung und danach. Ich konnte nicht bei Hexenhatz dabei sein, erhalte aber über die Tweets und Blogposts einen Eindruck davon. Und das ist nur möglich, weil du das organisiert hast, Caspar, — vielen Dank dafür!
 Sehr amüsant sind die Tweets der Protagonisten #Ilike!

Sonnige Grüße aus München

Katrin Schröder (Theater Heilbronn) 26. April 2013 at 15:58 · Reply

Eine schöne Zusammenfassung eures Tweetups #hexenhatz! Ich habe ihn sehr interessiert verfolgt, versucht ein wenig aus der Ferne mitzutwittern und muss wirklich sagen, dass ich euer “Tweetup-Experiment” sehr gelungen fand! Es war sehr spannend #hexenhatz zu verfolgen und es hat auf jeden Fall Lust auf “mehr” gemacht! Ich hoffe, dass in Zukunft noch weitere Theater mit diesem Format experimentieren werden!
 Viele Grüße aus Heilbronn

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.