“The Daily” ist die beste Antwort auf die Vertrauenskrise der Medien

Das Vertrauen in Institutionen und Medien sind global auf einem “All-time-low”:

https://www.edelman.com/global-results/ (S.12)

mit der US-Wahl und Trumps “Fake News” wurde dieses Misstrauen nur noch sichtbarer. Wie gehen Medien damit um, dass Ihnen das Vertrauen entzogen wird? und wie lässt sich vermitteln, dass hinter einem Artikel ein ganzer Rechercheprozess steht?

Auf eine Antwort stiess ich im letzten Jahr. Dank einiger TV-Serien und der US-Wahl 2016 wurde ich Anfang 2016 Podcast-Fan (ja, Podcast sind in):

Politics and more”

Unter den ungezählten Politics-Podcast, die aus dem Boden sprangen, war auch “The Run Up” der New York Times, ein wöchentlicher Podcast, moderiert von Michael Barbaro. Eine Stunde exzellente Informationen und Unterhaltung in innovativen Formaten. Und während nach Trumps Wahl die meisten Podcast-Hosts ihre Wunden leckten, wurde bei der New York Times (immer einen Schritt voraus) bereits eifrig an der Zukunft gearbeitet. Michael nahm eine Auszeit beim Run-Up und machte sich an den Plan, einen täglichen Podcast ins Leben zu rufen.

Das Versprechen:

This is how the news should sound. Fifteen minutes a day. Five days a week. Hosted by Michael Barbaro. Powered by New York Times journalism. Starting Feb. 1.

Von der ersten Folge an war ich “hooked”. The Daily war besonders. Plötzlich stand ich täglich 20 Minuten lang im Newsroom der New York Times. Ich sprach mit den besten Reportern auf der ganzen Welt und wurde von Barbaros ruhigem Moderations-Stil mit Emphatie und sehr genauen Fragen auch durch die komplexesten Themen geführt. Sehr oft US-zentriert, aber immer auch mit einem internationalen Fokus.

Sein persönlicher Stil wurde bald eine Buzzfeed-Liste:

“Powered by New York Times Journalism”

Aber am eindrücklichsten war für mich der Blick hinter die Kulissen. In einer Folge kauert Barbaro im Newsroom der Times neben einem Kollegen (ich glaube es war Matt Apuzzo) und interviewt ihn, während Matt an einer Breaking-Story arbeitet und sein Editor im Hintergrund frenetisch winkt, er brauche jetzt diese Story!

Glenn Thrush (of SNL-Fame) und Maggie Habermann (of Twitter Fame) sind ebenfalls regelmässige Gäste.

Und die Krise?

Seitdem höre ich fast täglich. Die 20–30 Minuten passen fast in jeden Tag. Dadurch werden die Menschen hinter den Stories greifbarer, die Arbeitsweise wird klarer. Und auch Entscheidungen, welche Stories wann und warum veröffentlicht oder auch zurückgehalten werden, werden transparenter. als z.B. Trump in einem Treffen mit dem russischen Botschafter geheime Informationen enthüllte, konnte ich von Tag zu Tag mitverfolgen, dass und warum Israel zuerst nicht als Quelle der Informationen genannt wurde.

So hilft The Daily, das Vertrauen in die Arbeitsweise der Medien zu stärken. Verschwörungstheoretiker wird das nicht überzeugen, aber mich bestärkt es in meinem Glauben an die “vierte Gewalt”.

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Wer mehr hören und lesen möchte:

Ein ausführliches Interview mit Michael,

darüber, wie “The Daily” aus “The Run up” entstand, warum Michael keine Füllwörter verwendet (Spoiler: sein Grossvater war ziemlich mies zu ihm) und vieles mehr:

Ein Blick hinter die Kulissen in einem weiteren NYT-Podcast:

Michael bei Seth Mayers:

Ein sensationelles Interview mit Maggie Habermann,

in dem sie gleichzeitig Fragen beantwortet und eine (oder mehrere) Stories schreibt und veröffentlicht:

Das Coal-Miner-Interview:

Mehr dazu, warum und wann Informationen von US-Medien teilweise zurückgehalten werden,

mit einer Erwähnung der Trump-Russland-Israel-Isis-Story:

Noch mehr Fandom:

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