Das Auto aus der Cloud

Eine kurze Alltagsgeschichte aus der nahen Zukunft


Eine Vision zum Auto der Zukunft, prognostizierte Zeit bis zum Eintritt: rund 20 Jahre (2034).

Ein Ausschnitt aus jener Zukunft: 80 Prozent der Menschen die vor 20 Jahren noch ein Auto ihr Eigen genannt haben, tun dies nicht mehr. Warum? Wer braucht heutzutage noch ein eigenes Auto? Wenn ich heute von A nach B kommen möchte, dann steht das passende Gefährt für mich automatisch genau an der Gehsteigkannte an der ich es brauche. Woher es das weiss? Mein private Cloud, mein Konglomerat an Wearables darunter mein Smartphone, meine Smartglasses (die vernetzte Brille) und natürlich meine Smartwatch kennen meine Vorlieben und meinen Tagesablauf besser als ich und bestellen das passende Gefährt — ein Auto aus der Cloud immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Ob das gut ist? Das weiß ich auch nicht, aber es ist auf jeden Fall praktisch und meine private Cloud kennt mich auch schon erschreckend gut. Kaum verlasse ich unser Bürogebäude nach einem intensiven Arbeitstag, steht auch schon ein kleiner autonomer elektro Bus an der Gehsteigkannte mit meinem Namen auf der Passagierliste auf dessen Seitenscreen. Er wird mich und ein paar Kollegen die heute auch zufällig zur gleichen Zeit zu arbeiten aufgehört haben, auf den effizientesten Weg nach Hause bringen, mit so wenigen Zwischenstopps und Umwegen wie möglich. Alle Autos sind mittlerweile rein elektrisch. Es gibt nur noch ausgewählte Mitmenschen die sich Autos mit Verbrennungsmotoren leisten können. Die dafür fällige Umweltsteuer ist derart hoch, das es nur mehr der Oberschicht vorbehalten ist diese Oldtimer zu bestimmten Anlässen zu fahren.

Heute, an meinem letzten Arbeitstag vor meinem Urlaub, ist mir nicht danach mit dem Bus nach Hause zu fahren, raus aus dem Alltagstrott rein ins Vorurlaubsabenteuer. Mit dem neuen Tesla XS über den Küstenhighway in den Sonnenuntergang düsen, das wäre doch ein würdiger Tagesabschluss bevor es nach Hause geht. Gedacht, getan. Per Spracheingabe ist der Sportwagen aus der Auto Cloud in Sekunden bestellt, in 2 Minuten wird er selbstständig am nächstgelegenen Gehsteigrand zu meiner aktuellen Position ankommen.

Auch wenn alle heute zugelassenen PKW und LKW vollständig autonom fahren können, so gibt es manche Autotypen die immer noch eine manuelle Steuerung anbieten. Meist sind das Sportwagen die man einfach aus Spaß fährt, im Alltag fährt man immer autonom. Die Zeit in den typischen ConCars kurz für Convenience Cars oder zu deutsch “Komfortautos” wird anders genutzt. Die ConCars sind alle ausgestattet mit Komfortsitzen inklusive zuklappbaren Arbeitstischen samt WiFi Internet Zugang sowie Getränke und Snackbar in Griffweite. Hier lässt sich die Fahrzeit recht komfortabel und sinnvoll nutzen um Arbeit zu erledigen oder ein Buch zu lesen oder auch einfach nur die Aussicht genießen. Diese ConCars gibt es von 1 bis 20 Sitzplätzen, je nachdem wie viele Personen zur gleichen Zeit einen ähnlichen Weg haben, berechnet die Cloud die ideale Anzahl an Sitzgelegenheiten und schickt den passenden Wagen. Wenn man alleine Fahren möchte kann man das natürlich auch explizit fordern.

Mein Tesla ist mittlerweile angekommen, eingestiegen und los geht’s. Seit alle Autos autonom fahren können, ist es viel ruhiger auf den Straßen, es gibt keine Staus mehr, keine Ampeln, und nur noch vereinzelt Verkehrszeichen. Die Regeln wie gefahren werden muss, holen sich die Autos vom örtlichen Verkehrsnetz. Die Verkehrszeichen oder besser gesagt die Fahranweisungen im manuellen Modus werden direkt im Headup Display angezeigt und in gefährlichen Situationen übernimmt automatisch das autonome Steuerungssystem.

Es ist recht wenig los auf dem Küstenhighway. Vereinzelt sieht man ein paar autonome elektro LKWs die längere Routen haben und daher das Ziel nicht vor dem Nachtfahrverbot erreichen werden. Die meisten LKWs, mit Ausnahme derer, die einen Genehmigung für die Nacht haben, stoppen dann automatisch auf dafür vorgesehene Parkplätze. Am nächsten Morgen setzen sie ihre Fahrt wieder selbständig fort.

Schnell noch einen autonomen IKEA Transporter überholen bevor ich abfahren muss. Seit die Zustellung sperriger Dinge von autonomen Transportern übernommen wird, bekommt Einkaufen einen ganz anderen Komfort. Ob eine neue Couch oder ein Fernseher, kein Überlegen mehr ob ich das ins Auto packen kann. Alles was von A nach B muss, wird mit dem richtigen Transportmittel passend autonom und effizient transportiert. Ob Pakete die man sich jederzeit Zustellen lassen kann, oder frische Lebensmittel aus dem Supermarkt die auf Abruf geliefert werden, bis hin zur heißen Pizza die man aus dem autonomen Pizzazustellwagen direkt abholt und per Handy zahlt.

Was diese Mobilität kostet? Weniger als ein eigenes Auto. Abgerechnet wird monatlich je nach genutzten Fahreinheiten. Diese setzen sich zusammen aus Art der Beförderung (ConBus, ConCar, Sportwagen oder Zustellservice) und den gefahrenen Kilometern sowie der Zeit die man das Gefährt braucht. Praktisch wenn man keine Garage mehr braucht, kein Service mehr machen muss, sich um Reparaturen nicht kümmern braucht, nie tanken muss bzw. den Akku nicht mehr laden braucht und trotzdem immer ein Auto auf Abruf bereit hat.

Endlich zuhause angekommen, dort wartet auch schon unser SleepCar für den Weg in den Urlaub der morgen beginnt. Abfahrt ist noch heute geplant um ca. 22:00 Uhr, geschlafen wird auf dem Weg in den Urlaub. Wenn wir morgen aufwachen dann sind wir auch schon am Ziel.

Bildquelle: Steve Swayne CC BY-SA 2.0 https://www.flickr.com/photos/maleny_steve/2939242665/in/photostream/

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