Get the party started

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Jetzt geht’s erst richtig los. Bin ein bisschen spät mit diesem Artikel, er ist vom 9. Januar.

Die Fahrt von Delhi nach Ayodhya ist für ca. 10 h angesetzt. Nachtzug. Ein bisschen Schiss hatte ich offen gesagt vor dem Bahnhof. Gruselige Stories von überfüllten Gleisen haben wir ja alle schon genug gehört. Empfangen wurden wir von den Kulis, die unsere Koffer tragen wollten. Mal abgesehen davon, dass ich meinen großen Rucksack gern abgegeben hätte, wollten wir aber doch einen Stop einlegen, um Essen und weiteren Proviant zu kaufen. Außerdem wollten wir nicht schon wieder um irgendeinen Preis feilschen. Also ging es bepackt mit dem großen Rucksack, dem kleinen Rucksack, der Laptoptasche (die wirklich unpraktisch ist aber auf dieses Stück 1. Welt möchte ich einfach nicht verzichten) und ergänzend mit Biriyani (eine Art gebratener Reis), einer ordentlichen Portion Wasser, Bananen, Keksen und Namkeen (herzhafte Snacks) zum Gleis 16. Welches sich ganz am Ende des Banhofs befand. Was auch sonst ;-) Am Gleis war es nicht voller als bei uns zu einer durchschnittlichen Zeit. Wieder wurden wir mehrfach angesprochen… welchen Zug wir denn nehmen wollten. Wohin. Woher. Und warum überhaupt. Es wirkt auf uns Europäer ein wenig sehr direkt, manchmal gar anmaßend — jedoch stecken hinter diesen Fragen meist lediglich aufrichtige Neugier und der Wunsch mit uns in Kontakt zu treten.

Der Zug fährt mit nur 10 Minuten Verspätung los. Soviel besser kriegt die deutsche Bahn es auch nicht oft hin. Unsere Schlafplätze sind die oberen. Tipp für Nachtzug-Fahrer: die oberen nehmen, da wird sich kaum ein Fremder hinsetzen. Unsere Klasse wird niemals überbucht, daher gibt es auch kein Gedränge. Die Lautstärke hält sich auch in Grenzen. Alle paar Minuten läuft jemand durch den Gang, der Chai (schmeckt ein bisschen, als hätte jemand Nagellackentferner hineingekippt), Tomatensuppe oder sonstige essbaren Dinge verkauft. Gegen 22 Uhr ist der Service beendet. Auch den Gespräche ebben ab. Fahrgast um Fahrgast bereitet sich sein Bettchen. Der Zug bietet sogar eine „Western style“ Toilette. Also so wie wir sie kennen. Ironischerweise ist dies die sauberste und geruchsärmste, weil die Inder lieber ihre Hock-Toiletten benutzen. Jedem Gast werden zwei Laken, eine Decke und ein Kissen zur Verfügung gestellt. Alles frisch gereinigt und noch warm vom Bügeln. Die Qualität meines Schlafes hält sich in Grenzen, ist aber besser als erwartet. Die zweistündige Verspätung begrüße ist, heißt es doch für mich 2 Stunden mehr Schlaf. Etwas zerknautscht aber gespannt auf das, was kommt, warte ich an der offenen Tür bis der im Bahnhof einfährt. Ravindra und Atul erwarten und schnappen sich unser Gepäck. Auf dem Bahnsteig begrüßt mich bereits die erste Kuh. So habe ich mir Indien vorgestellt.

Wir besuchen zuerst den Haupttempel von Ayodhya. Hier wird Hanuman — dem Affengott — gehuldigt. Dementsprechend viele Affen finden sich in der Stadt. Man passe besonders auf, wenn man essbares in der Hand hält. Ayodhya ist eine der viele heiligen Städte und Stätten in Indien mit besonders trauriger Vergangenheit. Doch dies lest besser in einem Geschichtsbuch oder bei Wiki nach. Nachdem wir noch zwei weitere heilige Stätten besichtigt und weitere Kühe getroffen haben, machten wir uns auf zu den Ghats. Dies sind Orte an heiligen (hier ist viel heilig ;-)) Flüssen, an denen rituelle Waschungen und Bäder vorgenommen werden. Trotz der relativen Kälte wird kaum gezögert. Die Heilige Pflicht wiegt schwerer als das Wohlbefinden. Sehr schnell sind wir wieder von vielen Menschen umringt, die uns etwas verkaufen wollen, die Fotos machen oder einfach nur schauen. Wie damals in China frage ich mich manchmal wie oft ich wohl irgendwo in einem Facebookprofil erscheine …. Bevor es weiterging, gab’s natürlich noch einen Snack.

Die Fahrt nach Belsar dauert eine gute Stunde. Unterwegs verlieren wir einen Außenspiegel (nicht, dass mich das überrascht hätte so wie hier auf einer schmalen Straße gedrängelt wird), sehen erneut zahlreiche Kühe und Büffel, kleine Strohaus-Siedlungen am Straßenrand, passieren zahlreiche Dörfer, Marktplätze, mehr Kühe, Ziegen, Hunde (Katzen sieht man hier weniger), Motorräder, Fahrräder… und meinen ersten Ochsenkarren. Es ist eine Sache, davon zu lesen und eine andere, dann wirklich da zu sein. Das flasht mich immer wieder.

Und dann sind wir da. In Belsar. An der Gurukul Children Academy. Die Schule, an der ich in den nächsten Monaten arbeiten werde. Meine Anspannung ist fast greifbar. Wir gehen durch die einzelnen Klassen, begrüßen die Schüler und mir wird alles gezeigt. Alles ist ziemlich einfach und es gibt noch viel zu tun. Jedoch wurde hier eine Schule geschaffen, wo es zuvor keine gab. Ein Schule, in der jetzt Kinder unterrichtet werden, die ansonsten wahrscheinlich nicht zur Schule gehen würden. Darüber hinaus wird hier eine Didaktik angewendet, die sonst in Indien eher unüblich ist. Aber dazu mehr in einem GCA Artikel, den ich in ein paar Wochen schreiben werde.

Schließlich kommen wir zum Haus der Familie Pandey, in der ich wohnen werde. Anna und ich ziehen in das Zimmer, in dem ich nach Ihrer Abreise bleiben werde. Das Haus ist groß und sehr sauber. Für unsere Verhältnisse auch sehr einfach. Das Zimmer wurde extra frisch gestrichen. Auch unsere Decken scheinen brandneu zu sein. Außerdem wurde ein neues „Badezimmer“ gebaut, mit Dusche und zwei Toiletten — einer Hocktoilette und einer Western Toilet. Die Anführungszeichen im Übrigen, weil sich das Ganze mitten im Haus befindet und nach oben offen ist. Privatsphäre bei dem einen oder anderen Geschäft nicht inklusive. Privatsphäre ist ohnehin ein Konzept, welches die Inder nicht so kennen wie wir. Damit werde ich mich wohl abfinden müssen. Dann hatten wir die Gelegenheit eine Weile auszuruhen und ein kurzes Nickerchen zu machen. Im Anschluss ging es zum SPCM College, mit denen WWO gerade eine Kooperation aufbaut. Das Meeting fand halb in Englisch und halb in Hindi statt, so richtig viel hab ich erst im Nachgang verstanden. Muss wirklich mehr lernen… natürlich gab es auch hier wieder etwas zu essen. Der obligatorische Masala Chai, der wenn nicht zu viel Zucker drin ist, wirklich sehr gut schmeckt, und Pakoras. Gobhi Pakora und Mirc Pakora. Blumenkohl und Chili.

Wieder zuhause angekommen, saßen einige der Männer im Hof um ein kleines Lagerfeuer und plauderten. Wir wurden ebenfalls dazu eingeladen. Eine große Ehre, weil Frauen normalerweise nicht mit den Männern zusammen sitzen. Sie sind alle sehr neugierig und wollen alles über uns und Deutschland erfahren. Immer wieder werde ich nach den Unterschieden zwischen Indien und Deutschland gefragt. Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll….


This is an article I wrote on Jan 9… The train ride from Delhi to Ayodhya is scheduled for about 10 hrs. Night train. Frankly speaking I was a bit anxious to reach the train station. We all have heard enough stories about crowded plattform and people shoving each other. We immediately got spotted by the kulis who wanted to carry our luggage. Not for free of course. For once we wanted to make another stop to pick up dinner and a couple of snacks and second we didn’t want to bargain again. So, with my big backpack, the small one the laptop bag (I know it’s inconvenient to carry it around but I really, really wanted this little bit of my usual life), along with Biriyani (a fried rice dish), banana, some bottled water, cookies and namkeen (savoury snacks) and Anna with her stuff accordingly we ventured out to find plattform no. 16. It was at the far end of the train station. What else….

With not more that 10 minutes delay we left Delhi. Our beds are the upper ones. Quite convenient, because no one asks to sit there. The class we booked doesn’t get overbooked, so there wasn’t a big crowd. Also, it was relatively quiet with only the occasional chai or food wallah hurrying along the hall. By 10 p.m. people start getting ready for bed and it becomes even more quiet. Fortunately they have a western style toilet. Even more fortunately Idians rather use the own where you have to crouch down so „our“ toilet was rather clean and much less smelly ;-) Each passenger receives two sheets, a blanket an a pillow. Very clean and still warm from ironing it. It hasn’t been the best night I ever had but it wasn’t the worst either. Honestly, I kind of embraced the 2-hours-delay because the time I could use for sleeping. When the train was approaching Ayodhya I was standing by the open door. Ravindra and Atul were already waiting for us (for more than 2 hrs actually) and quickly we got to the car. Finally I met my first cow in public, which was standing on the plattform. Chewing very patiently without moving. That’s the India I imagined.

Before we continued to Belsar, we took a tour of Ayodhya and visited the main temple. They mostly worhsip Hanuman — the ape god — here and thus monkeys roam freely. You better watch out when you are eating something, because they’re swift ;-) Ayodhya is one of the many many holy cities and places in India and has a rather sad past — you can find more information on wikipedia. After having visited another two temples and met many more cows, we went to the Ghats. At the bank of the holy river (there are a lot of holy things here) people ritually bath themselves and pray. We are surrounded by plenty of people quickly. People trying to sell things, just watching us or taking pictures. I wonder in how many facebook profiles I might appear… After a quick snack by the road (chana puri — bread with chickpeas) we were on our 1-hour-drive to Belsar.

During this ride we los one of our car’s mirror (not suprising give the way people try to make three lanes of a one-lane road), meet many more cows and buffalos, see small straw-hut villages, other villages, markets, more cows, goats, dogs (cats are rarely to be seen), motorbikes, bikes…. And — drums please — my very first ox cart. It’s one thing to read about it and a whole other story if you meet one in person.

In the end we reach Beslar. We make a quick stop at the Gurukul Children Academy. The school where I’m going to work. I’m tense. We meet the children and I get shown around. It’s still very basic and there is still a lot room to improvement. However, a school has been built where there was no school before. A school, where children get education that otherwise would probably not have seen a school. Plus they have a teaching system that greatly differs from the one common in India. Find more in the GCA article I’ll publish in a couple of weeks.

Finally we meet the Pandey family. My host family for the time staying here. Anna and I move into a room which they have freshly painted for us and I will keep once she has returned to Delhi. The house is quite big and very clean though very simple. They have also created a new bathroom with a Western toilet. Funnily it’s in the middle of the house and it doesn’t have a roof. So some private things won’t be as private as we Westerners like it. But that’s something I simply have to get used to. Indians don’t appreciate the concept of privacy and quiet as much as we do. If at all. After a short rest and nap we went to see the managing directors of the SPCM college, a nearby nursing college, WWO cooperates with. Since the conversation was partly in Hindi, I didn’t understand most of it. Really need to work on that! Of course there were some snacks. We had masala chai (which is really delicious if they use less sugar) and chili and caulifor pakora.

Later we joined the man to sit around a nice little campfire to chat. That is actually quite an honor because women usually are not to sit with the men. All of them are very interested and curious and mostly want to know about differences between Germany and India. But where to start??