Namaste Delhi

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Ich weiß gar nicht so richtig, womit ich anfangen soll. Gerade sitze ich in meinem ersten Bett dieser langen Reise und bin froh, dass es relativ ruhig ist. Es sei eine ruhige Nachbarschaft, sagte mein Gastgeber. Nach dem, was ich in den letzten 5 Stunden erlebt habe, nehme ich das auch so war. Die Nachbarin kann ich trotzdem in der Nebenwohnung summen hören. Ein Wohltat für meine von ins-Handy-schreienden (ja, wirklich) Männern, hupenden Autos und plärrender Musik. Wobei die Musik tatsächlich nicht an den Lautstärkepegel von China herankommt.

Doch von vorn: Gestern Mittag saß ich noch am Flughafen. In einen A380 gehen laut Wikipedia bis zu 835 Passagiere rein. Von denen waren am Freitag aber maximal 15 nicht indisch. Handypiepen und –klingeln, Gemurmel in mindestens 3 verschiedenen Sprachen, Kindergeplapper und –geplärre, Schnarchen, Rascheln, Husten, Knistern, Lachen… es riecht nach Windeln (*örks*), Schweiß, Essen, Parfum und dem einen oder anderen Geruch, dessen Ursprung ich gar nicht weiter ergründen möchte. Ich sehe weit und breit einen einzigen blonden Menschen, Frauen mit und ohne Kopftuch, in Saris, in westlicher Kleidung, aristokratisch umherschreitende Sikhs mit Turban, Inder mit Brillen, Inder ohne Brille, dicke, dünne, alte, junge… und dabei bin ich noch in Frankfurt.

Der Flug ist erstaunlich angenehm. Die schreienden Kinder sind alle im unteren Teil des Fliegers (nein, ich meine nicht den Gepäckraum) und neben mir sitzt ein recht schmaler, junger Mann. Kölsche Jung übrigens. Mit indischen Wurzeln. Kombiniert indische Neugier mit kölscher Erzähllust. Die ersten 60 Minuten fand ich das noch spannend…

Durch die Immigration geht es ratzfatz. Hätte ich gar nicht erwartet. Dafür muss ich umso länger am Gepäckband warten, bis mein Rucksack kommt. Und dann ist auch noch mein Schlafsack verschwunden. So ein Mist. Kein unsäglich wertvolles Teil (hat bestimmt schon 20 Jahre auf dem Buckel) aber eben der einzige, den ich dabei hatte. Nun gut. Ich nehm’s gelassen — tatsächlich! — und gehe zum Ausgang. Der Fahrer wartet wie verabredet mit einem Schild auf mich auf dem mein Name steht. Die Fahrt ist unspektakulär, die Sicht aufgrund von Smog und Dunkelheit quasi nicht vorhanden. Verkehr herrscht kaum aber ein paar Straßenhunde jagen das Auto und verbellen es. Bisschen gruselig. Im Apartment angekommen findet der Fahrer den Schlüssel nicht… der ist aber hier für mich hinterlegt worden. Aha. Inzwischen ist es 3:30. Nachts. Also klingeln wir meinen Gastgeber aus dem Bett. Der war jedoch gar nicht zuhause, sondern zu diesem Zeitpunkt im Nachtzug von Udaipur nach Delhi unterwegs. Schlüssel wurde gefunden, Tür geöffnet und ich habe mich erstmal mit meiner neuen Umgebung für 3 Nächte vertraut gemacht.

Die erste Nacht war kurz. Ab 9 war ich wach. Nicht zuletzt auch, weil sowohl Vidhi — mein Gastgeber — also auch Tiffany — eine weitere Couchsurferin, die hier zurzeit wohnt, ins Bad mussten. Dieses ist nur über „mein“ Zimmer erreichbar. Nachvollziehbar und auch ok aber ich war eben wach. Oder sagen wir so, ich konnte nicht mehr schlafen.

Kurz darauf ging es dann los um eine indische SIM Karte zu kaufen. Bekommen haben wir sie. Bezahlt jedoch noch nicht. „Later“. Vidhi war in Eile zu einem Termin. Tiffany und ich sind also weiter in Sachen Frühstück. Wir haben einen Laden gefunden, an dem es Samosas und Pakoras gab. Lecker. 
Danach noch ein wenig gebummelt und prompt verlaufen. Auf der Straße waren vormittags fast nur Männer unterwegs. Komisches Gefühl.

Im Anschluss hatte ich meinen ersten Termin mit den zukünftigen WWO Kollegen. Wir waren im Dilli Haat, einem hübschen Handwerkermarkt, bei dem es aus jedem Staat andere Kunst (und Essen) gibt. Ich war jedoch erstaunt, dass ich fast alles auch schonmal in Deutschland gesehen habe.

Dazu gab’s Unmengen an Informationen zu WWO und meinen zukünftigen Aufgaben (dazu werde ich dann mal berichten, wenn ich es verstanden habe). Im Anschluss ein ganz kurzer Abstecher nach Delhi Central.

Details hierzu folgen. Mir brummt der Kopf. Abendessen fällt aus und ich werde früh ins Bett gehen… Namaste.


Frankly, I don’t know where to start. Just now I’m sitting in my bed-for-3-nights and am thankful fort he quiet neigbhorhood. When my host mentioned this, I was sceptical but after 5 hours of concetrated Delhi I feel the same. It’s lovely to hear so little after the incessant honking cars, screaming people and Indian Musik. Though Delhi doesn’t beat Shanghai in terms of music.

Let’s start at the beginning. Yesterday early afternoon I was waiting for my flight in Frankfurt. According to wikipedia an Airbus A380 seats up to 835 passengers. On Friday there of this number 15 only could have been non-India. Max! Mumuring and humming and children talking, laughing and crying, coughing, munching … smells like diapers (wtf???), sweat, food, perfume and some other smells I’d rather not think about. I can only detect a single blond person in the whole hall but plenty of women with and without scarf, wearing saris or western clothes, aristocratic Sikhs, Indians wearing glasses or not, big, small, young, old… and I’m still in Frankfurt ;-)

The flight’s pretty comfortable. The crying babies are all seated in the lower compartment and the seat next to mine is occupied with a young, rather slim, man. From Cologne. With Indian background. The first 60 minutes I liked this mixture of Indian curiousity and Colonian chattiness.
I’m through immigration in no time. Wasn’t expecting that. However, baggage pickup takes ages. My backpack’s there but the sleeping bag is gone. It wasn’t a very valuable thing but now I will need to buy a new one. I’m suprised by how relaxed I take it.

The driver’s there with my name on a sign and the ride to the apartment is smooth. Very little traffic but a few stray dogs barking up the car and chasing it. Kind of scary! Due to darkness and smog the sight is below 500m. 
After having found the apartment we can’t find the key. My host Vidhi wasn’t at home, I didn’t know. By the time we woke him up, it was 3.30 am and he was on a night train vom Udaipur to Delhi. My short-term home is quite small, that’s fine though. My first night was short. I woke up, wenn Vidhi and some other couchsurfer, Tiffany, had to use the bathroom with can only be entered through my bedroom.

We got an Indian SIM card and a nice pakora/ samosa lunch. Accompanied by honking and people staring at us. There are very few women on the streets in this area. Unfortunately after strolling a bit we got lost….

Back at the apartment I got picked up by someone from WWO for „initial talk“. We went to Dilli Haat, a nice handicraft market and food place. Most astounding was the fact, that I’ve seen most of the craft before — in Germany. He filled my head with loads of information on WWO and my tasks (this will 
be told in an extra post, once I fully understood everything).

Before returning home we went to Delhi Central. Now I have a headache and will go to bed early. Namaste.