Ran an den Speck — Ihr wurdet gewogen, ihr wurdet gemessen… und ihr wurdet für nicht gut genug befunden.

Claudia Mee
Jul 23, 2017 · 3 min read

Ihr dürft an dieser Stelle gern darüber diskutieren, wie die dieses Zitat im Zusammenhang mit meiner Selbstwahrnehmung und -liebe steht. Ich werde es nicht tun ;-)

Nachdem ich nun die Entscheidung getroffen habe, an der 90-Tage-Challenge teilzunehmen, mich angemeldet, das Programm bezahlt und den Frageboten ausgefüllt habe, heißt es nun warten. Warten auf die erste Veranstaltung. Ein Kennenlern-Event. Erste Infos, erste Regeln, einander beschnuppern und die letzte gemeinsame Henkersmahlzeit. „Da könnt ihr alle nochmal ordentlich reinhauen“ — war die Devise.

Auf den ersten Blick sind alle total nett. Große Überraschung… ist das nicht meistens so? Sehr unterschiedliche Typen. Einige, die bereits an vorherigen Challenges teilgenommen haben, andere, die noch nie eine Hantel in der Hand hatten. Solche, die sehr zurückhaltend sind und solche, die vom ersten Augenblick viel erzählen (nein, ich weiß überhaupt nicht, von wem die Rede ist). Ich bin sehr gespannt, wie das wohl werden wird.

Erste Regeln habe ich weiter vorn erwähnt. Da mich in der darauffolgenden Woche gleich eine viertätige Geschäftsreise erwartet, breitet sich sofort Panik aus, dass ich keinem Programm, dass nur selbst zubereitete Speisen vorsieht, folgen kann. Entwarnung, es geht „light“ los. Eingewöhnen.

Erstaunlicherweise fällt es mir leicht, mich an die Regeln zu halten. Kein Heißhunger geißelt mich. Auch für Sport finde ich Zeit — und vor allem Energie. Erneut bin ich froh über die Entscheidung für McFit, da ich so auch an anderen Standorten ohne weiteren Aufwand trainieren kann.

Alle offiziellen Termine mit der Gruppe finden sonntags statt. Der erste Sonntag — Bestandsaufnahme. Wir werden nicht nur gewogen und gemessen, wir werden auch fotografiert. Die Pose: echt. Da werden keine Schultern nach hinten gezogen. Kein Hohlkreuz gemacht und kein Po nach hinten gestreckt. Ein Blick in unsere Gesichter lässt annehmen, wir wären auf dem Weg zur Schlachtbank. Nun, in gewisser Hinsicht ist dem so. Schließlich soll es ja dem Speck an den Kragen gehen. Es ist nicht schön, so schwarz auf weiß am Flipchart und auf Fotos zu sehen, was sich unter gemütlichen Pullis doch irgendwie verstecken lässt. Ich lasse mir ja nur mittelmäßig gern in die Emotionskarten schauen, daher bin ich natürlich wieder ganz vorne dabei es mit Humor zu sehen — zumindest offiziell. Im Geheimen — also psssst — geht es mir gerade nicht gut. Dass ich mein Gewicht, obwohl die Waage seit geraumer Zeit kaputt ist, bis auf 100g Abweichung richtig geschätzt habe, hilft nicht wirklich.

Jeder hat seine eigenen „Problemzonen“ und Ziele, ein direkter Vergleich mit anderen ist nicht unbedingt hilfreich. Ich tue es aber trotzdem — und schneide in meiner Bewertung schlecht ab. Das zieht mich zunächst einmal runter. Auf der anderen Seite habe ich doch jetzt die ersten Schritte gemacht und bin einen Weg eingeschlagen, der mich zu einem besseren Leben führen wird. Bääääh, wie pathetisch das klingt. Am Ende hängt ein gutes Leben wieder davon ab, dass der Körper einem gesellschaftlich anerkannten Schönheitsideal entspricht? Vor meinem inneren Auge sehe ich schon meine Mitbewohnerin, wie sie Luft holt um zu einem gesellschaftskritischen Kommentar anzusetzen… so recht sie hat, ist das ein Thema, das ganze Blogs füllen könnte, und hier nicht weiter thematisiert werden soll. Seit geraumer Zeit fühle ich mich nicht mehr wohl in meinem Körper. Dennoch habe ich bislang nicht die Kurve gekriegt — offenbar war der Leidensdruck noch nicht groß genug. Besonders quält mich die Tatsache, dass ich es mir in der näheren Vergangenheit ganz offensichtlich nicht wert war, auf mich acht zu geben. Dieses Gefühl ist jetzt visualisiert und ans Licht gezerrt. Das zwickt!

Claudia Mee

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Wichtiges und Unwichtiges aus dem Leben einer Großstädterin.

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