Ran an den Speck — Momente der Wahrheit

Die zweite Woche ist rum. Heute findet der erste Check-up statt.

Claudia Mee
Jul 23, 2017 · 4 min read

Habe ich mich an meinen Ernährungsplan gehalten? Wo habe ich Schwierigkeiten? Wie läuft das Krafttraining? Habe ich meine Cardio Training absolviert? Wie geht es mir überhaupt? Und — so ganz nebenbei — was sagen Waage und Maßband? Eigenes Wiegen ist nicht empfohlen. Wie passend, dass meine Waage ja bekanntlich eh schon vor geraumer Zeit den Geist aufgab.

Nun, wie waren die ersten zwei Wochen? Ich erinnere mich nur noch dunkel, wann ich zuletzt einen konkreten Plan korrekt befolgt habe, ohne meine „der sagt mir, was ich zu tun habe also mache ich aus Prinzip das Gegenteil“-Anfälle zu bekommen. Ironischerweise scheinen es genau diese Struktur, die Verbote und das Erlaubte, zu sein, die mir hilft mich zu disziplinieren. Die Muße mir einen Trainings- und Ernährungsplan zu entwickeln, habe ich seit langer Zeit nicht finden können.

Zum Essen — nun, wer mich kennt, weiß, dass ich seit jeher ein guter Esser bin und hungern nicht gut funktioniert. Niemand sagt, dass hungern das Nonplusultra ist. Dennoch hatte ich bei vielen Diäten schlicht ständig Hunger. Und dementsprechend schlechte Laune. Nun habe ich tatsächlich das erste Mal einen Plan, der so viel Futter enthält, dass ich es oft nicht schaffe alles aufzuessen. Das lasst jetzt mal sacken. Die Vorbereitung nimmt viel Zeit in Anspruch. Es fällt mir schwer, das in meinen Alltag zu integrieren, so dass ich oft spät abends noch in der Küche rödele. Ich hoffe, mit ein bisschen mehr Routine wird es besser.

Und das Training? Dreimal in der Woche Krafttraining — wie soll ich das denn machen? Ha, ich mach’s einfach. Ich wundere mich erneut über meine Disziplin und die Energie, die ich dafür aufbringe abends noch eine Stunde Gewichte zu stemmen. Nicht alle Übungen gefallen mir. Ich habe mir jedoch vorgenommen, mich vollkommen darauf einzulassen, also arbeite ich konzentriert und sorgfältig meinen Trainingsplan ab. Nach einigen Übungen hatte in in den letzten zwei Wochen so starken Muskelkater in Schultern und Nacken, dass ich davon Kopfschmerzen bekomme. Da ist auf jeden Fall noch ne Menge zu tun.

In diesen ersten zwei Wochen dreht sich in meinem Kopf fast alles um Essen. Wann esse ich? Wann bereite ich es vor? Was muss ich einkaufen? Und wie schaffe ich bloß noch alles, was ich heute noch zu futtern habe? Nicht essen zu gehen, fällt mir relativ leicht. Auch als ich mit Freunden ins Kino gehe, locken mich weder Popcorn noch Nachos. Die erste echte Zereißprobe kommt mit dem Parookaville Festival. Da ich fahre, stellt sich die Alkoholfrage nicht. Aber man darf keine Lebensmittel mit auf das Gelände bringen. Also esse ich vor Abfahrt und dann nochmal direkt nach der Ankunft. Die nächsten 6–8 Stunden vor Ort gibt es für mich nichts zu essen. Wasser, Cola Light oder Red Bull zuckerfrei. Dürftige Getränkeauswahl. Nach dem zweiten Red Bull ist mir schlecht. Also bleibe ich bei Wasser. Gegen 21:30 Uhr knurrt mein Magen nicht nur, er bellt. Um mich herum werden Pommes, Burger, Pizza, Frozen Joghurt, Nudeln und allerhand weiteres höchst unerlaubtes Zeug gefuttert. Bevor ich aus den Latschen kippe, entscheide ich mich für einen Salat mit Thunfisch. Die Kidneybohnen schmeiße ich raus und bin sehr sparsam mit dem Dressing. Das ist eine sehr bewusste Entscheidung und kein Ausraster, so dass ich damit sehr gut umgehen kann. Ich bin stolz auf mich, nicht schwach geworden zu sein! Leicht fällt es mir nicht. Insgesamt ist das Wochenende jedoch eine große Gesamtbelastung. Morgens das Training, dann eine gute Stunde Fahrt zum Festival, dort den ganzen Tag in Action und abends bzw. nachts wieder zurück. Die Gute wird alt, mag der eine oder andere denken. Wäre die Situation eine andere, würde ich dem vielleicht sogar zustimmen. Tatsächlich spüre ich aber das Ausmaß der Erschöpfung, welches sich angesammelt hat, gerade massiv. Leider spielt auch das Wetter dieses Jahr nicht so mit, so dass der Samstagabend bereits ins Wasser fällt. Heute, Sonntag, bleibe ich direkt zuhause.

Naja, so ganz korrekt ist das nicht, denn es ist Zeit für den Check-up. Die Schlachtlamm-Gesichter werden wieder aufgesetzt. Völlig grundlos. Alle haben abgenommen. Auch ich. Sogar recht gut. Wäre ich nicht völlig k.o. vom darauffolgenden Training, würde ich jetzt noch eine kleine Tanzeinlage zum Besten geben. Aber ihr könntet die ja eh nicht sehen ;-)

In diesem Sinne: auf die kommenden 2 Wochen bis zum nächsten Check-up!

Claudia Mee

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Wichtiges und Unwichtiges aus dem Leben einer Großstädterin.

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