To ghost or not to ghost…

Die Indienreise ist beendet. Das Leben ist Deutschland geht weiter. Soll dieser Blog deshalb einstauben? Neeeeein. Also werdet ihr hier künftig allerhand literarische Ergüsse zu Themen finden, die mir so über den Weg laufen.

Er: „Danke für den schönen Abend. Lass uns das bald wiederholen!“
Du: „Finde ich auch. Sehr gern!“

Kennste, oder? Nach mehr oder weniger vielen E-Mails und Whatsapp-Nachrichten hast du dich mit deiner Online Bekanntschaft getroffen. Er entspricht im Wesentlichen dem, was du vom Foto erwartet hast. Vielleicht gefällt er dir sogar ein bisschen besser in Farbe. Ihr wart in einer angesagten Bar, nem gemütlichen Café, am Rhein spazieren oder vielleicht sogar in einer Foto-Ausstellung. Habt euch angeregt unterhalten, gelacht, ein bisschen geflirtet — vielleicht sogar am Ende geknutscht. Und dann sagte er auch noch, dass er dich gern wiedersehen möchte. Du bist ja keine 18 mehr und verliebst dich in den erstbesten Golf III Fahrer, der uns schöne Augen macht. Aber vielversprechend ist das allemal!

Da die neue Woche direkt weitergeht wie die letzte aufgehört hat, nämlich mit einem übervollen E-Mail Eingang, Anrufen von Kunden, Dienstleistern und Kollegen, die gaaaaanz dringend Dieses oder Jenes brauchen, das du schnell noch zwischen dem Jourfixe und den drei Interviews erledigen musst, meldest du dich erst am Dienstagabend bei ihm.

Du: „Hey — ist deine Woche auch so chaotisch gestartet wie meine? Wie geht’s dir? Wie schaut’s denn diese Woche bei dir aus? Lust was trinken zu gehen?“

Voller Fragen, weil du ja weißt, dass Männer nicht zwischen den Zeilen lesen und nur auf Fragen antworten. Die Antwort kommt nicht sofort. Das ist ok, wir haben ja alle einen vollen Terminkalender und es trägt ja nicht jeder sein Handy ständig mit sich rum. Na klar. Auch am nächsten Morgen nichts. Die Nachricht wurde auch nicht gelesen, obwohl er online war. Hm. Er wird sich schon melden.

Mittwochabend, er: „Ja, total stressig. Geht auch die ganze Woche so weiter. Klar hab ich Lust. Vielleicht am Wochenende dann?“
Du: „Ok, gern. Meld dich dann doch einfach, wenn du Zeit hast.“

Die nächsten beiden Tage hörst du nichts. Logisch, er hat ja auch total viel zu tun. Und eine Whatsapp Nachricht kann man(n) eben nicht so zwischendurch schreiben. Womöglich noch auf dem stillen Örtchen, wo man(n) ungestört ist. Wo kämen wir denn hin??

Freitagnachmittag, Feierabend, du: „Hey… und, wie sieht’s aus?“
Er (3 Stunden später): „Bin grad mit den Jungs beim Fußi und schon einige Bier intus *rollendeaugensmiley*. Morgen bin ich den ganzen Tag unterwegs.“
Du: „Sonntag?“
Er: „Da bin ich bei meinen Eltern.“
Du: „Hm, und nu?“

Schweigen. Na gut… warten wir mal ab. Samstag: nichts. Sonntag: nichts. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: nichts. Soooo groß kann das Interesse dann ja nicht sein. Ja gut, ist ne Annahme. Gesagt hat er das nicht. Aber wie er nichts sagt, das sagt alles. No news is good news. Is it tatsächlich?? Neulich lief im Radio so eine Zuhörer-können-anrufen Sendung. Es ging um „Ghosting“.

Ghosting, das heißt du meldest dich bei jemandem, den du getroffen hast und für nicht geeignet befunden hast, ihn wieder zu sehen, gar nicht mehr. Vogel Strauß-Taktik hieß das früher mal. Und auf neu-deutsch eben Ghosting.

Ich ghoste
Du ghostest
Er ghostet
Wir ghosten
Sie ghosten
 
Er ghostet, ghostete, hat geghostet. 
Er wird ghosten, wird gehostet haben.

Wie sollst du das nun finden? Kann er nicht einfach sagen „Hey du, war ein netter Abend aber irgendwie ist der Funke nicht übergesprungen.“? Machst du doch auch immer. Hm, immer? Also meistens. Zumindest machmal. Ghostest du deine Dates etwa? Ist bestimmt schonmal vorgekommen. Meistens schickst du aber eine deutliche Absage. Ist doch auch viel praktischer. Dann braucht er sich keine Hoffnungen zu machen, dass es weiteres Dates geben wird. Machen Männer so etwas überhaupt? Oder gehen sie per se einfach einmal im Jahr ihre Kontaktliste durch und checken, ob was da noch so gehen könnte? Und du — willst du wirklich gesagt bekommen, dass er einfach nicht auf dich steht? Ja. Nein. Also doch. Natürlich soll er, wenn du ihn interessant findest, auf dich stehen. Aber wenn es — aus völlig unerklärlichen, mysteriösen Gründen — doch mal nicht der Fall sein sollte, dann soll er verdammichnochmal auch den Arsch in der Büx haben, es zu sagen.

Und jetzt geben wir mal eines der bestgehüteten Geheimnisse der holden Weiblichkeit preis. Wir Weibchen sind in der Hinsicht gern ein bisschen begriffsstutzig — immerhin könnte ja etwas Unvorhergesehenes passiert sein, das ihn davon abhält, sich bei dir zu melden. Die Oma oder die Katze sind verstorben, vielleicht sogar beide… der beste Kumpel wurde von seiner Freundin verlassen und nun muss er tagelang mit ihm Bier trinken und über die Frauen schimpfen. Vielleicht hat der arme Tropf sich auch einfach beide Beine und Arme gebrochen.

Eine Absage ist Mist. Aber dann heißt es Krönchen richten und weitermachen. Haken dran. Abheften. Ablage P. Eigentlich ist es doch ganz einfach, oder?

Nun — to ghost or not to ghost? Wie seht ihr das?

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