Willkommen, Antisemit

Max Frisch hat vor 50 Jahren gesagt: „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.“ Ich mag Frisch. Sehr. Mehr als Dürrenmatt. Ich halte „Gantenbein“ für ganz grosse Literatur. Sieben Meter mindestens.

Wenn nun statt Gastarbeitern neu Hilfesuchende aus den Kriegsgebieten kommen, die ganz entscheidend vom IS bewirtschaftet werden, dann halte ich mich diesmal an den deutlich weniger bekannten Schriftsteller Alexander Kissler: „Wird man dereinst sagen müssen; man nahm Flüchtlinge auf, und es kamen Antisemiten?“

Die Frage ist berechtigt. Die grösste Zahl der Menschen kommt aus Syrien und dem Irak. In beiden Ländern ist „Jude“ mehr als ein Schimpfwort. In Schulbüchern wird Geschichtsklitterung betrieben, dass einem die Haare bis zum Ararat stehen. Kinder lernen den „Teufel“ mit Davidstern kennen, unterrichtet von offiziellen Pädagogen. In Staats-, nicht nur Koranschulen.

Das hat seit Jahrzehnten System im arabischen Mittleren Osten. Die Hamas im Gazastreifen machts nicht anders, nur mit dem noch bittereren Beigeschmack, dass die Lehrmittel von der EU bezahlt werden, offiziell. Ihr wird in den Büchern für die Unterstützung gedankt. Inklusive blauer Flagge mit Sternchen. Die Sterne in der EU-Flagge haben aber nur 5 Zacken.

Ja, die allermeisten dieser Menschen haben erstmal andere Sorgen, als sich um unterschiedliche Geschichtsbücher an ihrem Ankunftsort zu kümmern. Und ja, viele werden gerne wieder nach Hause gehen, wenn dies endlich wieder möglich ist. Sein sollte.

Aber bin ich dermassen alarmistisch, wenn ich mir manchmal Gedanken mache, ob sich mittelfristig Übergriffe gegen „Andersgläubige“ — zu klardeutsch Juden — häufen könnten? Wie schon in Frankreich? Belgien? Dänemark? Israel sowieso?

Wahrscheinlich übertreibt mein Gefühl. Es wird nichts passieren. Mal ehrlich. Die Chancen sind absurd gering. Im Promillebereich, wenn überhaupt. Tut mir Leid wegen der Panikmache. Wollte ich nicht. Entspannt euch bitte alle wieder.

In diesem Sinne,

Euer Chris — 10. September 2001

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