Wie man ein Hightech-Produkt entwickelt #2: Design

von Patrick Weissert, CPO

Stell Dir Dein in die Jahre gekommenes, aber stets treues Auto vor. Der Lack ist noch nicht ganz ab, aber bei der Ausstattung kann es mit den neuen Fahrzeugen schon lange nicht mehr mithalten. Und jetzt stell Dir vor, Du könntest dieses Auto in nur drei Minuten mit interaktiver künstlicher Intelligenz und einem maschinellen Lernverfahren aufrüsten. Klingt gut? Klingt nach Chris: hochklassige Technik für Ottonormal-Verbraucher. Wir teilen hier in einer Serie unsere Erfahrung, wie man ein technisch hochwertiges Produkt entwickelt. Heute: Design

In den ersten Monaten hatten wir eine umfassende sog. “Phase 0”. Wir haben mehr als 20 Design-Möglichkeiten geprüft, recherchierten unzählige Materialien, stellten Vergleiche mit ähnlichen Produkten an und waren ständig auf der Suche nach Inspiration. Um zu einigen der grundlegenden Entscheidungen zum Design zu kommen, haben wir uns einfacher, aber hilfreicher Werkzeuge bedient: Post-its und grüne Sticker visualisierten die Beliebtheit der jeweiligen Variante.

Hierbei geht es darum, ganz klar herauszuarbeiten, was Du als Unternehmen kannst und was Andere besser können. Außerdem füllst Du Deine Schatztruhe mit Ideen, aus denen Du in den kommenden Monaten und Jahren schöpfen kannst.

Kunden-Befragungen

Der Standort eines Unternehmens ist sehr wichtig. Wie sinnvoll unsere Wahl war, zeigte sich schneller als gedacht: Unsere Büros liegen in einem Industriegebiet im Herzen von Berlin. In der unmittelbaren Nachbarschaft liegen zwei Werkstätten: ein Reifenhändler und eine allgemeine Auto-Reparaturwerkstatt.

Menschen gehen dorthin, um ihre Reifen wechseln oder ihr Auto reparieren zu lassen — und verbringen dann die nächsten 30–45 Minuten mit Warten. Eine perfekte Gelegenheit für uns, um Befragungen mit Autofahrern zu einem Produkt durchzuführen, das für ihr Auto konzipiert ist.

Wir haben also eine Reihe von Design-Varianten auf ein Tablet geladen, sind ein paar Meter die Straße hochgelaufen und haben einen Nachmittag in der Werkstatt mit netten Gesprächen verbracht. Zurückgekehrt sind wir mit 5–10 qualitativ hochwertigen Interviews von potenziellen Kunden unmittelbar aus unserer Zielgruppe. Und wir haben dabei keinen Cent ausgegeben!

Video-Tests

Videos sind eine sehr starkes Instrument, um Konzepte und Features zu testen. Ein Beispiel: wir waren unsicher, wie wichtig Gestensteuerung für unsere Idee ist und ob die Leute verstehen, was sie tun müssen. Als wir unsere ersten Tests auf einer einfachen Webseite mit Produktbildern machten, hatten wir den Eindruck, dass die Leute rational das Produkt verstanden haben, aber nicht emotional mit ihm verbunden sind. Sie hatten auch keine Ahnung, was Gestensteuerung sein sollte und wofür es gut ist.

Also sind wir rein ins Auto und haben kurzerhand ein Video aufgenommen. Zuerst haben wir unsere eigenen Stimmen genutzt und einen Praktikanten die Aufnahmen zurechtschneiden lassen. Das ging zwar schnell, die fehlende Qualität lenkte unsere Tester aber massiv ab.

Also erneut ab ins Auto und das Video pimpen: mit einer etwas besseren Fotografie (eine bessere Kamera und einige Lektionen gelernt), bessere Visuals (damals hatten wir sie), professionellen Stimmen (wir wussten, dass wir sie sowieso später brauchen würden) und einem Cutter, der zwar noch im Studium war, dessen Abschluss aber Filmeditor sein wird.

Das Ergebnis war ein Video, das zumindest auf den ersten Blick “ok” wirkte, dessen Effekt aber erstaunlich war: Plötzlich lag die Aufmerksamkeit der Probanden auf der Gestensteuerung und sie waren sichtlich beeindruckt. Und wir wussten jetzt, dass Handgesten ein wesentlicher Teil von Chris waren.


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Als Nächstes: Technologie

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Patrick Weissert ist Gründer & Chief Product Officer bei German Autolabs. Er ist passionierter Wochenend-Ausflügler und wartete seit Jahren darauf, dass endlich jemand einen guten Sprachassistenten für Autos baut. Jetzt baut er ihn eben selbst.