Zum Vatertag.
Eine Kritik.
Mit dem Begriff *Vatertag* weiß ich erst mal nichts anzufangen. Also muss ich nachsehen. Ich lese: *Kernelement dieses volkstümlichen Tages war dabei die „Einweihung“ der Jüngeren in die Sitten und Unsitten von “Männlichkeit”. Auweia.
Ich suche weiter: Im Kulturteil einer überregionalen Tageszeitung finde ich dann tatsächlich auch eine quasi-intellektuelle Auseinandersetzung zum Thema *Vaterfiguren* und bin fassungslos. In der heimischen Tagespresse wird der *Event* ausreichend per Veranstaltungskalender lauthals gewürdigt. Die Details erspare ich mir und Euch.
Nur so viel: Natürlich geht es nicht um Himmelfahrt. Sondern um Vatertag.
Und als wäre dem noch nicht genug, dürfen natürlich die Werbebeilagen des lokalen Handels nicht fehlen. Mit sinnfreien Sprüchen wie *Ja, ich grill!*; *Die Fässchenparade zum Vatertag*; *Ein Tag für Männer!* werden sogenannte Traditionen, also: Getränke beworben.
Eine große Lebensmittelkette erlaubt sich sogar einen *Vatertags-Check*: Haben Sie schon an alles gedacht? Freunde angerufen? Wanderroute? Rucksack? Bollerwagen? Kühltasche? Grillgut, Brot und Bier? Denn: *Das riecht nach Stimmung, Spaß und Tradition*
Aha.
Doch: back to the roots…
Hier zu Lande wird ein nicht unerheblicher Aufwand getrieben, mit dem sich das immer jünger werdende Publikum auf die Alkohol-Exzesse dieses (Vater-) Tages vorbereitet:
Man höre und staune: Die Konfirmation (!) dient (so bekennen viele…) als Initiations-Ritus für die nun erlaubte Teilnahme an den ersten Gelagen.
Der Bollerwagen hat lange ausgedient und muss fast Carport-großen Vehikeln weichen, die in akribischer Arbeit schon Monate vorher präpariert werden. Darauf befindet sich neben endlosen Alkoholvorräten auch eine bollernde Beschallungsanlage, die (meist völllig übersteuert) durch flache Mitgröl-Musik ihre Umgebung tyrannisiert. Zudem werden T-Shirts mit allerlei vermeintlich wichtigen Sprüchen bedruckt, um sich ja einer Gruppe zuzuordnen. Mit schrägen Sonnenbrillen und peinlichen Hüten wird via smartphone im Minutentakt bei facebook der aktuelle Pegel zusammen mit entgleisten Bildern gepostet, die hinterher niemand mehr sehen will…
So torkeln dann bereits gegen zehn Uhr morgens die ersten Kids laut grölend und hübsch vorgeglüht ins ländliche Grün, um eine markante Spur zerborstener Trinkgefäße und Flaschen zu hinterlassen. Kirchgänger, die ihren Weg kreuzen, werden müde belächelt, im besten Fall wird ihnen ein Bier angeboten.
Die Dorfbewohner stehen oft im Vorgarten bei Grill und Bier und prosten den alkoholisierten Schutzbefohlenen zu, in (zu) wenigen Fällen wenden sie sich kopfschüttelnd ab.
In der Dorfgemeinschaft ist Kritik oft unerwünscht und wird merkbar verpönt: schließlich geht es ja um *Traditionen*.
Gegen elf rasen dann die ersten Krankenwagen mit Blaulicht über die Landstraßen, um die Gestrandeten einzusammeln; um die Dörfer findet sich eine (sonst ungewöhnliche) Polizei-Präsenz.
Alle strömen zu den einschlägig bekannten *Ausflugslokalen*, die — ganz wie der schon zitierte Einzelhandel — brutal auf Umsatz setzen: Kapellen werden verpflichtet, in so genannten *V.I.P. — Areas* lässt sich das bierselige Ego aufwerten. Rundherum herrscht ein unüberschaubares Chaos: Alle sind mehr oder minder betrunken, flaschenschwingend mit albernen Accessoires geschmückt, Musik wird als solche kaum noch wahrgenommen, es ist einfach nur laut und die Vollberauschten liegen lallend im Gras in der Sonne oder werden — von Sanitätern gestützt — zum Sammelplatz geführt.
Zwischen wabernden Bier- und Schnapsschwaden gelegentlich Grill-Gerüche von eigens mitgeführtem Einweggerät, auf dem langsam einige einsame Bratwürste verdorren. Ein Szenario, das sich eigentlich kein vernunftbegabter Mensch freiwillig antun möchte.
Aber doch: An Vatertag geht das eben. Da fällt der Vorhang. Oder er hebt sich. Je nach Art der Betrachtung.
Als Intermezzo immer wieder das Martinshorn eines Krankenwagens.
Und erste Pöbeleien, die oft nicht harmlos bleiben.
Dann am späten Nachmittag wanken die ersten aufgelösten Gruppen heimwärts, wirken fast ziellos: müde, traurig, einsam und abgerissen — ein Treck, wie nach einer verlorenen Schlacht.
Was das sollte, scheint wirklich kaum jemand zu wissen. Ist eben Vatertag. Und was bleibt zurück? Was?
Ich hätte gern den ein oder anderen mal gefragt, an welchem Tag eigentlich Christi Himmelfahrt ist…
Feiern geht anders, glaube ich.
Feiern geht gerade dann, wenn ich weiß, worum es geht.
Wenn ich das verstehe. Und das auch sagen kann.
Unser Glaube verpflichtet uns.
Mehr, als vermeintliche Traditionen…
Er ist am dritten Tag auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
[Christliches Glaubensbekenntnis aus dem Jahr 381]