
Es ist eine Lüge, die uns allen so lange beigebracht wurde:
Alle Antworten lägen in uns selbst.
Denn weisst du was? Das stimmt nicht. Die wenigsten Antworten findest du bei dir selbst.
Einen Grossteil der Antworten findest du ausserhalb von dir.
Ich weiss, dass die meisten Leser im ersten Moment dem gerne widersprechen möchten. Vielleicht tatsächlich nicht aufgrund den tatsächlichen Ergebnissen persönlicher Erfahrungen, sondern weil wir glauben wollen, das sei so.
Und weil es immer wieder einem gesagt wurde.
“Die Antwort kennst nur du allein.”
“Schau in den Herz.”
“Du weisst selbst am besten, was gut für dich ist.”
“Die Wahrheit entdeckst du in dir drin.”
Womöglich steckt die Aura eines spirituellen Gedankens dahinter?
Wenn ich nur einen einzigen Beweis liefern sollte zu dieser These, dann der, dass die Menschen nie aufhören werden, Bücher zu kaufen und Seminare zu buchen, um …Antworten zu finden…auf ihre ganz persönlichen Fragen an das Leben.
Wenn wir also nur in uns gehen müssten und uns selbst die Fragen stellen, wieso finden wir oftmals so schwer die Antworten? Wir sind doch uns selbst am nächsten.
Es ist deswegen, weil andere Leute mehr wissen als wir.
Weil ‘draussen’ mehr Wissen existiert als ‘drinnen’.
Und von den Erfahrungen und Kenntnissen anderer können wir profitieren.
Von Pablo Picasso, von dem vielleicht einige denken mögen, er habe einfach mal den Pinsel in die Hand genommen und drauf los gemalt, wissen wir, dass er einer der Künstler war, der am meisten gelernt und unternommen hat, um seine Fertigkeiten zu vervollkommnen.

Konfuzius schrieb in einem seiner Bücher, er habe mal den ganzen Tag nichts gegessen und die ganze Nacht nicht geschlafen, um einzig und allein nur konzentriert nachzudenken, zu meditieren, und in sich nach Antworten zu suchen.
Aber er habe keinen Nutzen davon gehabt.
Er sagt, es wäre besser gewesen, er hätte in der Zeit andere Dinge untersucht und gelernt.
Es ist ein Missverständnis in der heutigen Welt, dass man meint, einfach nur in sich zu gehen, zu meditieren (lat.: meditatio = nachdenken, vorbereiten) und dann alle Antworten bei sich selbst findet.
Man kann sich auch durchaus die Frage stellen, von was die Menschheit mehr profitiert hat und durch was sie sich letzten Endes weiterentwickelt hat.
Von Menschen, die in sich gegangen sind — nachgedacht haben — oder von Menschen, die Dinge studiert haben, ihre Erfahrungen gemacht, etwas erfunden und entwickelt haben.
Ja, es gibt viele Ansichten, was Erfolg bedeutet. Erfolg ist nicht für alle das gleiche.

Es gibt Künstler, es gibt Entdecker, es gibt Wissenschaftler, Musiker, Sportler, es gibt Menschen, die finanziellen Reichtum angehäuft haben, wie Warren Buffet zum Beispiel.
Sie alle sind deswegen so erfolgreich geworden, weil sie mehr als andere ihre Kunst, den Markt, die Naturgesetze — auch Menschen — und vieles mehr studiert haben und so ihr Wissen vergrössert haben.
Und dann natürlich auch zur Tat geschritten sind.
Oder nehmen wir die Aldi Brüder. Es dürften wohl kaum noch andere Menschen in Europa existieren, die so dermaßen den Handel und neue Handelskonzepte studiert haben, wie Karl und Theo Albrecht.
Nicht in einem landläufigen Studium, sondern weil sie andere Leute beobachtet haben und dabei ihre eigenen Ideen entdeckt haben.
Oder Ikea. Ingvar Kamprad. Sein Studium: Möbel, Logistik und Handel.
Elon Musk. Sein Studium? Physik, Raumfahrt, erneuerbare Energien, Transportsysteme, Automotive, Computersysteme und er studierte sicher auch einiges über Investitionen. Und Menschen.
Haben er oder Ingvar oder Karl oder Theo das alles aus ihrem Inneren geschöpft?
Ich glaube nicht.
Aber klar ist auch, dass wir Antworten nicht an x-beliebigen Plätzen draussen finden.

Kennst du das Gefühl, wenn sich deine Gedanken im Kreise drehen? Wenn du ganz erschöpft bist vor lauter Gedanken? Nach Antworten in dir gesucht hast, aber es gaben sich keine zu erkennen?
Wenn deine Gedanken dich zermürben?
Das ist eine Gefahr beim zu viel Insichgehen.
Du kannst dich mit deinen eigenen Händen nicht beim Schopf packen und vorm Ertrinken retten.
Das soll nicht heissen, dass du dich nicht selbst aufraffen musst, und deine Entscheidungen zu treffen hast, um aus einem Schlamassel zu kommen, aber du brauchst von aussen Stimulanzien, die dich wieder stärken.
Und dir die Impulse geben, weiter zu machen.
Und letztendlich dein eigenes Ding zu machen.
Nicht wahr?
Die schlauesten Leute haben sich von aussen die Antworten auf ihre Fragen geholt.
Schlimm sind nur diejenigen, die mit dem Finger auf andere zeigen, wenn sie meinen, jemandem beim Klauen von Ideen erwischt zu haben und selbst ohne Tipps Dritter gar nicht weiterkämen.
Dabei kupfert doch jeder vom anderen ab. Der eine vom anderen — und umgekehrt.
Und das ist gar nicht mal so dumm. Und schlimm.
Der eine macht es nur eleganter als der andere.
Und manche machen es sogar ganz offensichtlich. Und verbessern das, woher sie ihren Impuls gewannen.

Lies doch einfach dazu das Buch:
Alles nur geklaut von Austin Kleon.
Wir dürfen nur eines nicht vergessen, wenn wir Antworten von aussen in unsere Ideen adaptieren.
Dass wir unseren eigenen Verstand benutzen.
P.S. lies mal ein Buch von Konfuzius.
Dieser Artikel stammt von Claudia Severin. Wenn du magst, verbinde dich mit ihr irgendwo in den Sozialen Medien. Von Zeit zu Zeit macht sie dort allerdings punktuelle Auszeiten.
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