Achtung Komfortzone! Wie das gezielte Ausbrechen aus der Filterblase zu neuen Ideen führt

“Heiligtum” Filterblase: Wie wohl fühlst du dich eigentlich in deiner eigenen kleinen Welt?

Wie bewusst ist man sich seiner eigenen Filterblase(n) eigentlich? Wie oft reflektiert man objektiv sein eigenes Verhalten? Und selbst wenn man sich vollkommen klar darüber ist, sich in bestimmten Bereichen tatsächlich in seiner eigens kreierten Blase zu befinden – ist das wirklich so schlimm?


Als ich genau diese Frage vor Kurzem auf Twitter stellte, bekam ich Antworten, die mir versicherten: Gewisse Filterblasen können durchaus auch gut sein. Ob es die persönliche Komfortzone ist oder ein bestimmtes Fachgebiet, auf dem man sich durch das Leben in der Blase ein echtes Expertenwissen angeeignet hat. Manche meiner eigenen Filterblasen mag ich auch — ich hege und pflege sie regelrecht. Dennoch ging ich bisher davon aus, die meisten würden sich Filterblasen bewusst versuchen zu widersetzen.

In meine Filterblase darf nicht jeder rein

Manchen Personen scheinen ihre persönlich erschaffenen Filterblasen jedoch nahezu heilig zu sein. Sie sind ein Synonym für einen erlesen Zirkel, zu dem nicht jeder Zutritt erhält.

Philipp Steuer sagte zum Beispiel neulich in einem Video: „Bisher hat es kein Politiker geschafft, sich in meine Filterblase rein zu sneaken.“

Zurück zu Twitter. Nach welchen Kriterien stellt ihr euch eure Timeline zusammen? Hand auf’s Herz! Folgt ihr Personen, die über die gleichen Themen twittern, wie ihr es tut? Oder folgt ihr auch Accounts, die zu völlig konträren Dingen posten? Gerade hier kreiert man sich (un)bewusst seine eigene kleine Blase.

Bei mir persönlich sieht es gar nicht anders aus, das muss ich zugeben. Es gibt gewisse Themen, die mich ganz besonders interessieren, beispielsweise Social Media. Ich habe das Gefühl, zum Thema Instagram jegliche existierenden Artikel bereits gelesen zu haben. Ob es Hacks zur Steigerung von Followern sind oder die abenteuerlichsten Spekulationen rund um den Algorithmus. Oft werde ich als „Instagram-Expertin“ oder „Queen of Instagram“ bezeichnet. Das ehrt mich natürlich sehr. Aber steckt man mich mit solchen Titeln nicht auch in eine Filterblase? Nur weil ich viel zum Thema Instagram zu sagen habe, habe ich nicht weniger zu Social Media im Allgemeinen beizutragen.

„Eine Welt, die aus dem Bekannten konstruiert ist, ist eine Welt, in der es nichts mehr zu lernen gibt […].“ — Eli Pariser, The Economist, 2011

Ich habe großen Spaß daran gefunden, ganz gezielt aus meinen eigenen Filterblasen auszubrechen, um neue Impulse zu erhalten. Denn genau hier sehe ich eine große Gefahr, die von Filterblasen ausgeht. Sie können wahre Inspirations-Killer sein. Wenn man sich immer nur mit den Themen beschäftigt, die einen interessieren, wird man selten auf neue Ideen kommen oder ganz frische Denkanstöße erlangen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung ist es jedoch wichtig, Dinge neu anzugehen und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Neue Ideen durch das gezielte Ausbrechen aus der Filterblase

Oft ist es mir nahezu unangenehm zuzugeben, dass ich gewissen Influencern oder YouTubern folge. Warum? Weil ich sowas von offensichtlich nicht zu deren Zielgruppe gehöre. Ein Beispiel? Schon seit Jahren verfolge ich den Weg von Diana zur Löwen, auch bekannt als dfashion. Diana ist Anfang 20 und berichtet ihren über 600.000 YouTube-Abonnenten von ihren Einkäufen aus der Drogerie oder gibt Modetipps. Nicht gerade die Themen, die mich in meiner Freizeit am dringlichsten interessieren. Sie studiert neben der YouTube-Sache BWL und hält hin und wieder Vorträge zum Thema Influencer Marketing. Ich betrachte Diana aber nicht als die YouTuberin, sondern vielmehr als Entrepreneurin und Jung-Unternehmerin. Vor diesem Hintergrund hat sie mich schon sehr oft inspiriert. So habe ich von ihr beispielsweise schon einige wertvolle Buchtipps zum Thema „Erfolg“, „Persönlichkeitsentwicklung“ und „Netzwerken“ erhalten. Der Blick über den Tellerrand meiner Filterblase hinaus hat sich dahingehend also total gelohnt.

Bleiben wir bei YouTube. Ihr kennt ihn sicherlich, Simon „Unge“ — den „Let´s Player“! Früher habe ich tatsächlich einige Jahre selbst sehr intensiv gezockt, doch war das noch lange bevor das Thema „Gaming“ auf YouTube groß wurde. Ich interessiere mich eigentlich gar nicht für Unges Content, denn ich spiele weder Minecraft, Battleground noch World of Warcraft. Was mich an ihm allerdings fasziniert ist die große Schlagkraft, mit der er sich erfolgreich seine Communities aufbaut. Auf YouTube sind es fast drei Millionen Abonnenten — eine „Zahl“, die sich manch anderer YouTuber nur erträumen kann. Und dennoch geht Simon aktuell einen neuen Weg und verlagert seinen Content — weg von YouTube hin auf die Gaming-Plattform Twitch. Zukünftig möchte er sich hauptsächlich auf Live-Streams fokussieren. Ich habe das Gefühl, hier findet eine Art Revolution statt, denn Live-Streams sind auch außerhalb der YouTube- und Gaming-Welt in aller Munde. Schaut euch nur die neuen Facebook- oder Instagram-Funktionen an. Diese Reise möchte ich unbedingt miterleben, auch wenn ich tatsächlich nicht zu Simons Zielgruppe gehöre.

Durch Zufall bin ich neulich auf einen Podcast von zwei Mode-Bloggerinnen gestoßen — Matcha Latte. Ich schaltete kurz ein und hörte den Berlinerinnen Lisa und Masha dabei zu, wie sie von ihrer Arbeit auf der Fashion-Week erzählten. Eigentlich war ich auf der Suche nach Podcasts zu Digitalisierungsthemen. Die passen nämlich viel besser in meine Filterblase. Fashion interessiert mich (wie bereits erwähnt) eher peripher. Doch plötzlich sprachen sie vom Manager Magazin-Artikel über Caro Daur. Dieser trägt den Titel „Daur-Werbesendung“ und sorgte nach Veröffentlichung für große Diskussionen rund um das Thema „Schleichwerbung“. Die Instagrammerin mit mehr als einer Million Followern wurde heftig kritisiert — unter anderem dafür, dass sie Fragen zu ihrem Gehalt nicht beantwortete. Sofort hatten Lisa und Masha meine Aufmerksamkeit, denn ich fand es sehr interessant zu hören, wie die beiden den Artikel bewerteten. Das machte die „ominöse“ Influencer-Szene greifbarer und realer. Seitdem höre ich immer mal wieder in diesen Podcast hinein und freue mich über Geschichten, die außerhalb meiner Filterblase stattfinden. Das inspiriert mich und bietet mir tatsächlich neue Denkanstöße.

Ich kann euch nur empfehlen: Schaut mal über den Tellerrand hinaus. Schnuppert die Luft außerhalb eurer Filterblase und lasst euch inspirieren. Von Themen, die völlig konträr zu eurem Interessensgebiet sind. Von Personen, deren Zielgruppe ihr so ganz und gar nicht seid.

Oft entdeckt ihr ungeahnte Schnittstellen und erhaltet wertvolle Impulse. Lasst neue Gedankengänge zu und übertragt sie auf eure tägliche Arbeit. Wer weiß, welche neuen Ideen plötzlich bei euch entfachen könnten.