Kapitel 3: Aus freien Stücken
Ich sprach bereits über die Meinungsbildung. Ich sprach bereits auch über die beeinflusste Meinungsbildung. Die Medien tragen einen großen Teil zur politischen Einstellung ihrer Konsumenten bei. Daher scheint folgende Frage wohl etwas unkonventionell für die meisten: Welche ist die beste Gesellschaftsform? Sie sind beeinflusst. Sie sind sogar sehr stark beeinflusst. Denn die Antwort auf die gestellte Hauptfrage wird Ihnen leichtfallen. Sie wird mit Ihrer Meinung und der Meinung Ihrer Informationsquellen übereinstimmen. Doch nehmen Sie an einem kleinen Experiment mit mir teil! Ich möchte nicht herausfinden, welche Meinung Sie oder Ihre Zeitungen haben. Ich will das grundsätzliche und natürliche herausfinden. Das, das dem Menschen wirklich in seiner Natur liegt. In seiner reinen, unbeeinflussten Natur. In einer Natur ohne Hass und Neid. Ohne Krieg und ohne Leid. Denn keiner kann diese Frage wohl richtig beantworten. Sobald man sich in einer Gesellschaftsform befindet, ist man beeinflusst. Positiv oder auch negativ. Stellen Sie sich vor, die Menschheit bekäme Besuch einer außerirdischen Lebensform. Eine Lebensform, die jenseits unserer Strukturen lebt. Jenseits unserer Wertvorstellungen. Diese Lebensform müsste nun entscheiden, welches der uns bekannten Gesellschaftssysteme das richtige oder das beste ist. Vielleicht entschieden sie sich für die Diktatur. Bloß nicht! So denken wohl nun viele. Doch nur, weil wir Teil der gegenwärtigen Gesellschaftsformen sind. Wir kennen Vor- und Nachteile unserer aktuellen Form. Uns wird immer wieder erzählt, was gut und was schlecht ist. Unsere Meinungsbildung kommt meist nur noch von außen. Haben Sie sich schon einmal Zuhause eingesperrt und sich ernsthaft Gedanken zu diesem Thema gemacht? Auch hier würde die Allgemeinheit wohl mit einem “Nein” antworten. Warum nicht? Weil es zu arbeitsaufwendig ist. Zu zeitintensiv. Zeit ist Geld, heißt es immer wieder. Und Geld ist Existenz. Derartige Denkaktionen sind gar nicht benötigt. Wozu auch? Sie haben ja bereits eine Antwort auf diese Frage durch Ihr Umfeld erhalten. Und das Wichtigste: Sie sind zufrieden damit! Zufrieden, mit Ihrer Familie und Ihrem Automobil. Mit Ihrem Gehalt, das Sie wie jeden Monat auf Ihr Konto überwiesen bekommen. Das ist ja auch keineswegs verwerflich. Von Ihrem Geld kaufen Sie sich Lebensmittel und Kleidung. Und vielleicht auch Luxusgüter. Und ihre Kinder und weitere Familienmitglieder wie Ehefrau oder -mann profitieren auch davon. Sie profitieren vom Gesellschaftssystem. Von Ihrer Zufriedenheit. Von Ihrem Automobil. Von Ihrer Wohnung. Und natürlich auch von Ihren gekauften Lebensmitteln, gekauften Kleidungsstücken und Luxusgütern. Sie bekommen diese Dinge meist ohne Gegenwert. Natürlich muss man im Haushalt mithelfen. Jeder hat so seine Aufgabe. Man soll den Müll wegbringen. Man soll beim Putzen mithelfen. Man soll kochen. Für derartige Aufgaben verteilen Sie allerdings kein Geld, um damit dann die besagten Lebensmittel von Ihnen zu kaufen. Im Endeffekt arbeiten Ihre Familienmitglieder zusammen mit Ihnen in Ihrem Lebensraum. Eine gerechte und gleichmäßige Verteilung der existentiellen und darüber hinausgreifenden Lebensmittel und Sachgüter geschieht. Aber wieso? Es gibt keine Regeln, die derartige Verhaltensweisen vorschreiben. Sie bekommen zwar Kindergeld, um Ihren Kindern das Nötigste zu kaufen. Alles in allem aber haben Sie freie Hand bei der finanziellen Verteilung Ihrer Mittel. Und wieso machen Sie das so? Was denken Sie sich dabei? Ist das das fairste System? Gleichmäßige Verteilung? Warum lassen Sie Ihre Kinder nicht einmal gegeneinander antreten? Wer mehr und besser putzt bekommt heute 5 Euro. Das Abendessen am heutigen Tag kostet auch 5 Euro. Das oder die Kinder, die verloren haben, essen heute Abend nichts. Was denken Sie über ein derartiges System in Ihrem Haushalt? Beantworten Sie sich diese Frage bitte selbst und unbefangen. Denken Sie nicht an andere Ihnen bekannte Gesellschaftssysteme. Denken Sie nicht an deren Vor(ur)teile oder Nachteile. Aus freien Stücken.