Kapitel 4: Gerecht verteilt?

Im letzten Kapitel sprach ich über Ihre Familie. Ihre Familie als gesellschaftliches Konstrukt. — Ich hoffe, Sie konnten die Ihnen gestellten Fragen frei und natürlich beantworten. — Ihre persönliche Kommune teilt Existenzgüter gerecht auf. Jeder bekommt genug. Ich sprach darüber, dass Ihre Kommunenmitglieder auch von Ihrem Lebensraum profitieren. Sie wohnen also durchschnittlich zusammen in einer Wohnung oder einem Haus. Vielleicht haben Sie das Haus geerbt. Vielleicht haben Sie die Wohnung gekauft. Vielleicht mieten Sie eines von beiden an. Stellen Sie sich vor, Sie würden nun eine Wohnung kaufen. Erinnern Sie sich an den Kauf Ihrer Immobilie. Leihen Sie sich Geld von einer Bank? Haben Sie alles in einem Stück gekauft? Es gibt viele Möglichkeiten an Geld zu gelangen. Sehr viele der in Deutschland lebenden Menschen können sich ohne viel Umstände Geld leihen. Es muss nicht einmal der Preis einer Immobilie erreicht werden. Von dem erhaltenen und gleichzeitig geliehenem Geld sind Sie in der Lage Dinge zu kaufen. Dinge, wie eine Wohnung, ein Haus oder ein Auto. Sie leihen sich Geld und verpflichten sich, zukünftig der leihenden Bank zuzuarbeiten. Die leihende Bank hat sich das Geld auch geliehen oder besitzt es. Dies spielt für uns keine Rolle. Die Möglichkeit an Geld zu gelangen, ist hier merkwürdiger¹. Die Mittel sind vorhanden. Es existiert also ein vorhandenes Kapital. Kapital, das herausgegeben werden kann. Vielleicht Kapital, das durch gegenwärtige Umstände nie ausgeschöpft ist. Haben Banken ein gewisses Kontingent? Würden Banken heutzutage ihre gesamten Kapitalanlagen leihen? Behalten Banken einen gewissen Teil ein, der nie berührt wird? Sie sind jedenfalls in der Lage plötzliches und direktes Geld zu generieren.
Lebensmittel und andere existentielle Güter können durch Geld erworben werden. Diese Güter sind somit gegen Geld finanziell austauschbar. Das genannte vermutlich unberührte Kapital ist damit auch äquivalent zu Lebensmitteln, genauer Nahrungsmittel. Banken könnten plötzliche Nahrungsmittel generieren. Existiert ein symbolischer “Brotberg”? Existiert ein symbolischer “Milchozean”? Existiert ein Überfluss an Lebensmitteln? Wie viel Nahrungsmittel haben Sie schon dem Müll hingegeben? Wie viel Nahrungsmittel davon befanden sich zu lange in Ihrem Besitz, sodass es verdarb? Sie können auch diese Fragen beantworten.

795 Millionen Menschen auf der Welt haben nicht genug zu essen.²

Daraus entstehen gesundheitliche Probleme. Daraus entsteht Tod. Menschen sterben aufgrund von Mangel an Nahrung. Zur selben Zeit leihen Sie sich Geld einer Bank. Einen Teil eines vorhandenen Kapitals. Einen Teil eines vorhanden “Brotbergs”? Einen Teil eines vorhandenen “Milchozeans”? Sterben Menschen am Fuße des besagten Berges? Sterben Menschen am Ufer des besagten Ozeans?
Natürlich, einige werden sagen, das Geld einer Bank gehöre zu großem Teil ihren Kunden. Kunden, die ihr Kapital der Bank anvertrauen. Diese Kunden hätten für ihr Geld gearbeitet und somit stehe es ihnen zu. Somit müsse die Bank einen gewissen Teil einbehalten. Die Sicherheit der Liquidität. Doch durch das gegenwärtige System haben wir einige Dinge gelernt. Dinge, die eine gute Zusammenfassung finanzieller Gegebenheiten symbolisieren. Dinge, wie der unaufhörliche Drang, Gewinn zu generieren. Ein Drang, vergleichbar mit nach Sonne strebendem Wachstumsdrang der Bäume eines Waldes. Ist davon auszugehen, dass Banken durch Zinsen Gewinn generieren? Der Sachverhalt der Prüfung Ihres finanziellen Status’ vor Ausgabe eines Kredits spricht für Gewinngenerierung. Ist dann auch davon auszugehen, dass Banken ein von Kunden unabhängiges Kapital besitzen? Dadurch symbolisch “Brotberge” und “Milchozeane”? “Nahrungslandschaften” unabhängig von der übersetzten Arbeitskraft der Kunden?
Banken sind hierbei nur ein Beispiel. Jegliches durchschnittliche Wirtschaftsunternehmen ist ebenfalls anzuprangern. Anzuprangern aufgrund von gleichen Verhaltensweisen. Aber sind Banken und Unternehmen die Schuldigen? Was würde eine Ausgabe an Lebensmitteln und gleichmäßige Verteilung bedeuten? Ein Rückgang des Wachstums bis hin zur Stagnierung. Eine Differenzenakzeptanz gegenüber anderer Banken oder Unternehmen. Somit nachteilhafter Standpunkt aus wirtschaftlicher Sicht. Nur eine gleichmäßige Abschöpfung über die gesamte Wirtschaft hinweg würde derartige Differenzen zwischen Konkurrenten ausschließen. Eine Abschöpfung des Kapitals könnte Lebens- und Nahrungsmittel äquivalieren. Solche Lösungen sind allerdings gegenwärtig systembedingt nur gesetzlich durchführbar. Gibt es Ansätze? Es gibt Steuern. Davon werden in Deutschland nur rund die Hälfte für soziale Zwecke benutzt. Sind derartige Steuerabgaben der Wirtschaft gegenüber gewinnhemmend? Wie viel des aus Steuern generierten Kapitals kommt von Konzernen und wie viel aus der Arbeiterklasse? Warum sind derartige Abschöpfmaßnahmen gesetzlich nicht verankert? Wieso werden tote, kranke und benachteiligte Menschen von Regierungen und Politikern akzeptiert?

Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.³

Bei dem vorliegenden Paragraphen handelt es sich um § 323c StGB. Unterlassene Hilfeleistung. Sind Tod, Krankheit und Benachteiligung Unglücksfälle oder Not? Ist die Ausgabe von vorhandenen Mitteln zur Vermeidung von Tod, Krankheit und Benachteiligung Hilfeleistung? Ist Hilfe bei bevorstehendem Tod erforderlich? Ist Hilfe zuzumuten? Abgeschöpfte Mittel seien ursprünglich dem Wachstum zugeschrieben. Ist Wachstum der Großkonzerne eine wichtige Pflicht derer? Stellt ein geringeres Wachstum eine Gefahr dar? Vor allem bei gleichmäßiger Wachstumsbremse gesamter Wirtschaftszweige? Ist unterlassene Hilfeleistung gleich dem Einbehalt vorliegender tot- und krankheitsumgehender Mittel? Sollten Regierungen und Endscheidungsträger der Politik angeklagt werden? Angeklagt, ihre Hilfeleistungen zur Umgehung von Tot und Krankheit unterlassen zu haben? Wieso erliegen Menschen dem Hungertod, wenn aus vorliegendem Kapital Nahrung generiert werden kann?

¹ Würdig sein, sich zu merken.
² http://de.wfp.org/hunger/hunger-statistik (28.11.2015, 01:45 Uhr)
³ http://dejure.org/gesetze/StGB/323c.html (28.11.2015, 02:00 Uhr)