Seriensucht: Der Bann der Serien und wie Du ihm noch heute entkommst!

Ich gestehe, ich bin ein Tu-nicht-gut.

Ich habe gesündigt. Ich habe Serien geguckt. Sehr viele Serien. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, wie ich bis in die Nacht Folge um Folge konsumiert habe.

Gerade in Phasen, in denen sonst nicht viel passiert, ist das Seriengucken immer eine willkommene Ablenkung vom tristen Alltag. In langen Klausurphasen habe ich manchmal schon die erste Sitcom vor der Müslischale beim Frühstück geguckt.

Bei einer guten Freundin war es noch krasser. Einmal sagte Sie zu mir: „Also wenn Donnerstags die neuen Folgen meiner Lieblingsserie kommen, kann ich leider nicht lernen. Es geht einfach nicht, auch wenn die Klausur Freitag ist!“

Ihr versteht sicher wovon ich rede, oder?

Ich frage mich:

  • Wie kommt es, dass Serien uns so in ihren Bann ziehen?
  • Ist das gefährlich?
  • Und was kannst Du dagegen tun?

1. Die dunkle Macht der Serienkultur:

Serien sind nicht das, was sie früher einmal waren. Man guckt sie nicht nur zu den Sendezeiten, man wartet nicht mehr eine Woche auf die nächste Folge.

Man begibt sich einfach in den Streamingdschungel, aus dem die meisten nur schwer wieder herausfinden.

Aber woher kommt diese Entwicklung in den letzten Jahren?

Das Ganze hat mehrere Gründe. Die Kurzversion:

  • neue Technologien ermöglichen quasi unendliches Streamen
  • der besondere Aufbau neuer Serien bewegt uns, immer weiter zu gucken

1. Streamingdienste A.K.A. „Die Büchse der Pandora

Heutiger Serienkonsum ist extrem günstig. Für weniger als zehn Euro im Monat können wir so viele Serien gucken wie wir wollen.

Und nicht nur das. Es wird uns auch noch extrem einfach gemacht. Wir können Sie auf jedem Gerät gucken, das es auf dem Markt gibt. Tag und Nacht.

Haben wir die Büchse der Pandora einmal geöffnet, gibt es kein Zurück mehr. Neue Folgen starten sofort nach dem Ende der letzten Folge. Die Entscheidung weiterzugucken wird Dir praktisch abgenommen.

Und gibt es mal keine neuen Folgen so schlägt das System einem sofort noch eine andere Serie vor, die Dir auch noch gefallen könnte. Die Auswahl scheint endlos!

2. Die neue synthetische Droge: Serien des 21. Jahrhunderts

Unabhängig vom Genre oder Autor einer neuen Serie haben alle einen gemeinsamen Nenner. Sie ziehen uns in ihren Bann. Und das ist Absicht.

Es geht hier aber nicht nur um den berühmten „Cliffhanger. Es geht um das Gesamtkonzept.

Was meine ich damit?

Ganz einfach, eine Serie läuft anders als ein Buch oder ein Film ab.

Eine moderne Serie ist wie ein Netz. Jeder Faden ist ein eigener Handlungsstrang. Alle laufen ineinander und verzweigen sich wieder. Aber nirgendwo finden wir das Ende der Handlung. Serien erreichen so einen Level an Komplexität, der das Gucken von einzelnen Folgen unmöglich macht.

Und wenn wir uns die Mühe gemacht haben von vorne anzufangen, wollen wir auch bis zum Ende weitergucken.

Das Netz hat uns gefangen.

Hier erfährst Du noch genauer, wie die Serienindustrie Stilmittel nutzt um uns festzuhalten.

Ähnlich sieht es mit den Charakteren aus. Sie machen die Serien aus. Wir identifizieren uns mit ihnen.

Ihr kennt auch sicher das Gefühl, wenn eine Serie zu Ende geht und einem klar wird, dass man den Lieblingscharakter fortan nun auch nicht mehr sehen wird: Man vermisst ihn.

Und hier kommt der wichtigste Faktor, der uns an Serien bindet: Emotionen.

3. Überdosis Emotion

„Wenn ich mir Serien ansehe, dann kann ich mir emotional und geistig nahezu alles holen, was ich in der Realität nicht besitze…“

Das hier schreibt ein Junge in einem Forum für hochsensible Menschen über seine Seriensucht.

Das trifft vielleicht nicht auf jeden zu. Klar. Aber zu einem gewissen Grad kann ich mich damit identifizieren.

Forscher haben festgestellt, dass wir öfter Serien schauen, wenn wir im echten Leben nicht klar kommen oder gelangweilt sind. Sie geben uns die Emotionen, die uns fehlen. Und zwar auf Knopfdruck. Ohne dass wir dafür arbeiten.

Diese bunte Welt der emotionalen Höhen und Tiefen steht im Kontrast zum grauen Alltag. Im echten Leben ist nun mal nicht jeder Tag eine Achterbahnfahrt. Ganz besonders nicht in den langen Monaten der Klausurvorbereitungen.

Serien helfen uns oft auch zu verdrängen, was gerade unangenehm ist. Zum Beipsiel die bevorstehende Klausur.

Aber wie gefährlich ist das für uns?

2. Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Einer Studie von Fox zufolge haben Seriengucker die selben Entzugserscheinungen wie Junkies. Es wird von Stresssymptomen, Schweißausbrüchen und weiteren Beschwerden berichtet.

Wie in diesem Artikel auch schon angedeutet, ist das vielleicht etwas übertrieben.Gesundheitliche Konsequenzen scheint es also nicht zwingend zu geben.

Aber was ist denn mit dem Rest von uns?

Andere Effekte sind denen bei Drogenkonsum durchaus ähnlich.

Serien rauben uns Zeit. Lebenszeit. Jede Minute, die Ihr vor einer Serie sitzt, bringt Euch … nichts! Ihr lernt nichts. Ihr pflegt keine sozialen Kontakte. Ihr geht keinen persönlichen Interessen nach.

„Naja, wie viel Zeit kann das schon sein!?“

Das will ich Euch sagen: Es gibt eine Website, die einem genau berechnet, wieviel Zeit seines Lebens man schon vor Serien gesessen hat.

Mein Ergebnis: 23 Tage und 5 Stunden. Erschreckend. Fast ein ganzen Monat Lebenszeit. Verschwendet.

Und nicht nur das: Nach dem Konsum einer Serie geht es uns meistens nicht einmal besser.

Im Forum schreibt ein Teilnehmer sehr treffend:

“Wenn ich dann alle verfügbaren Folgen der entsprechenden Serie angeschaut habe, fühle ich mich richtig leer, antriebslos, und habe Probleme, wieder in den Alltag zurückzufinden.”

Das Problem mit Serien liegt auf der Hand. Wir lösen unsere Probleme nicht. Wir schieben Sie auf. Deshalb fühlen wir uns danach auch nicht besser als vorher.

„Serien nutze ich Abends um abzuschalten, mal herunterzukommen.”

So habe ich meinen Konsum gerechtfertigt. Jedoch ist es ein Irrglaube, dass Du bei Serien entspannen kannst. Das lange Fernsehen macht die Augen und das Gehirn müde. Ungefähr so als würdest Du Deinen rauchenden Kopf nach einem langen Lerntag in die Mikrowelle stecken.

Und zu guter Letzt: Seriengucken macht asozial. Die Standardausrede kennt man ja:“Ich mache heute einen ruhigen Abend zuhause. Dann kann ich morgen früh durchstarten.”Und dann wird die halbe Nacht Serien geguckt.

Dabei wäre es für den nächsten Lerntag viel besser, ein paar schöne Stunden mit den Freunden zu verbringen. Das reduziert Deinen Stresslevel. Vorausgesetzt, man übertreibt es nicht.

Durch Serien wird die soziale Abschottung immer größer.

3. Wie befreie ich mich aus dem Netz der Serienspinne?

Als erstes kündigst Du Deinen Streaming-Dienst. Sofort.

Dann solltest Du dir klar machen, wie viel Zeit Du schon vergeudet hast. Nutze dazu Tiiime. Führe es dir immer wieder vor Augen, wenn Du das Verlangen verspürst. Denn diese 23 Tage verlorene Lebenszeit, haben mich oft genug davor bewahrt eine neue Serie zu beginnen. Die Seite speichert deine Eingaben.

Wenn Dir das noch nicht reicht. Und Du noch mitten in einer Serie steckst: Brich die goldene Serienregel. Spoiler Dich selbst. Lies das Ende auf Wikipedia nach. Wer hat schon Lust, eine Serie zu gucken, von der er das Ende kennt?

Guck Filme anstelle von Serien. Was soll das bringen? Ganz einfach. Filme fesseln dich genauso wie Serien und Du kannst dich genauso in die Charaktere hineindenken. Das Ganze allerdings für maximal 3 Stunden.

Hast Du all das geschafft und deinen Konsum auf eine paar gute Filme pro Monat zurückgeschraubt bist Du weit gekommen. Jetzt kommt der Sprung in die analoge Welt.

Fang an, Bücher zu lesen. Ich wette mit Dir, das ist neben Deinem Serienkonsum auf der Strecke geblieben. Ob Du es glaubst oder nicht: Bücher können dich genauso fesseln. Aber das Lesen ist eine deutlich entspannender für deinen Kopf.

Zu guter Letzt versuch Dein eigenes Leben mit Spannung zu füllen. Klar, es wird nie so bunt und rosig sein wie die Serienwelt. Denn diese ist nicht echt. Aber dafür sind es wahre Emotionen die Du selbst erlebst.

Die schönen Serienwelten sind dagegen nur erfunden. Und früher oder später musst Du sowieso in Deine eigene zurück. Wie die dann aussieht, das entscheidest alleine Du!

Was haltet Ihr von diesem Beitrag? Hat er euch geholfen? Habt ihr etwas vermisst? Gibt es vielleicht andere Zeitdiebe die euch noch mehr in euren Bann ziehen?


Original erschienen auf blog.scholario.de am 29. Januar 2016.

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