Getroffene Hunde bellen

Aus dem Nähkästen des Online Datings

Online Dating ist spannend. Manchmal. Manchmal ist es auch frustrierend. Oder gar skurril. Mit ein bisschen Online-Dating-Erfahrung im Gepäck wird es Zeit mal ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Für diejenigen, die mich nicht kennen — ich habe mittlerweile so ziemlich alle (kostenfreien oder die Basisversion) Dating-Plattformen getestet und bin immer wieder an einer hängen geblieben, die sich selbst als “Community für Sex und prickelde Erotik” bezeichnet. Warum? Lies doch einfach die anderen Artikel ;-)

Immer wieder treffe ich dort auf Mitgliederprofilen, die Hinweise erteilen, dass ein „niveauvoller“ Kontakt gewünscht sei. Ein „respektvolles Miteinander“ und vor allem eine „unkomplizierte und unverbindliche Freundschaft Plus“. Ja, aber was ist nun Freundschaft und was ist Plus? Und vor allem: wie ist die Gewichtung? An sich finde ich die Vorstellung eines Miteinanders, in dem es im Bett (und an allen anderen Orten) so richtig rummst und wir darüber hinaus miteinander reden können, einander vertrauen, ich mich mal ankuscheln und neben dir aufwachen kann — aber eben nicht muss — hervorragend. Und vor allem keine Rechenschaft abzulegen habe, wenn ich eben nicht mit zu Tante Irmas Geburtstag kommen, sondern lieber mit den Mädels einen saufen gehen möchte. Wenn ich nun nach den ersten Treffen feststelle, dass meine Nummer nur noch bei Überdruck gewählt wird, sind wir eher beim Konzept „Plus“.

Dem schließt sich dann die große Frage des wie-sage-ich-dass-ich-nicht-interessiert-bin an. To ghost or not to ghost? Sag ich’s einfach wie es ist oder spiele ich Strauß und stecke den Kopf in den Sand. Ich bin ja ein großer Fan von ersterem. Da kannste nen Haken an die Sache machen und es gibt keinen Raum für Spekulationen. Sieht leider nicht jeder so.

Am „liebsten“ sind mir jedoch immer noch die Herren, die meinen Ihr Geschlechtsteil sei so wunderschön, dass es der Frauenwelt auf gar keinen Fall vorenthalten werden darf. Nicht falsch verstehen, ich habe ja wirklich nichts gegen einen schönen Schwanz… am liebsten voll ausgefahren in meiner Hand mit einem ebenso ansehnlichen Rest-Kerl daran in meinem Bett. Aber ungefragt per privater Nachricht? Jaja, ich weiß schon, Sexplattform und so weiter… witzigerweise findet sich in den Profilen ebensolcher Herren gern mal der Wunsch nach „Niveau, Respekt und Diskretion“. Widerspruch, ick hör dir trapsen.

Gern erinnere ich mich an den nicht mehr ganz so jungen Mann aus Bochum, der mir ein Nacktfoto samt Hängebrust und erigiertem Geschlechtsteil zukommen ließ und auf meine Frage, warum er denn meine ich wolle das sehen, antwortete „Ich meine nicht, ich weiß es“. Aha! Weil er mir so ein schönes Bild schickte, entschied ich mich, ihm ein ebenso schönes zurückzuschicken. Das Internet bietet ja eine schier unerschöpfliche Fülle an Optionen. Wusstet Ihr, dass es eine Seite gibt, auf der „kostenlos Penis Fotos“ runtergeladen werden können? Sensationell. Nun, er fand meinen Penis gar nicht schön, sondern klein und krumm (offenbar stand es auch um die Sehkraft nicht mehr besonders gut, kommt vor im Alter) und schickte ein weiteres von sich. In der dazugehörigen Nachricht fanden sich zahlreiche Fehler. Ob die nun wie behauptet der Autokorrektur seines Handys geschuldet waren (saß er womöglich nebenbei am Steuer??) oder es einen anderen Grund gibt, sei dahingestellt. Sein beleidigter Kommentar auf meinen Hinweis, dass ich sein Gebaren als recht wenig respektvoll empfinde, verwies mich darauf, dass mein Bildungsstand dem seinen wohl kaum das Wasser „rüberreichen“ können. Außerdem hätte ich noch viel an meiner Figur zu tun, also mindestens 10 kg abzunehmen. Leider konnte ich ihn dann nicht mehr fragen, warum er mir dann überhaupt geschrieben hat — er hat mich blockiert.

Und dann gab es den jungen Mann, der mir ein Foto von sich selbst in Aktion hinter einer jungen Dame (die, zu seiner Verteidigung, nicht erkennbar war) schickte und im Anschluss dann sehr rücksichtvoll ergänzte „Ich hoffe, das war jetzt nicht zu forsch“.

Herzlich lachen hingehen konnte ich über das „Schwanzfoto“ einer Katze, welches mir mit einem Schmunzel-Smiley geschickt wurde. Danke, den Humor mag ich!

Aus aktuellem Anlass möchte ich noch den nackten Tiger erwähnen, der am liebsten „wie Gott ihn schuf“ durch die Wälder streift. Nein, ich beliebe nicht zu scherzen. Nachdem ich ihm freundlich mein Desinteresse mitgeteilt habe, sah er sich beflissen sein Bedauern darüber nicht „geil mit mir rumzufi****“ mit einem Nacktfoto zu ergänzen. Das heißt, fast nackt, denn er trug Schuhe, Socken und eine Batman-Maske. Mir als Batman-Fan seit frühester Kindheit tut das in der Seele weh. Was der Support des Betreibers davon hält, bleibt abzuwarten.

Mir stellt sich die Frage, werte Herren, warum ihr mich denn kontaktiert, sexy findet, unbedingt kennenlernen wollt etc…. wenn ich doch eigentlich gar nicht euer Typ bin, doch nicht so toll bin, mich nicht für unwiderstehlich halten soll und überhaupt erstmal Sport machen sollte, bevor ich jemanden Sportlichen suche (danke, Kleiner, für diesen Hinweis, jetzt kann ich endlich mal zielgerichtet loslegen). Bislang dachte ich, dass ständig-ohne-Warnung-die-Meinung-ändern ein ausschließlich weibliches Phänomen sei. Aber ich lerne gern dazu. Und bekanntlich sind es ja die getroffenen Hunde, die bellen.

Wenn doch alles so schrecklich ist, warum ist sie dann noch hier? Berechtigte Frage — es ist jedoch vielmehr so, dass dies zusammengetragene Ereignisse aus mehreren Jahren Online-Dating sind, die teils zeitlich sehr weit auseinanderliegen. Summa summarum macht’s mir dann ja doch Spaß!

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