Keep the courage & carry on! Hilfestellung für Selbständige im Corona-Chaos

Daniel Kruse
Mar 16 · 8 min read
Photo by Tim Gouw from Pexels

++ Letztmalig aktualisiert Sa 21.3. um 12 Uhr ++ Tolle, laufend aktualisierte Tipps bei Jimdo & Gründerlexikon s.u. ++ Diverse Hotlines geschaltet ++ Viele Möglichkeiten, um laufende Kosten zu bremsen++ Neues Leben im öffentlichen Dienst (!) beim Robert-Koch-Institut? Jetzt Containment Scout werden in Vollzeit für 6 Monate, 2.325 Euro Brutto ++

Hallo ihr Lieben,

was für eine Welt! Corona ist noch nicht mal auf dem Peak der Ansteckungen angelangt, aber die Weltwirtschaftskrise bricht schon herein. Das spüren sofort und hart jetzt viele Kleinbetriebe, Selbständige, Freiberufler.

Jedoch: Es rollt eine Welle der Solidarität und Sofortmaßnahmen! Dieser Artikel entstand Mitte letzter Woche und viel ist geschehen seitdem.

Ich möchte euch Mut zusprechen und praktische Tipps geben hinsichtlich Liquidität, Arbeitsschutz und Soli-Aktionen.

Beginnen wir mal mit dem Wichtigsten: Psychologische Stabilität ;-) (*Jumpscroll* für die ganz konkreten €-Tipps und Hilfen weiter unten)

  1. Handelt nicht aus Panik, Enge, Verzweiflung heraus

Sarkasmus taugt nicht lange und ein “Na, dann wupp ich das eben auch noch” ebenso wenig. Die Situation ist mies - das anzuerkennen ist erst mal ok. Aber wenn diese Gedanken im Körper ankommen - Stress, Enge, Gereiztheit - dann nehmt das wahr und befreit euch daraus! Wir treffen in diesem Zustand schlechte, engstirnige, unwürdige Entscheidungen. Auch wenn es in manchen Momenten düster aussieht - die Zukunft ist weder gut noch schlecht, sondern erstmal per se: Offen. Bei mir entstehen viele neue Netzwerke und auch große Schübe von Kreativität.

2. Atmen, Bewegen, Innehalten

Klaro: Es braucht einen Notfallplan, pragmatische Tipps folgen unten. Aber wenn gerade eh alles wackelt, kommt es auf einen Tag mehr auch nicht an. Runterkommen für kluge Entscheidungen ist wertvoller. Tut euch Gutes. Im akuten Fall: Mit dem Atem verbinden. Wem das zu Yogi ist: Yoga machen. Oder laufen. Liegestütze oder einfach ins Kissen schlagen. Was auch immer euer Ding ist, um im Körper wieder daheim zu sein. Ich habe zum Glück Wald vor der Tür. “Wenn du es eilig hast, gehe langsam” und wenn nichts klar ist, dann komm erst mal klar.

3. Wir können das!

Steter Wandel, Jonglieren mit Einkünften und Steuern, Erfolge feiern und Niederlagen nicht so hart nehmen. Mach dir jetzt keine Vorwürfe, dass du nicht auf Mami gehört hast und rechtzeitig in die sichere Festanstellung abgebogen bist. Du bist top, du bist risikoresilient, du bist kreativ und hast immer noch einen Weg gefunden! Selbstkritik ist jetzt das Letzte, was du brauchst. Die Suppe hast du nicht eingelöffelt, aber du wirst sie wie immer gut auslöffeln (Metapher verstolpert, aber ich lass das jetzt mal so :-).

4. Hilfe holen, Hilfe geben

Ich bin in die erste “Kita-zu-und-Aufträge-weg-Woche” gestartet mit Basics: Kontostand, offene Rechnungen, offene Aufträge klären, Übersicht schaffen. Außerdem Partner und Freunde anrufen, um Tipps und Zuspruch auszutauschen. Hol dir ein paar Anker ins Leben und s.o. lass dich nicht überrollen von (berechtigten) Sorgen. Zwei Bekannte sind erst mal in den Baumarkt los und Blumenerde holen: Gärtnern als natürliche Reaktion.

Hilf dir a) selbst zuerst, um stabil zu werden, b) lass dir helfen, frag z.B. Auftraggeber nach Vorschüssen und deine Oma nach Ersparnissen, das ist jetzt voll ok. Und c) weil alles eh verrückt und ein bisschen egal ist, verschenk deine (wertvolle) Zeit an Menschen, die es jetzt noch ärger brauchen, z.B. Einkäufe für Alte und jeglicher Support für Menschen im Gesundheitsdienst. Meine Kommune hat einen Helpdesk eingerichtet, Portale wie nachbarn.de richten Sonderseiten ein für direkte Hilfe Mensch zu Mensch. Wenn wir alle eine große Schippe Solidarität drauflegen, dann wird das am Ende ggf. noch als erfreuliche Erfahrung in unsere Geschichte eingehen.

5. Detox und Fokus

Super Artikel hier, aber schalt doch danach mal ab! Nach diversen Panikschüben komme ich jetzt wieder auf die Erde und in den Arbeitsmodus, wenn auch mit ganz neuer Haltung und Zielen. Vielleicht verschafft dir diese absurde Situation tatsächlich einen Kreativkick. “Befreit” vom Auftragsstress wirst du vlt. in dein lang gehegtes Traumprojekt zurückgeworfen oder legst dir endlich eine gescheite Akquise-Strategie für nach der Krise zurecht. Das füllt zunächst dein Konto nicht, aber führt vlt. in absehbarer Zukunft zu mehr Glück und Erfolg. Atme durch und vertrau dir!

Und: Es scheint immanent wichtig gerade jetzt immer den neuesten CoronAlarm mitzubekommen oder supergescheite Reflektionen über diesen Wake-up-Call für die Menschheit (I’ve been there) - aber das ist Medien- und Social-Media-Logik: Maschinen gebaut, um deine Zeit zu stehlen. Grenz dich gerade jetzt ab und schaff dir deine Blase von Fokus und echten Beziehungen, die dich stützen. Die Welt braucht nicht nicht noch mehr Tränen und Geschwafel, sondern deine kreative Gabe. Deinen Deepshit. Wann, wenn nicht jetzt?

Ok, das war jetzt mehr Menschel-Ratgeber als geplant. Falls du genau sowas aber gerade brauchst findest du hier einen noch besseren Artikel:

What To Do When You Don’t Know What’s Next”.

Und nun…

Butter-bei-die-Fische, wo finden wir konkret Hilfe & Info?

Save the Cash!

Der Berliner Senat setzt die “Soforthilfe II” als Landesprogramm in Höhe von insgesamt 100 Mio. Euro für das laufende Jahr um - bald (!) können konkrete Anträge bei der Investitionsbank Berlin gestellt werden (Stand 21.3.):

Das Programm ergänzt die Soforthilfe I, die auf kleine und mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten zielt. Die Soforthilfe II wendet sich an die besonders hart von der Corona-Krise getroffene Klein- und Kleinstunternehmen mit maximal fünf Beschäftigten sowie Freiberufler und Soloselbständige (…)Sie sollen schnell und mit geringem bürokratischem Aufwand Zuschüsse zur Sicherung ihrer beruflichen bzw. betrieblichen Existenz beantragen können (…) Es wird dringend gebeten, noch keine Förderanträge zu schicken. Informationen zu den Förderbedingungen, zu den Antragsformularen und zum Verfahren werden zeitnah auf der Website der IBB veröffentlicht.

Die Investitionsbank Brandenburg hingegen kündigt Zuschüsse zwischen 5.000 und 60.000 Euro an:

In der ILB werden jetzt alle Vorbereitungen getroffen, dass ab Mittwoch, 25. März 2020, Anträge für die Soforthilfe gestellt werden können. Zuwendungsempfänger sind Unternehmen und freiberufliche Tätige mit bis zu 100 Beschäftigten.

Auf den Seiten des Wirtschaftsministeriums Brandenburg gibt es eine weitere Corona-FAQ - achtet bitte darauf, die Beamten nicht verrückt zu machen mit verfrühten Fragen:

Erst mit dem Start des Programms (voraussichtlich 25. März 2020) werden die Anträge bearbeitet! Bitte wenden Sie sich ab Beginn des Programms an:

Tel: 0331–660 2211
beratung@ilb.de

StartNext bietet einen Shutdown-Sofortfonds, bislang sind dort vor allem Kulturprojekte, Kneipen, Theater etc. gelistet - meine Bewerbung als Privat-Aktivist ging aber auch durch (muss noch mein Profil aufpeppen ;-).

Die kfW-Bank vergibt Kredite an Freiberufler jetzt leichter. Aber bitte dreimal überlegen, ob ihr damit die Problemlage nur verschleppt.

Hotline des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für allgemeine wirtschaftsbezogene Fragen zum Coronavirus:
Telefon: 030 18615 1515 (Montag–Freitag, 9:00–17:00 Uhr)

…und zu Fördermaßnahmen: Telefon: 030 18615 8000 (Montag–Donnerstag, 9:00–16:00 Uhr)

Was noch relevant wäre: Mietminderungen & (private) Krankenkassenbeiträge senken, bitte bescheid geben, wer was davon hört!

News & Tipps

Tiptop: Die Redaktion Gründerlexikon aktualisiert laufend die Infos zu staatlicher Hilfe, Zuschüssen, Arbeitslosenversicherung, Umgang mit Finanzamt u.v.m. für Selbstständige, Freiberufler und Kleinunternehmer. Ich rufe zeitnah mein Finanzamt an zu:

> Anträge auf Herabsetzung oder Aussetzung laufender Vorauszahlungen zur Einkommenssteuer bzw. Körperschaftssteuer.

>Stundung fälliger Steuerzahlungen. Finanzämter können hier in Teilen oder Komplett auf die Stundenzinsen von 0,5% pro Monat verzichten, wobei das Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit durch die Epidemie belegen muss.

> Erlass von Säumniszuschlägen.

> Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen bis zum 31.12.2020.

Der Website-Builder Jimdo hat sich ebenso ins Zeug gelegt mit einer laufend aktualisierten Übersicht, dort gibt es inzwischen eine Übersicht von Support je nach Bundesland! Oder zentrale Hotline:

Für kleine Unternehmen hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aktuell eine Hotline eingerichtet, unter der ihr euch über die verschiedenen Möglichkeiten informieren könnt: 030/18615–1515, Mo-Fr., 9–17 Uhr.

Eine der vielen wunderbaren Pop-Up-Soli-Netzwerke heißt “Our Job To Be Done” (Facebook) und in diesem Wiki schließen sich Selbständige kurz mit hilfreichen Links, Google-Excels für akut Jobsuchende etc. Vor dort ganz wunderbar: Anwaltskanzlei Härting bietet eine kostenlose Beratung/Hotline:

Gebt uns per Mail an corona@haerting.de ein paar Stichworte, und wir rufen Euch täglich zwischen 12 und 18 Uhr zurück.

Familie

Ich selbst bin absurderweise durch (harmonische) Trennung und 50/50-Aufteilung in einer recht komfortablen Position. Wenn ihr in engen Berliner Buden aufeinanderhockt bzw. alleinerziehend seid, kann ich mir den Wahnsinn allerdings ausmalen… Gebt auf euch Acht, Family first!

Hier in aller Kürze nur die Hilfe vom Familienministerium, bin mir sicher, es gibt auch zu dem Thema viel Online-Support an allen Ecken!

Verbände

Der Verband der Gründer & Selbständigen bietet eine kostenlose Telko Dienstag 24.3., 16 Uhr, an: „Verhandlungssicher durch die Corona-Krise: Miete und stornierte Aufträge — wie spreche ich jetzt über Geld?“ Klingt ziemlich super & hands-on! Du musst dich dazu als Community-Mitglied (kostenlos) registrieren, ist ja ggf. ohnehin nicht schlecht in diesen Zeiten einzutreten…

Wenn ihr in der Künstlersozialkasse seid, könnt ihr eure monatlichen Beiträge für die Zukunft (nicht rückwirkend) herabsetzen:

Lässt sich die Schätzung des gemeldeten voraussichtlichen Jahresarbeitseinkommens im laufenden Jahr nicht verwirklichen, weil zum Beispiel Aufträge storniert werden, besteht jederzeit die Möglichkeit, der KSK die geänderte Einkommenserwartung zu melden. Die Beiträge werden auf Antrag den geänderten Verhältnissen angepasst (…) Bestehen akute Zahlungsschwierigkeiten können individuelle Zahlungserleichterungen gewährt werden. Hierzu folgen in Kürze weitere Informationen.

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (also nicht eben ein Künstlerkollektiv ;-) steht auch auf unserer Seite und forderte bereits am 16.3. einen Notfallfonds für Solo-Selbstständige und Kleinstunternehmen. Artikel dort: “Mit diesen Soforthilfen können viele Unternehmen in den nächsten Tagen rechnen”.

Ver.di äußert sich hier etwas umfangreich mit einer Reihe von Ideen, etwa die eigenen Angebote jetzt auf Webinar umzuschalten (wow!) oder Crowdfunding zu betreiben (ach!). Dort aber auch Infos zur korrekten Dokumentation von Ausfällen, die ggf. später erstattet werden könnten.

Petitionen Grundeinkommen

Die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens steht gefühlt vor dem bundesweiten Durchbruch in dieser unvergleichlichen Notlage. Wie ich das beobachte werden übergreifend die ikonischen 1.000€, no strings attached, für 6 Monate gefordert bei den meisten Petitenten/Verbänden. Zwei Petitionen machten den Anfang:

Die eine auf der Plattform Open Petition mit dem Zweck, Künstler & Freiberufler bei den angedachten Finanzhilfen der Regierung angemessen zu berücksichtigen (zurzeit bei fast 270.000 Stimmen):

Hilfen für Freiberufler und Künstler während des “#Corona-Shutdowns”

Diese 1. Petition verweist erfreulicherweise auf die 2. bei Change.org von der “Modedesignerin Tonia Merz mit 5 Angestellten”:

Mit dem BGE durch die Coronakrise (zurzeit 340.000 Stimmen)

Ich hatte die Petition auf den 1. Blick inhaltlich etwas dünn wahrgenommen, allerdings dann schnell den Support der von mir geschätzten Kampagne “Mein Grundeinkommen” gesehen, der Initiator Micha Bohmeyer erklärt hier schön die Details der BGE-Vision. Die SZ schrieb ein kurzes Porträt zu Tonia Merz und ihrer Petition.

Der Schriftstellerverband PEN, der Deutsche Kulturrat und der Deutsche Musikrat springen hier auf, Generalsekretär Prof. Christian Höppner erklärt: „Der DMR fordert ein auf sechs Monate befristetes Grundeinkommen in Höhe von € 1.000 für alle freiberuflichen Kreativschaffenden.” Vollständige Erklärung + Umfrage hier.

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Also dann, wir sitzen im selben Boot, lasst uns rudern!

Seid solidarisch und steckt den Kopf nicht in den Sand.

PS: Ich freue mich, in diesen Artikel für mich und euch investiert zu haben — jetzt muss ich erst mal selbst ran an die Tipps, eine Aktualisierung wird es also nicht mehr geben. Wer die Infos weiterverbreiten, anders medialisieren oder sonst wie nutzen mag - go ahead!

Daniel Kruse

Written by

A dad’s journey through maybe the last decade of humanity. Climate Crisis Firefighter. Stop flying, eat plants, get political! Twitter/LinkedIN: dkomm

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