Photo by Evan Dennis on Unsplash

#answers

Thorsten Beck hat über seinen Blog museum beck.stage zu einer Blogparade mit dem Thema “Wie digital sollten Museen sein?” eingeladen.

So ein Thema ist für mich natürlich eine Steilvorlage und ich würde gerne die Fragen, die Thorsten Beck gestellt hat, hier beantworten.

Aber man verzeihe mir, wenn ich manchmal vielleicht etwas… ach lest selber, ich schreibe hier mehr aus der Perspektive des Digitalen/Produktmanagers.

1. Welche digitalen Angebote sollte jedes Museum machen?

Die, die es machen kann, und die, die es machen will. Ich bin inzwischen der Meinung, dass ein Museum sich ruhig der Digitalisierung entziehen kann. Vor allem bin ich der Meinung, dass man vom “digitalen Rundumschlag” absehen soll. Das sieht zwar immer noch schön in jeder Digitalen Strategie aus, aber wenn es an der Logistik und der “Taktik” hinter der Strategie fehlt, kann man seine Strategie an die Wand tackern und drüber streichen.

Meine Maxime: “ Macht was ihr wollt, aber macht es richtig”

2. Sind Museen ohne digitale Angebote heute noch wettbewerbsfähig?

Vielleicht sollten wir zuerst die Frage nach dem Wettbewerb klären. In welchem Wettbewerbs-Verhältnis steht ein Museum denn? Was ist denn da noch?

Andere Museen? Netflix? Amazon Prime? Das Kino? Wikipedia?
Diese Liste wird schnell lang.

Meiner Meinung nach hat jedes Museum mehrere Alleinstellungsmerkmale, aber für mich würde das digitale Angebot nur sekundär, wenn nicht sogar tertiär sein. Kein digitales Angebot ersetzt jemals eine Sammlung, eine Ausstellung, einen Standort oder eine museales Konzept. Ein digitales Angebot kann diese nur ergänzen.

3. Was macht ein überzeugendes digitales Profil aus?

Das gibt es nicht. Wirklich, es gibt kein überzeugendes digitales Profil. Im Endeffekt ist das eigentlich immer nur eine Visitenkarte nach Außen. Ich will es mal so sagen: ein digitales Profil sollte extern das widerspiegeln, was man intern anbieten kann. Der Besucher/Nutzer des digitalen Profils soll ja letztendlich auch mal den Weg ins Museum finden.

Hier ist die Crux: Im Marketing kann man alles immer so aussehen lassen, dass es glitzert, schön ist und “Wow!” — dahinter muss aber ein Produkt stehen,welches genau dieses Versprechen hält. Keine überzeugende Leistung, keine wiederkehrender Nutzer.

Und wenn wir bei Nutzer sind, dann sind wir auch bei Zielgruppen. In das Kennenlernen der Zielgruppen sollte man schon viel Zeit investieren; das ist für Start-ups wie Grown-ups schwierig und braucht auch mal Trial & Error — eine ehrlich und offene “Fail-Culture”. Wie soll ein Museum das so schnell hinkriegen?

Auch hier ist es für mich wieder die Maxime: “Macht was ihr wollt, aber macht es richtig”.

4. Wie stellst Du Dir das digitale Museum der Zukunft vor?

Ganz ehrlich: wenn der Strom ausfällt, dann kann man ein Museum noch im Licht einer Kerze erkunden. Das digitale Museum der Zukunft, so wie ich es bauen würde, wäre immer noch ein Gebäude. Aber es wäre nicht nur an diesen einen Ort gebunden, sondern würde einen Teil seiner Ausstellungen, Sammlungen und Führungen in den digitalen und analogen Raum auslagern — sich nicht nur darauf versteifen, eine Adresse zu sein. So würde ich die Menschen auch an die Idee “Museum” binden, indem ich sie da mit dieser Idee konfrontiere, wo sie sich aufhalten.

Durch analoge wie digitale Angebote vor Ort — mein Lieblings-Gedanke ist immer noch die Idee des Co-Working im Museum und die intelligente Vernetzung der Sammlungensbestände (ein Museum Internet of Objects) — würde ich es zu einem Ort der Begegnung machen. Da wo sich dann das Analoge und Digitale treffen können,wo die Menschen beides erleben können.

Denn Museen, egal wie digital und analog, sind immer noch ein Teil der Gesellschaft, die sie umgibt. Ohne diese Gesellschaft wären sie leere Orte— egal ob Stadtmuseen oder Kunstmuseen oder was auch immer das Label ist.

Merci!