Das bullische Argument für Bitcoin

Daniel Schnurr
May 14 · 39 min read

Vijay Boyapati

Aus dem Englischen übersetzt von Simon Lutz, Arlene Roa Aillaud und Daniel Schnurr.

Angesichts des Preises eines bitcoins, der 2017 neue Höchststände erreicht hat, könnte ein bullisches Szenario für Investoren so offensichtlich erscheinen, dass man es nicht grundlegend in Frage stellen müsste. Andererseits mag es dümmlich erscheinen, in einen digitalen Vermögenswert zu investieren, der weder durch einen physischen Gegenstand oder eine Regierung gedeckt wird und dessen Preisanstieg einige dazu veranlasst hat, ihn mit der Tulpenmanie oder der Dotcom-Blase zu vergleichen. Keines von beidem ist wahr. Das bullische Argument für Bitcoin ist überzeugend, aber keineswegs offensichtlich. Ein Investment in Bitcoin birgt erhebliche Risiken aber auch enorme Chancen.

Entstehungsgeschichte

Niemals zuvor in der Weltgeschichte war es möglich, Werte zwischen entfernten Völkern zu transferieren, ohne sich dabei auf einen vertrauenswürdigen Mittelsmann wie eine Bank oder Regierung zu verlassen. Im Jahr 2008 veröffentlichte Satoshi Nakamoto, dessen Identität bis heute ungeklärt ist, eine 9-seitige Lösung für ein langjähriges Problem der Informatik, bekannt als byzantinischer Fehler. Die Lösung von Nakamoto und das von ihm entwickelte System — Bitcoin — ermöglichten es erstmals, einen Wert schnell aus großer Entfernung und völlig zuverlässig zu übertragen. Die Auswirkungen der Erfindung von Bitcoin sind sowohl für die Wirtschaft als auch für die Informatik enorm tiefgreifend. Nakamoto sollte zu Recht die erste Person sein , die sich sowohl für den Nobelpreis für Wirtschaft als auch für den Turing Award qualifiziert.

Für einen Investor ist das Wichtigste an der Erfindung von Bitcoin die Entstehung eines neuen begrenzt verfügbaren digitalen Gutes. Bitcoins sind übertragbare digitale Token, die im Bitcoin-Netzwerk in einem Prozess erstellt werden, der als “Mining” bezeichnet wird. Das Mining ist in etwa analog zum Goldbergbau, nur dass die Produktion nach einem festgelegten, vorhersehbaren Zeitplan erfolgt. Die maximale Anzahl an Bitcoin beträgt 21 Millionen und die meisten davon wurden bereits in Umlauf gebracht — zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels waren es etwa 16,8 Millionen bitcoins. Alle vier Jahre wird die Anzahl der durch Mining erzeugten bitcoins halbiert und die Produktion neuer bitcoins wird im Jahr 2140 vollständig beendet.

Bitcoins sind weder eine physische Ware, noch werden sie von einer Regierung oder einem Unternehmen in irgendeiner Form garantiert. Dies wirft die offensichtliche Frage für einen neuen Bitcoin-Investor auf: Warum haben sie überhaupt einen Wert? Im Gegensatz zu Aktien, Anleihen, Immobilien oder sogar Rohstoffen wie Öl und Weizen können bitcoins nicht mit Hilfe eines klassischen Discounted cash flow models oder nach der Nachfrage für ihre Verwendung bei der Produktion von Waren bewertet werden. Bitcoins fallen in eine ganz andere Kategorie von Gütern, die sogenannten monetären Güter, deren Wert spieltheoretisch festgelegt wird. Dies bedeutet jeder Marktteilnehmer bewertet das Gut anhand seiner Einschätzung, ob und wie viel andere Teilnehmer es wertschätzen werden. Um die spieltheoretische Natur von monetären Gütern zu verstehen, müssen wir dem Ursprung von Geld auf den Grund gehen.

Der Ursprung von Geld

In den ersten menschlichen Gesellschaften erfolgte der Handel zwischen Gruppen von Menschen durch Tauschhandel. Die unglaublichen Ineffizienzen, die dem Tauschhandel innewohnen, haben das Ausmaß und den geografischen Umfang, in dem der Handel stattfinden konnte, drastisch eingeschränkt. Ein großer Nachteil beim Tauschhandel ist, dass er eine doppelte Übereinstimmung der Bedürfnisse zwingend erfordert. Wenn beispielsweise ein Apfelbauer mit einem Fischer Handel treiben will und dieser jedoch keine Äpfel haben möchte, kommt kein Tauschgeschäft zustande. Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Bedürfnis der Menschen, bestimmte Sammlerstücke wegen ihrer Seltenheit und ihres symbolischen Wertes (Beispiele sind Muscheln, Tierzähne und Feuersteine) aufzubewahren. Tatsächlich, wie Nick Szabo in seinem brillanten Essay über die Ursprünge des Geldes argumentiert, bot das menschliche Verlangen nach Sammlerstücken dem frühen Menschen einen deutlichen evolutionären Vorteil gegenüber seinem nächsten biologischen Konkurrenten, dem Neandertaler.

Die primäre und ultimative evolutionäre Funktion von Sammlerstücken galt als Medium für die Speicherung und Übertragung von Vermögen.

Sammlerstücke dienten als eine Art primitives Geld, indem sie den Handel zwischen ansonsten eher feindlich gesinnten Stämmen und den Transfer von Vermögen über Generationen hin ermöglichten. Handel und Transfer von Sammlerstücken waren in paläolithischen Gesellschaften recht selten und diese Waren dienten eher zur “Wertaufbewahrung” statt als “Tauschmittel”, was als Funktion von modernem Geld angesehen wird. Szabo erklärt es so:

Im Vergleich zu modernem Geld hatte primitives Geld eine sehr geringe Umlaufgeschwindigkeit — oftmals hat es nur einige Male im Leben eines durchschnittlichen Menschen den Besitzer gewechselt. Dennoch konnte ein langlebiges Sammlerstück, das wir heutzutage Erbstück nennen würden, über viele Generationen bestehen bleiben und bei jedem Transfer einen erheblichen Mehrwert darstellen — oft sogar den Transfer überhaupt erst ermöglichen.

Der frühe Mensch stand vor einem wichtigen spieltheoretischen Dilemma, als er sich entscheiden musste, welche Sammlerstücke er sammeln oder erschaffen sollte: Welche Waren werden auch von anderen Menschen zukünftig nachgefragt? Das korrekte antizipieren von Waren, welche wegen ihrem Sammlerwert zukünftig nachgefragt werden, brachte dem Besitzer einen enormen Vorteil beim Handel, sowie auch beim Aufbau von Wohlstand. Einige indianische Stämme, wie die Narragansetts, haben sich nur wegen ihres Wertes im Handel auf die Herstellung von ansonsten nutzlosen Sammlerstücken spezialisiert. Umso früher ein Mensch die zukünftige Nachfrage für ein Sammlerstück antizipiert, desto grösser ist sein Vorteil, da es günstig erworben werden kann, verglichen mit dem hohen Preis den das Sammlerstück erlangen wird. Der hohe Preis für das Sammlerstück entsteht während es sich als Wertaufbewahrungsmittel und Handelsgut etabliert und von der Allgemeinheit nachgefragt wird.

Darüber hinaus beschleunigt der Erwerb eines Gutes in der Hoffnung, dass es als zukünftiger Wertspeicher dienen wird den Prozess tatsächlich ein Wertspeicher zu werden. Dieser Prozess wirkt wie eine Feedback Schleife, welche dazu führt, dass eine Gesellschaft sich relativ schnell für einen gemeinsamen Wertspeicher entscheidet. Spieltheoretisch wird dies als “Nash-Gleichgewicht” bezeichnet. Das Erreichen eines Nash-Gleichgewichts für einen Wertspeicher ist ein wahrer Segen für jede Gesellschaft. Es erleichtert den Handel und die Arbeitsteilung erheblich und ebnet damit den Weg für die Entstehung von Zivilisation.

Im Laufe der Jahrtausende, als die menschlichen Gesellschaften wuchsen und sich Handelsrouten entwickelten, kamen die in den einzelnen Gesellschaften entstandenen Wertspeicher in Konkurrenz zueinander. Händler standen vor der Wahl, ob sie die Erlöse ihres Handels im Wertspeicher ihrer eigenen Gesellschaft oder im Wertspeicher der Gesellschaft, mit der sie Handel trieben oder in einer Mischung aus beidem aufbewahren sollten. Der Vorteil ausländische Wertspeicher zu besitzen war die verbesserte Fähigkeit, Handel in ausländischen Gesellschaften abzuschließen. Händler, die ihr Erspartes in einem ausländischen Wertspeicher besaßen, hatten auch einen Anreiz, die Übernahme des ausländischen Wertspeichers in ihrer eigenen Gesellschaft zu fördern, da dies die Kaufkraft ihrer Ersparnisse erhöhen würde. Die Vorteile eines importierten Wertspeichers kamen nicht nur den Händlern zugute die den Import durchführten, sondern auch den Gesellschaften selbst. Zwei Gesellschaften, die sich auf einen einzigen Wertspeicher einigten, erlebten eine erhebliche Reduktion der Handelskosten und einen damit einhergehenden Anstieg des handelsbezogenen Vermögens. Das 19. Jahrhundert war in der Tat das erste Mal, dass sich die meisten Länder der Welt auf einen einzigen Wertspeicher, nämlich Gold einigten. Das löste den zu dieser Zeit größten Handelsboom der Menschheitsgeschichte aus. Über diese glorreiche Zeit, schrieb Lord Keynes:

Was für eine außergewöhnliche Episode im wirtschaftlichen Fortschritt des Menschen dieses Zeitalter war…. für jeden Mann von Kapazität oder Charakter, der überhaupt über den Durchschnitt hinausgeht, das bedeutet die Mitglieder der Mittel- und Oberschicht, hatte das Leben zu einem niedrigen Preis und nur mit der geringsten Mühe, Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten jenseits des Lebensstandards der reichsten und mächtigsten Monarchen anderer Zeitalter zu bieten. Der Londoner konnte während er seinen Morgentee im Bett schlürfte, telefonisch verschiedene Produkte der ganzen Erde, in der Menge die er für richtig hält bestellen und eine schnelle Lieferung vor seine Haustür erwarten.

Die Eigenschaften eines guten Wertspeichers

Wenn verschiedene Wertspeicher gegeneinander im Wettbewerb stehen, sind es die Charakteristiken eines Wertspeichers, welche dazu führen, dass er sich gegen einen anderen durchsetzt. Viele verschiedene Güter haben schon als Wertspeicher oder als primitives Geld gedient, wobei sich jedoch Güter mit ganz besonderen Eigenschaften gegenüber anderen durchgesetzt haben. Ein idealer Wertspeicher kann wie folgt beschrieben werden:

  • Langlebig: Die Ware darf nicht verderblich oder leicht zu vernichten sein. Weizen ist also kein idealer Wertspeicher.
  • Mobil: Die Ware muss leicht zu transportieren und zu lagern sein, damit sie vor Verlust oder Diebstahl geschützt werden kann und den Fernhandel erleichtert. Eine Kuh ist daher weniger ideal als ein Goldarmband.
  • Fungibel (Austauschbar): Die Einheit eines Gutes sollte jeder anderen Einheit gleichen und damit austauschbar sein. Ohne diese Austauschbarkeit bleibt das Problem der Übereinstimmung der Bedürfnisse ungelöst. Somit ist Gold besser als Diamanten, welche unregelmäßig in Form und Qualität sind.
  • Überprüfbar (Verifizierbar): Die Ware muss leicht zu identifizieren und schnell als authentisch verifizierbar sein. Eine einfache Überprüfung erhöht das Vertrauen des Empfängers in den Handel und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Handel abgeschlossen wird.
  • Zerteilbar: Das Gut muss leicht teilbar sein. Während dieses Attribut in frühen Gesellschaften mit geringem Handelsvolumen weniger wichtig war, wurde es mit dem Aufschwung des Handels immer wichtiger, da die ausgetauschten Mengen kleiner und genauer wurden.
  • Selten: Eine monetäres Gut muss nach Nick Szabo “fälschungsresistente Kostbarkeit” besitzen. Oder in anderen Worten, das Gut darf nicht reichlich vorhanden, einfach zu erhalten oder einfach zu produzieren sein. Seltenheit ist wahrscheinlich die wichtigste Eigenschaft eines Wertspeichers, weil es auf das angeborene menschliche Bedürfnis abzielt seltene Güter zu sammeln. Aus diesem angeborenen Bedürfnis leitet sich der ursprüngliche Wert eines Wertspeichers ab.
  • Etablierte Geschichte: Je länger das Gut von der Gesellschaft als wertvoll wahrgenommen wird, desto größer ist seine Attraktivität als Wertaufbewahrungsmittel. Ein schon lange etablierter Wertspeicher wird schwer durch einen neu Aufkommenden zu ersetzen sein, außer er wird mit Gewalt verdrängt oder der neue Wertspeicher besitzt signifikante Vorteile, bei den oben aufgelisteten Eigenschaften.
  • Zensurresistent: Ein neues Attribut ist Zensurresistenz, welches in unserer modernen digitalen Gesellschaft mit allgegenwärtiger Überwachung immer wichtiger geworden ist. Der Grad an Zensurresistenz gibt an, wie schwierig es für eine externe Partei wie ein Unternehmen oder einen Staat ist, den Eigentümer der Ware daran zu hindern, sie zu behalten und zu verwenden. Zensurresistente Waren sind ideal für Bürger, welche unter Regimen leben, die versuchen mit Kapitalkontrollen und anderen Maßnahmen den freien Handel einzuschränken.

Die folgende Tabelle stuft Bitcoin, Gold und Fiat-Geld (z.B. Dollar) gegenüber den oben aufgeführten Attributen ein und wird von einer Erläuterung jeder Note gefolgt:

Langlebigkeit:

Gold ist der unbestrittene König der Haltbarkeit. Die überwiegende Mehrheit des jemals abgebaut oder geprägten Goldes, einschließlich des Goldes der Pharaonen, ist heute noch vorhanden und wird wahrscheinlich noch in tausend Jahren verfügbar sein. Goldmünzen, die in der Antike als Geld verwendet wurden, haben auch heute noch einen hohen Wert. Fiat-Währung und bitcoins sind grundsätzlich digitale Aufzeichnungen, die physische Form annehmen können (z.B. Papierrechnungen). So ist es nicht ihre physische Manifestation, deren Haltbarkeit berücksichtigt werden sollte (da ein zerfledderter Dollar-Schein gegen einen neuen getauscht werden kann), sondern die Haltbarkeit der Institution, die sie ausstellt. Im Falle von Fiat-Währungen sind viele Regierungen im Laufe der Jahrhunderte gekommen und gegangen und ihre Währungen sind mit ihnen verschwunden. Die Papiermark, Rentenmark und Reichsmark der Weimarer Republik haben keinen Wert mehr, da die Institution, die sie ausgegeben hat, nicht mehr existiert. Wenn die Geschichte ein Leitfaden ist, wäre es töricht, Fiat-Währungen als langfristig haltbar zu betrachten — der US-Dollar und das Britische Pfund repräsentieren in dieser Hinsicht nicht die Norm. Da bitcoins keinen Herausgeber haben, sind sie langlebig solange das global verteilte Bitcoin-Netzwerk aufrecht erhalten bleibt. Bitcoin steckt noch in den Kinderschuhen, damit ist es noch zu früh um aussagekräftige Schlüsse über dessen Langlebigkeit zu ziehen. Es ist jedoch ein ermutigendes Anzeichen, dass das Netzwerk trotz regulierungswütigen Nationalstaaten und jahrelangen Hackerangriffen einwandfrei funktioniert. Dies deutet auf ein bemerkenswertes Maß an “Anti-Fragilität” hin.

Mobilität:

Bitcoin ist der mobilste je von Menschen benutzte Wertspeicher. Private Schlüssel mit Zugriff auf hunderte Millionen von Dollar sind auf einem winzigen USB-Stick speicherbar und können überallhin mitgenommen werden. Darüber hinaus können solch hohe Summen zwischen Menschen an gegenüberliegenden Enden der Erde nahezu sofort übertragen werden. Fiat-Währungen, die grundsätzlich digital sind, sind ebenfalls sehr leicht zu transferieren. Regierungsvorschriften und Kapitalkontrollen führen jedoch dazu, dass die Überweisung von hohen Geldbeträgen in der Regel Tage dauert oder gar nicht möglich ist. Bargeld kann verwendet werden, um Kapitalkontrollen zu vermeiden, aber dann werden das Risiko der Lagerung und die Transportkosten erheblich. Gold, das unglaublich dicht ist, ist bei weitem am wenigsten leicht zu transferieren. Es ist kein Wunder, dass der Großteil des Goldes nie transportiert wird. Wenn das Edelmetall zwischen einem Käufer und einem Verkäufer übertragen wird, ist es in der Regel nur das Eigentum am Gold das übertragen wird, nicht das physische Edelmetall selbst. Die Übertragung von physischem Gold über große Entfernungen ist kostspielig, riskant und zeitaufwändig.

Fungibilität (Austauschbarkeit):

Gold ist der Maßstab für die Fungibilität. Nach dem Einschmelzen ist eine Unze Gold im Wesentlichen nicht von einer anderen Unze zu unterscheiden und Gold wurde schon immer auf diese Weise auf dem Markt gehandelt. Fiat-Währungen hingegen sind nur so fungibel, wie es die emittierenden Institute zulassen. Auch wenn eine Fiat-Banknote in der Regel von Händlern, wie jede andere behandelt wird, gibt es Fälle, in denen große Stückelungen anders behandelt wurden als kleine. Zum Beispiel hat die indische Regierung im Versuch den unbesteuerten Schwarzmarkt Indiens auszurotten, ihre 500 und 1000 Rupien-Banknoten vollständig demonetisiert. Die Demonetisierung führte dazu, dass die 500 und 1000 Rupien-Banknote mit einem Abschlag auf ihren Nennwert gehandelt wurden. Sie sind somit nicht mehr wirklich fungibel mit ihren Geschwisternoten niedrigerer Stückelung. Bitcoins sind auf Netzwerkebene fungibel, d.h. jeder bitcoin wird bei der Übertragung im Bitcoin-Netzwerk gleich behandelt. Da bitcoins jedoch auf der Blockchain rückverfolgbar sind, können bestimmte bitcoins durch ihre Verwendung im illegalen Handel verunreinigt werden. Händler oder Börsen können gezwungen werden, solche verunreinigten bitcoins nicht zu akzeptieren. Ohne Verbesserungen der Privatsphäre und Anonymität des Netzwerkprotokolls von Bitcoin, können bitcoins nicht als genauso fungibel wie Gold angesehen werden.

Überprüfbarkeit (Verifizierbarkeit):

Für die meisten Zwecke sind sowohl Fiat-Währungen als auch Gold relativ einfach auf ihre Echtheit zu überprüfen. Trotz der Bereitstellung von Merkmalen auf ihren Banknoten zur Verhinderung von Fälschungen sehen sich Nationalstaaten und ihre Bürger nach wie vor mit der Möglichkeit konfrontiert, durch Falschgeld betrogen zu werden. Auch Gold ist nicht immun gegen Fälschungen. Raffinierte Kriminelle haben vergoldetes Wolfram als Mittel benutzt, um Goldinvestoren zu täuschen. Bitcoins hingegen können mit mathematischer Sicherheit verifiziert werden. Mit kryptographischen Signaturen kann der Besitzer eines bitcoins öffentlich beweisen, dass er die bitcoins tatsächlich besitzt.

Zerteilbarkeit:

Bitcoins können bis zu einem Hundert Millionstel eines bitcoins aufgeteilt und so in winzigen Mengen versendet werden (Netzgebühren können jedoch die Übertragung winziger Mengen unwirtschaftlich machen). Fiat-Währungen sind in der Regel bis zu einem Wert teilbar wie zum Beispiel ein Cent, der wenig Kaufkraft besitzt, was Fiat-Währungen in der Praxis ausreichend teilbar macht. Gold ist zwar physisch teilbar, wird aber schwierig zu verwenden, wenn es in kleine Mengen aufgeteilt wird.

Knappheit:

Das Attribut, das bitcoins am deutlichsten von Fiat-Währungen und Gold unterscheidet, ist seine vorgegebene Knappheit. Aus diesem Grund können maximal 21 Millionen bitcoins erstellt werden. Dies gibt dem Besitzer von bitcoins einen bekannten Prozentsatz des gesamten möglichen Angebots. Zum Beispiel würde ein Besitzer von 10 bitcoins wissen, dass höchstens 2,1 Millionen Menschen auf der Erde (weniger als 0,03% der Weltbevölkerung) jemals so viele bitcoins haben könnten wie er hat. Gold ist zwar in der Geschichte recht knapp geblieben, aber nicht immun gegen eine Erhöhung des Angebots. Wenn es jemals der Fall sein sollte, dass eine neue Methode der Gewinnung oder des Erwerbs von Gold wirtschaftlich werden würde, könnte das Goldangebot drastisch steigen (Beispiele sind Meeresboden- oder Asteroidenbergbau). Obwohl Fiat Währungen eine relativ junge Erfindung sind, haben sie sich als anfällig für eine ständige Zunahme des Angebots erwiesen. Die Nationalstaaten zeigen eine anhaltende Tendenz, ihre Geldmenge zu erhöhen, um kurzfristige politische Probleme zu lösen. Die inflationären Tendenzen der Regierungen auf der ganzen Welt lassen den Besitzer einer Fiat-Währung mit der Gewissheit zurück, dass ihre Ersparnisse mit der Zeit an Wert verlieren.

Etablierte Geschichte:

Kein monetäres Gut hat eine so lange und sagenumwobene Geschichte wie Gold, das schon so lange wertgeschätzt wird, wie die menschliche Zivilisation existiert. Münzen, die in den fernen Tagen der Antike geprägt wurden, haben bis heute einen hohen Wert. Das Gleiche gilt nicht für Fiat-Währungen, die eine relativ junge Anomalie der Geschichte sind. Von Anfang an hatten Fiat-Währungen eine fast universelle Tendenz zur Wertlosigkeit. Die Verwendung der Inflation als heimtückisches Mittel zur unsichtbaren Besteuerung der Bürger war eine Versuchung, der nur wenige Staaten geschichtlich betrachtet widerstehen konnten. Das 20. Jahrhunderts, in dem Fiat-Gelder die globale Währungsordnung dominierten, hat zumindest eine wirtschaftliche Wahrheit hervorgebracht. Es kann nicht darauf vertraut werden, dass Fiat-Geld seinen Wert lang- oder auch nur mittelfristig erhält. Bitcoin hat trotz seiner kurzen Existenz genügend Marktturbulenzen überstanden, um eine hohe Wahrscheinlichkeit zu haben, nicht bald wieder als wertvoller Vermögenswert zu verschwinden. Darüber hinaus deutet der Lindy-Effekt darauf hin, dass je länger Bitcoin existiert, desto stärker ist das Vertrauen der Gesellschaft darin, dass Bitcoin auch lang in die Zukunft hinein existieren wird. Mit anderen Worten, das gesellschaftliche Vertrauen in ein neues monetäres Gut ist asymptotischer Natur, wie die folgende Grafik zeigt:

Wenn Bitcoin 20 Jahre lang existiert, wird es fast universelles Vertrauen geben, dass es für immer existieren wird. So wie die Menschen daran glauben, dass das Internet ein fester Bestandteil der modernen Welt ist.

Zensurresistenz:

Eine der frühesten Quellen für die Nachfrage nach bitcoins war ihr Einsatz im illegalen Drogenhandel. Viele vermuteten später fälschlicherweise, dass die primäre Nachfrage auf ihre vermeintliche Anonymität zurückzuführen war. Bitcoin ist jedoch weit davon entfernt eine anonyme Währung zu sein. Jede über das Bitcoin-Netzwerk übertragene Transaktion wird für immer in einer öffentlichen Blockchain aufgezeichnet. Die historische Aufzeichnung von Transaktionen ermöglicht eine spätere forensische Analyse, um die Quelle eines Geldflusses zu identifizieren. Es war eine solche Analyse, die zur Festnahme eines Täters des berüchtigten MtGox-Raubs führte. Es ist zwar wahr, dass eine ausreichend vorsichtige und bemühte Person ihre Identität bei der Verwendung von Bitcoin verbergen kann, aber das ist nicht der Grund, warum Bitcoin beim Drogenhandel so beliebt war. Das Schlüsselmerkmal, das Bitcoin für verbotene Aktivitäten attraktiv macht, ist dass es keinerlei Form von Genehmigung braucht das Bitcoin-Netzwerk zu benutzen. Wenn bitcoins über das Bitcoin-Netzwerk übertragen werden, gibt es keinen menschlichen Eingriff, der entscheidet, ob die Transaktion erlaubt werden soll. Als dezentral verteiltes Peer-to-Peer-Netzwerk ist Bitcoin von Natur aus darauf ausgelegt zensurresistent zu sein. Dies steht in krassem Gegensatz zum Fiat-Banksystem, wo es Staaten, Banken und andere Gatekeeper der Geldübermittlung gibt, die regulierend eingreifen, um verbotene Verwendungen von Geld zu melden und zu verhindern. Ein klassisches Beispiel für regulierte Geldtransfers sind die Kapitalkontrollen. Ein wohlhabender Millionär zum Beispiel kann es sehr schwer haben, sein Vermögen in ein neues Domizil zu verlegen, wenn er vor einem repressiven Regime fliehen will. Obwohl Gold nicht von Staaten ausgegeben wird, macht es seine physische Beschaffenheit schwierig, Gold über weite Strecken zu bewegen. Dies macht es weitaus anfälliger für staatliche Regulierung als Bitcoin. Indiens Gold Control Act ist ein Beispiel für eine solche Regulierung.

Bitcoin zeichnet sich durch die meisten der oben genannten Attribute aus, wodurch es in der Lage ist, moderne und alte monetäre Güter in ihrer Qualität zu übertreffen, was einen starken Anreiz für seine zunehmende Verbreitung bietet. Insbesondere die starke Kombination aus Zensurresistenz und absoluter Knappheit ist ein starker Motivator für wohlhabende Anleger, einen Teil ihres Vermögens in die neu entstehende Anlageklasse zu investieren.

Die Entwicklung des Geldes

Es gibt eine Besessenheit in der modernen Wirtschaftslehre, Geld nur als ein Tauschmittel für den täglichen Handel anzusehen. Im 20. Jahrhundert haben Staaten die Ausgabe von Geld monopolisiert und seine Verwendung als Wertaufbewahrungsmittel ständig untergraben, was zum falschen Glauben führte, dass Geld in erster Linie als Tauschmittel definiert ist. Viele kritisieren Bitcoin als ungeeignetes Geld, weil sein Preis zu volatil sei, um als Tauschmittel zu dienen. Damit wird jedoch der Karren vor das Pferd gespannt. Geld hat sich immer in Etappen entwickelt, wobei die Funktion als Wertspeicher der Rolle als Tauschmittel vorausgeht. Einer der Väter der marginalistischen Wirtschaft, William Stanley Jevons, erklärte das so:

Historisch gesehen scheint Gold erstens als wertvoller Rohstoff um Schmuck in jeder Form herzustellen gedient zu haben, zweitens als eine Form von Wertspeicher, drittens als Tauschmittel und schließlich als Rechnungseinheit.

Geld entwickelt sich immer in den folgenden vier Phasen:

  1. Sammlerstück: In der allerersten Phase seiner Entwicklung wird Geld allein aufgrund seiner besonderen Eigenschaften beinahe willkürlich von seinen Besitzern gesammelt. Muscheln, Perlen und Gold waren allesamt Sammlerstücke, bevor sie später zu den allgemein bekannteren Rollen des Geldes übergingen.
  2. Wertspeicher: Sobald Geld von genügend Menschen aufgrund seiner besonderen Eigenschaften nachgefragt wird, erkennen es die Leute als Mittel zur Werterhaltung und -speicherung über Zeit an. Wenn eine Ware zunehmend als geeigneter Wertspeicher wahrgenommen wird, steigt ihre Kaufkraft, je mehr Menschen sie zu diesem Zweck benötigen. Die Kaufkraft eines Wertspeichers wird sich schließlich nach signifikanter Adoption irgendwann an einem Punkt befinden, an dem der Zustrom neuer Menschen, die ihn als Wertspeicher wünschen, abnimmt. Das monetäre Gut ist nun als Wertspeicher etabliert.
  3. Tauschmittel: Wenn sich Geld als Wertaufbewahrungsmittel vollständig etabliert hat, wird sich seine Kaufkraft stabilisieren. Nachdem sich die Kaufkraft stabilisiert hat, werden die Opportunitätskosten für die Verwendung von Geld zum Abschluss von Geschäften auf ein Niveau sinken, das für die Verwendung als Tauschmittel geeignet ist. In den ersten Tagen von Bitcoin schätzten viele Menschen die enormen Opportunitätskosten der Nutzung von bitcoins falsch ein und einige antizipierten das Potenzial von bitcoins als aufkommender Wertspeicher nicht. Die berühmte Geschichte eines Mannes, der 10.000 bitcoins (zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels etwa 94 Millionen Dollar wert) gegen zwei Pizzas tauschte, veranschaulicht diese Verwirrung.
  4. Rechnungseinheit: Wenn Geld als Tauschmittel weit verbreitet ist, werden Waren damit bewertet d.h. das Umtauschverhältnis gegen Geld wird für die meisten Waren verfügbar sein. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Bitcoin-Preise für viele Waren heute verfügbar sind. Während beispielsweise eine Tasse Kaffee für den Kauf über bitcoins erhältlich ist, ist der angegebene Preis kein echter Bitcoin Preis, sondern der vom Händler gewünschte Dollarpreis, der in den aktuellen USD/BTC-Marktkurs übersetzt wird. Wenn der Preis für Bitcoin in Dollar sinken würde, würde die Anzahl der vom Händler angeforderten bitcoins entsprechend steigen. Nur wenn Händler bereit sind, bitcoins zur Zahlung ohne Rücksicht auf den Bitcoin-Wechselkurs gegenüber Fiat-Währungen zu akzeptieren, können wir Bitcoin wirklich als eine Rechnungseinheit betrachten.

Monetäre Güter, die keine Rechnungseinheit sind, können als “teilmonetarisiert” angesehen werden. Heute erfüllt Gold eine solche Rolle, da es ein Wertaufbewahrungsmittel ist, aber durch staatliche Eingriffe seiner Rolle als Tauschmittel und Rechnungseinheit beraubt wurde. Es ist auch möglich, dass ein Gut die Tauschrolle des Geldes erfüllt, während ein anderes Gut die anderen Rollen erfüllt. Dies gilt typischerweise in Ländern mit dysfunktionalen Staaten wie Argentinien oder Simbabwe. In seinem Buch “Digital Gold” schreibt Nathaniel Popper:

In Amerika bedient der Dollar nahtlos die drei Funktionen des Geldes: die Bereitstellung eines Tauschmittels, eine Einheit zur Messung der Warenkosten und als Wertaufbewahrungsmittel. In Argentinien hingegen, während der Peso als Tauschmittel für den täglichen Einkauf verwendet wurde, nutzte ihn niemand als Wertaufbewahrungsmittel. Die Einsparungen im Peso zu halten, war gleichbedeutend mit dem Wegwerfen von Geld. So tauschten die Leute alle Pesos, die sie sparen wollten gegen Dollar ein, was ihren Wert besser hielt als der Peso. Da der Peso so volatil war, orientierten sich die Leute in der Regel an Preise in Dollar, die im Laufe der Zeit eine zuverlässigere Maßeinheit lieferten.

Bitcoin befindet sich derzeit im Übergang von der ersten Stufe der Monetarisierung zur zweiten Stufe. Es wird wahrscheinlich noch einige Jahre dauern, bis Bitcoin von einem beginnenden Wertaufbewahrungsmittel zu einem echten Tauschmittel wird und der Weg dorthin ist immer noch mit Risiken und Unsicherheiten behaftet. Es ist bemerkenswert, dass der gleiche Übergang bei Gold viele Jahrhunderte gedauert hat. Niemand auf der Welt hat die Echtzeit-Monetarisierung eines Gutes gesehen (wie es mit Bitcoin geschieht), so dass es nur sehr wenig Erfahrung über den Weg dieser Monetarisierung gibt.

Pfadabhängigkeit

Während der Monetarisierung eines Gutes wird dessen Kaufkraft steigen. Viele haben kommentiert, dass die Zunahme der Kaufkraft von Bitcoin den Anschein einer “Blase” erweckt. Während dieser Begriff oft abschätzig verwendet wird, um zu suggerieren, dass Bitcoin stark überbewertet ist, trifft er unbeabsichtigt einen Teil der Wahrheit. Ein gemeinsames Merkmal aller monetären Güter ist, dass ihre Kaufkraft höher ist als es der eigentliche Nutzwert rechtfertigen würde. Tatsächlich haben historisch betrachtet viele monetäre Güter überhaupt keinen Nutzwert. Die Differenz zwischen dem Wert eines monetären Gutes und dem Nutzwert kann als “monetäre Prämie” betrachtet werden. Da ein monetäres Gut die Phasen der Monetarisierung durchläuft (siehe Abschnitt oben), steigt die monetäre Prämie im Laufe der Zeit. Die Prämie bewegt sich jedoch nicht in einer geraden, vorhersehbaren Linie. Ein monetäres Gut X, das gerade monetarisiert wurde, kann von einem anderen monetären Gut Y übertroffen werden, welches besser als Geld geeignet ist und die Geldprämie von X kann fallen oder ganz verschwinden. Die Währungsprämie von Silber verschwand fast vollständig im späten 19. Jahrhundert, als Regierungen auf der ganzen Welt es weitgehend als Geld zugunsten von Gold aufgaben.

Selbst wenn es keine externe Faktoren wie staatliche Eingriffe oder die Konkurrenz durch andere monetäre Güter gibt, wird die monetäre Prämie für ein neues Geld keinen vorhersehbaren Weg einschlagen. Der Ökonom Larry White beobachtete folgendes:

Das Problem mit der Geschichte der Spekulationsblase ist natürlich, dass sie mit jedem Preispfad vereinbar ist und somit keine Erklärung für einen bestimmten Preispfad gibt.

Der Prozess der Monetarisierung ist spieltheoretisch. Jeder Marktteilnehmer versucht die Gesamtnachfrage anderer Teilnehmer und damit die zukünftige Geldprämie zu antizipieren. Da die monetäre Prämie an keinem inhärenten Nutzen verankert ist, neigen die Marktteilnehmer dazu, auf vergangene Preise zurückzugreifen, um eine Einschätzung über die Unter-oder Überbewertung zu treffen. Der Zusammenhang der aktuellen Nachfrage mit vergangenen Preisen wird als “Pfadabhängigkeit” bezeichnet und ist vielleicht die größte Verwirrung beim Verständnis der Preisbewegungen von monetären Gütern.

Wenn die Kaufkraft eines Geldwertes mit zunehmender Akzeptanz steigt, verschieben sich die Markterwartungen an das, was “billig” und “teuer” ist, entsprechend. Ebenso, wenn der Preis eines monetären Gutes zusammenbricht, können die Erwartungen zu der allgemeinen Überzeugung übergehen, dass die vorherigen Preise “irrational” oder übermäßig überhöht waren. Die Pfadabhängigkeit des Geldes wird durch die Worte des bekannten Wall Street Fondsmanagers Josh Brown veranschaulicht:

Ich kaufte bitcoins für etwa $2300 und der Wert verdoppelte sich schnell. Dann fing ich an zu sagen: “Ich kann nicht mehr davon kaufen”, als der Preis von bitcoins stieg, obwohl das eine verankerte Meinung ist, die auf nichts anderem als dem Preis basiert, zu dem ich sie ursprünglich bekommen habe. Dann, als der Preis in der letzten Woche wegen einer chinesischen Razzia an den Börsen fiel, begann ich zu mir selbst zu sagen: “Oh gut, ich hoffe, der Preis bricht ein, damit ich mehr kaufen kann.

Die Wahrheit ist, dass die Begriffe “billig” und “teuer” in Bezug auf monetäre Güter im Wesentlichen bedeutungslos sind. Der Preis eines monetären Gutes spiegelt nicht seinen Cashflow wider oder wie nützlich es ist, sondern ist ein Maß dafür, inwieweit es in den verschiedenen Rollen des Geldes benutzt wird.

Die Tatsache ist, dass die Marktteilnehmer nicht nur als leidenschaftslose Beobachter agieren und versuchen, in Erwartung auf zukünftige Bewegungen der Geldprämie zu kaufen oder zu verkaufen. Da sie auch die Idee hinter Bitcoin verbreiten, erschwert sich die Bewertung von bitcoins. Da es keine objektiv korrekte monetäre Prämie gibt, ist die Verbreitung von Information über die oben beschriebenen Attribute eines monetären Gutes effektiver als bei regulären Gütern, deren Wert letztlich von einem diskontierten Cashflow oder der Nutzungsnachfrage abhängt. Der religiöse Missionierungswille der Teilnehmer am Bitcoin-Markt kann in verschiedenen Online-Foren beobachtet werden. In diesen Foren werben Eigentümer aktiv für die Vorteile von Bitcoin und den Reichtum, den man durch Investitionen in Bitcoin erzielen kann. Zur Beobachtung des Bitcoin-Marktes kommentiert Leigh Drogen:

Du erkennst dies als eine Religion an — eine Geschichte, die wir uns alle erzählen und über die wir uns einig sind. Religion ist die Adoptionskurve, an die wir denken sollten. Es ist fast perfekt — sobald jemand reinkommt, sagt er es allen und geht evangelisieren. Dann steigen ihre Freunde ein und beginnen zu evangelisieren.

Während der Vergleich mit der Religion Bitcoin eine Aura des irrationalen Glaubens verleihen kann, ist es für den einzelnen Besitzer völlig rational, für ein überlegenes monetäres Gut zu evangelisieren, damit die Gesellschaft als ganzes irgendwann auf das überlegene Geld wechselt. Geld bildet die Grundlage für jeglichen Handel und alle Ersparnisse, so dass die Einführung einer überlegenen Geldform einen enormen multiplikativen Nutzen für die Vermögensbildung für alle Mitglieder einer Gesellschaft hat.

Der Ablauf der Monetarisierung

Während es keine fest vorhersehbaren Regeln über den Weg gibt, den ein monetäres Gut einschlagen wird, so ist in der relativ kurzen Geschichte der Monetarisierung von Bitcoin ein seltsames Muster entstanden. Der Preis von Bitcoin scheint einem sich wiederholendem Muster von zunehmender Größe zu folgen, wobei jede Wiederholung des Musters der klassischen Form eines Gartner-Hype-Zyklus entspricht.

In seinem Artikel über die spekulative Bitcoin Adoption/Preis-Theorie stellt Michael Casey fest, dass die expandierenden Gartner-Hype-Zyklen Phasen einer Standard-S-Kurve der Adoption darstellen, der viele transformative Technologien folgten.

Jeder Gartner-Hype-Zyklus beginnt mit einem Ausbruch der Begeisterung für die neue Technologie und der Preis wird von diesen Marktteilnehmern nach oben getrieben. Die ersten Käufer in einem Gartner-Hype-Zyklus haben in der Regel eine starke Überzeugung von der transformativen Natur der Technologie, in die sie investieren. Schließlich erreicht der Markt ein Maximum an Begeisterung, da das Angebot an neuen Teilnehmern, die im Zyklus erreicht werden können, erschöpft ist. Der Kauf wird nun von Spekulanten dominiert, die weniger an der zugrundeliegenden Technologie und mehr an schnellen Gewinnen interessiert sind.

Nach dem Höhepunkt des Hype-Zyklus sinken die Preise rapide und die spekulative Leidenschaft wird durch Verzweiflung, öffentliche Verhöhnung und das Gefühl ersetzt, dass die Technologie überhaupt nicht transformativ war. Schließlich sinkt der Preis zu einem Tiefpunkt und bildet ein Plateau auf dem sich den ursprünglich fest überzeugten Investoren eine neue Gruppe anschließt. Diese Gruppe verkraftet die Folgen des Crashs und weiß die transformative Bedeutung der Technologie weiterhin zu schätzen.

Das Plateau besteht über einen längeren Zeitraum und bildet, wie Casey es nennt, ein “stabiles, langweiliges Tief”. Während des Plateaus lässt das öffentliche Interesse an der Technologie nach, aber sie wird weiterentwickelt und die Zahl der fest überzeugten Befürworter legt langsam aber stetig zu. Eine neue Basis wird somit für die nächste Wiederholung des Hype-Zyklus gelegt. Externe Beobachter erkennen, dass die Technologie nicht verschwindet und Investitionen in sie möglicherweise nicht so riskant sind, wie es während der Crash-Phase des Zyklus schien. Der nächste Durchlauf des Hype-Zyklus wird einen viel größere Menge von Nutzern einbringen und weitaus massiver sein.

Nur sehr wenige Personen, die an einer Wiederholung eines Gartner-Hype-Zyklus teilnehmen, werden richtig voraussehen, wie hoch die Preise in diesem Zyklus sein werden. Die Preise erreichen in der Regel Niveaus, die den meisten Anlegern in den ersten Phasen des Zyklus absurd erscheinen würden. Wenn der Zyklus endet, wird eine Ursache gesucht, die für den Crash verantwortlich ist. Die angegebene Ursache (z.B. ein Zusammenbruch einer Handelsbörse bei Bitcoin) kann zwar ein auslösendes Ereignis sein, ist aber nicht der Hauptgrund für das Ende des Zyklus. Gartner-Hype-Zyklen enden wegen einer Erschöpfung, der im Zyklus erreichbaren Marktteilnehmer.

Es ist zu erkennen, dass Gold dem klassischen Muster eines Gartner-Hype-Zyklus von Ende der 1970er bis Anfang der 2000er Jahre folgte. Man könnte vermuten, dass der Hype-Zyklus eine dem Prozess der Monetarisierung innewohnende soziale Dynamik ist.

Gartner-Typen

Seit der Einführung des ersten börsengehandelten Preises im Jahr 2010, hat der Bitcoin-Markt vier große Gartner-Hype-Zyklen erlebt. Im Nachhinein können wir die Preisspannen früherer Hype-Zyklen im Bitcoin-Markt genau identifizieren. Wir können auch qualitativ die Investorentypen identifizieren, die mit jedem Durchlauf der früheren Zyklen verbunden waren.

$0-$1 (2009-März 2011): Der erste Hype-Zyklus im Bitcoin-Markt wurde von Kryptographen, Informatikern und Cypherpunks dominiert, die verstanden haben welche Bedeutung die bahnbrechende Erfindung von Satoshi Nakamoto hat. Sie waren auch daran beteiligt, technischer Fehler aus dem Bitcoin-Protokoll zu entfernen.

$1-$30 (2009-Juli 2011): Der zweite Zyklus zog sowohl frühe Anwender neuer Technologien als auch einen stetigen Strom ideologisch motivierter Investoren an, die vom Potenzial eines staatenlosen Geldes begeistert wurden. Libertäre wie Roger Ver wurden von Bitcoin wegen der Anti-Establishment-Aktivitäten angezogen, die bei einer breiten Anwendung der Technologie möglich würden. Wenzel Casares, ein brillanter und gut vernetzter Unternehmer, war auch Teil des zweiten Bitcoin Hype-Zyklus. Er hat bei einigen der bekanntesten Technologen und Investoren im Silicon Valley für Bitcoin geworben.

$250-$1100 (April 2013-Dezember 2013): Der dritte Hype-Zyklus begann mit dem Einstieg früher privater und institutioneller Investoren. Sie waren bereit den horrend komplizierten und risikoreichen Liquiditätskanälen, über die bitcoins gekauft werden konnten, zu trotzen. Die wichtigste Liquiditätsquelle in diesem Zeitraum war die in Japan ansässige MtGox-Börse, die vom skrupellosen Mark Karpeles geleitet wurde. Er kam später für seine Rolle beim Zusammenbruch der Börse ins Gefängnis.

Es ist zu beachten, dass der Preisanstieg von Bitcoin während der oben genannten Hype-Zyklen weitgehend mit einer Erhöhung der Liquidität und der Leichtigkeit, mit der Anleger Bitcoins kaufen konnten, korreliert hat. Im ersten Hype-Zyklus gab es keine Börsen und der Erwerb von Bitcoins erfolgte hauptsächlich durch Mining oder durch direkten Austausch mit jemandem, der bereits Bitcoins geschürft hatte. Im zweiten Hype-Zyklus wurden rudimentäre Börsen verfügbar, aber die Beschaffung und Sicherung von Bitcoins aus diesen Börsen blieb für alle außer den technologisch versiertesten Investoren zu komplex. Auch im dritten Hype-Zyklus blieben erhebliche Hürden für Investoren, die Geld an MtGox überwiesen, um bitcoins zu erwerben. Banken zögerten sich mit der Börse zu befassen und Drittanbieter, die Überweisungen ermöglichten, waren oft inkompetent, kriminell oder beides. Außerdem mussten viele die es geschafft hatten Geld an MtGox zu überweisen, letztendlich Verluste hinnehmen, als die Börse gehackt und später geschlossen wurde.

Erst nach dem Zusammenbruch der MtGox-Börse und einer zweijährigen Preisflaute wurden reife und tiefe Liquiditätsquellen erschlossen. Beispiele sind regulierte Börsen wie der GDAX und OTC-Broker wie Cumberland Mining. Als 2016 der vierte Hype-Zyklus begann, war es für Privatanleger relativ einfach, bitcoins zu kaufen und zu sichern.

$1100–$19600? (2014–?):

Zum jetzigen Zeitpunkt befindet sich der Bitcoin-Markt in seinem vierten großen Hype-Zyklus. Die Teilnahme am aktuellen Hype-Zyklus wurde von dem dominiert, was Michael Casey als “frühe Mehrheit” von privaten und institutionellen Investoren bezeichnete.

Mit der Vertiefung und Reifung der Liquiditätsquellen haben große institutionelle Investoren nun die Möglichkeit, über regulierte Terminmärkte zu partizipieren. Die Verfügbarkeit eines regulierten Terminmarktes ebnet den Weg für die Schaffung eines Bitcoin-ETFs, der dann in späteren Hype-Zyklen die “späte Mehrheit” und “Nachzügler” einleiten wird.

Obwohl es unmöglich ist, die genaue Größe des aktuellen Hype-Zyklus vorherzusagen, wäre es vernünftig zu vermuten, dass der Zyklus seinen Höhepunkt im Bereich von 20.000 bis 50.000 US-Dollar erreicht. Viel höher als diese Spanne und Bitcoin würde einen beträchtlichen Teil der gesamten Marktkapitalisierung von Gold erwirtschaften (Gold und Bitcoin hätten gleichwertige Marktkapitalisierungen zu einem Bitcoin-Preis von etwa 380.000 $ zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels). Ein erheblicher Teil der Marktkapitalisierung von Gold stammt von der Nachfrage der Zentralbanken und es ist unwahrscheinlich, dass Zentralbanken oder Nationalstaaten an diesem speziellen Hype-Zyklus teilnehmen werden.

Der Eintritt von Nationalstaaten

Der letzte Gartner-Hype-Zyklus von Bitcoin beginnt, wenn Nationalstaaten anfangen, bitcoins als Devisenreserve zu kaufen. Die Marktkapitalisierung von Bitcoin ist derzeit zu gering, als dass es für die meisten Länder als eine sinnvolle Ergänzung der Reserven angesehen werden könnte. Wenn jedoch das Interesse des Privatsektors die Marktkapitalisierung von Bitcoin zur Billionen Dollar Grenze treibt, wird Bitcoin liquide genug sein, sodass die meisten Staaten in den Markt eintreten können. Der erste Staat, der offiziell bitcoins zu seinen Reserven hinzufügt, wird wahrscheinlich eine Massenpanik auslösen, worauf andere Zentralbanken auch anfangen werden bitcoins zu kaufen. Die Staaten, die am frühesten Bitcoin adoptieren, werden den größten finanziellen Nutzen haben, falls Bitcoin zu einer globalen Reservewährung wird. Leider werden es wahrscheinlich die Staaten mit den stärksten Exekutivgewalten — Diktaturen wie Nordkorea — sein, die bitcoins am schnellsten akkumulieren werden. Die Exekutiven der westlichen Demokratien werden zaudern bitcoins zu ihrer Währungsreserve hinzuzufügen. Der Grund ist ihre inheränte Handlungssschwäche und die mangelnde Bereitschaft, den Bitcoinpreis weiter in die Höhe zu treiben und damit auch die finanzielle Lage anderer Staaten zu verbessern.

Es ist eine große Ironie, dass die USA derzeit eine der Nationen ist, die in ihrer Regulierungsposition gegenüber Bitcoin am offensten ist, während China und Russland am feindlichsten sind. Die USA riskieren ihre geopolitische Position zu verlieren, wenn Bitcoin den Dollar als Reservewährung der Welt ersetzen würde. In den 1960er Jahren kritisierte Charle de Gaulle das “exorbitante Privileg” der USA durch die internationale Währungsordnung, die sie mit dem Bretton-Woods-Übereinkommen von 1944 geschaffen hatten. Die russische und chinesische Regierung sind sich den geostrategischen Vorteilen von Bitcoin als Reservewährung noch nicht bewusst und beschäftigen sich derzeit lieber mit den möglichen Auswirkungen auf ihre Binnenmärkte. Wie de Gaulle in den 1960er Jahren, der damit drohte, den klassischen Goldstandard als Reaktion auf das exorbitante Privileg der USA wiederherzustellen, werden die Chinesen und Russen mit der Zeit die Vorteile einer großen Reserveposition in einem staatenlosen Wertspeicher erkennen. Da sich die größte Konzentration an Mining Infrastruktur in China befindet, hat der chinesische Staat bereits einen deutlichen Vorteil bitcoins zu akkumulieren.

Die USA sind stolz darauf eine Nation von Innovatoren zu sein, wobei das Silicon Valley ein Kronjuwel der US-Wirtschaft ist. Bisher hat das Silicon Valley das Gespräch mit den Regulierungsbehörden über die Position, die sie gegenüber Bitcoin einnehmen sollten, weitgehend dominiert. Allerdings haben der Bankensektor und die US-Notenbank mittlerweile eine erste Ahnung von der existentiellen Bedrohung, die Bitcoin für die US-Geldpolitik darstellt, falls Bitcoin zu einer globalen Reservewährung werden sollte. Das Wall Street Journal, bekannt als Sprachrohr der Federal Reserve, veröffentlichte einen Kommentar über die Bedrohung, die Bitcoin für die US-Geldpolitik darstellt:

Es besteht noch eine weitere, aus Sicht der Zentralbanken und Regulierungsbehörden vielleicht noch schwerwiegendere Gefahr: Bitcoin könnte nicht zusammenbrechen. Wenn die spekulative Leidenschaft für die Kryptowährung nur der Vorläufer für ihre breite Anwendung als Alternative zum Dollar ist, wird sie das Geldmonopol der Zentralbanken gefährden.

In den kommenden Jahren wird es einen großen Kampf zwischen innovativen Unternehmern im Silicon Valley und dem Bankensektor als auch Zentralbanken geben. Während Unternehmer versuchen werden Bitcoin von staatlichen Eingriffen fernzuhalten, wird der Bankensektor alles daran setzen Bitcoin zu regulieren. Das traditionelle Finanzsystem wird versuchen zu verhindern, dass diese Industrie und das Geldmonopol ihrer Kontrolle entgleitet.

Der Übergang zum Tauschmittel

Ein monetäres Gut kann nicht dazu übergehen, ein allgemein akzeptiertes Tauschmittel (die ökonomische Standarddefinition von “Geld”) zu sein, bevor es allgemein geschätzt wird. Der in sich logische Grund dafür ist, dass ein nicht wertgeschätztes Gut im Handel nicht akzeptiert wird. Während der Entwicklung zu einem Wertspeicher wird auch die Kaufkraft von bitcoins steigen, was zu Opportunitätskosten bei der Verwendung im Austausch führt. Erst wenn die Opportunitätskosten für die Aufgabe eines Wertspeichers auf ein angemessenes niedriges Niveau sinken, kann es zu einem allgemein akzeptierten Tauschmittel werden.

Genauer gesagt ist ein monetäres Gut nur dann als Tauschmittel geeignet, wenn die Summe der Opportunitätskosten und der Transaktionskosten für die Nutzung im Handel geringer ist als die Kosten, wenn man das monetäre Gut nicht als Tauschmittel benutzen würde.

In einer Tauschgesellschaft kann der Übergang von einem Wertaufbewahrungsmittel zu einem Tauschmittel auch dann erfolgen, wenn das monetäre Gut an Kaufkraft gewinnt, weil die Transaktionskosten des Tauschhandels extrem hoch sind. In einer entwickelten Wirtschaft, in der die Transaktionskosten niedrig sind, ist es möglich, einen entstehenden und schnell wachsenden Wertspeicher wie Bitcoin als Tauschmittel zu nutzen, wenn auch in sehr begrenztem Umfang. Ein Beispiel ist der illegale Drogenmarkt, wo Käufer bereit sind die Möglichkeit zu opfern, bitcoins zu halten, um das erhebliche Risiko des Kaufs von Drogen in Fiatgeld zu minimieren.

Es gibt jedoch erhebliche institutionelle Barrieren, damit ein entstehender Wertspeicher in einer entwickelten Gesellschaft zu einem allgemein akzeptierten Austauschmedium wird. Staaten nutzen Steuern als wirksames Mittel, um ihr souveränes Geld davor zu schützen, durch konkurrierende monetäre Güter verdrängt zu werden. Ein souveränes Geld genießt nicht nur den Vorteil einer konstanten Nachfragequelle, da die Steuern nur in ihm überwiesen werden können, sondern wird auch darin bevorteilt, dass konkurrierende monetäre Güter besteuert werden beim Umtausch in einen anderen Wert. Diese letztgenannte Art der Besteuerung schafft erhebliche Verluste bei der Nutzung eines Wertspeichers als Tauschmittel.

Die Behinderung marktbasierter monetärer Güter ist jedoch kein unüberwindbares Hindernis für ihre Annahme als allgemein anerkanntes Tauschmittel. Wenn der Glaube an ein souveränes Geld verloren geht, kann sein Wert in einem Prozess zusammenbrechen, der als Hyperinflation bekannt ist.

Wenn ein souveränes Geld hyperinflationiert, sinkt sein Wert zunächst gegen die liquidesten Güter der Gesellschaft. Dazu gehören z.B Gold oder der US Dollar, falls diese verfügbar sind. Wenn keine liquiden Güter verfügbar sind oder ihr Angebot begrenzt ist, bricht ein hyperinflationäres Geld gegen reale Güter wie Immobilien und Rohstoffe zusammen. Das archetypische Bild einer Hyperinflation ist ein leeres Lebensmittelgeschäft, da die Verbraucher vor dem rasch abnehmenden Wert des Geldes ihrer Nation fliehen.

Wenn der Glaube schliesslich während einer Hyperinflation völlig verloren geht, wird die Landeswährung von niemandem mehr akzeptiert und die Gesellschaft geht zum Tauschhandel über oder nutzt eine andere Währungseinheit als Tauschmittel. Ein Beispiel für diesen Prozess war die Ablösung des Simbabwe-Dollars durch den US-Dollar. Der Austausch der Nationalwährung durch eine ausländische Währung wird durch die Knappheit des ausländischen Geldes und das Fehlen ausländischer Bankinstitute zur Liquiditätsversorgung erschwert.

Bitcoin kann problemlos über Staatsgrenzen hinweg gesendet werden und funktioniert auch ohne Bankensystem, was es zu einem idealen monetären Gut für diejenigen macht, die von Hyperinflation betroffen sind. Während Fiatwährungen in den kommenden Jahren weiterhin ihrem historischen Trend zur Wertlosigkeit folgen, wird Bitcoin zu einer immer beliebteren Wahl für globale Ersparnisse werden. Wenn die Währung einer Nation aufgegeben und durch Bitcoin ersetzt wird, wird Bitcoin sich von einem Wertspeicher in dieser Gesellschaft zu einem allgemein anerkannten Tauschmittel entwickelt haben. Daniel Krawisz beschrieb diesen Prozess als “Hyperbitcoinization”.

Weit verbreitete Fehleinschätzungen

Ein Großteil dieses Artikels hat sich auf den monetären Charakter von Bitcoin konzentriert. Mit dieser Grundlage können wir nun einige der am häufigsten geäußerten Fehleinschätzungen über Bitcoin ausräumen.

Bitcoin ist eine Blase

Bitcoin weist wie alle marktbasierten monetären Güter eine monetäre Prämie auf. Diese monetäre Prämie ist es, die die häufige Kritik hervorruft, dass Bitcoin eine “Blase” ist. Allerdings weisen alle monetären Güter eine monetäre Prämie auf. Tatsächlich ist diese Prämie (der Überschuss über den Nutzungs-Nachfragepreis) das bestimmende Merkmal aller Gelder. Mit anderen Worten, Geld ist immer und überall eine Blase. Paradoxerweise ist ein monetäres Gut sowohl eine Blase als auch unterbewertet, wenn es sich in der Anfangsphase seiner Monetarisierung befindet.

Bitcoin ist zu volatil

Die Preisvolatilität von Bitcoin ist eine Funktion seiner Entstehung. In den ersten Jahren verhielt sich Bitcoin wie eine Pennystock und jeder große Käufer — wie die Winklevoss Zwillinge — konnte einen großen Preisanstieg verursachen. Da Adoption und Liquidität im Laufe der Jahre zugenommen haben, hat sich die Volatilität von Bitcoin entsprechend verringert. Wenn Bitcoin die Marktkapitalisierung von Gold erreicht, wird es eine ähnliche Volatilität aufweisen. Wenn Bitcoin die Marktkapitalisierung von Gold übertrifft, wird seine Volatilität auf ein Niveau sinken, das es zu einem weit verbreiteten Tauschmittel werden lässt. Wie bereits erwähnt, erfolgt die Monetarisierung von Bitcoin in einer Reihe von Gartner-Hype-Zyklen. Die Volatilität ist zur Zeit der Plateauphase des Hype-Zyklus am geringsten und während der Spitzen- und Crashphase des Zyklus am höchsten. Jeder Hype-Zyklus hat eine geringere Volatilität als die vorherigen, da die Liquidität des Marktes zunimmt.

Die Transaktionskosten sind zu hoch

Eine aktuelle Kritik am Bitcoin-Netzwerk lautet, dass die steigenden Gebühren für die Übertragung von bitcoins es als Zahlungssystem ungeeignet machen. Das Wachstum der Gebühren ist jedoch gesund und zu erwarten. Transaktionsgebühren sind die anfallenden Kosten, um Bitcoin Miner zu bezahlen, welche das Netzwerk durch die Verarbeitung von Transaktionen sichern. Miner können entweder durch Transaktionsgebühren oder durch Blockprämien bezahlt werden, die eine inflationäre Subvention sind, welche von den derzeitigen Bitcoin-Besitzern getragen wird.

Angesichts der festgelegten Geldpolitik von Bitcoin — einer Geldpolitik, die es zum idealen Wertaufbewahrungsmittel macht — werden die Blockprämien schließlich auf Null sinken und das Netzwerk muss letztlich mit Transaktionsgebühren abgesichert werden. Ein Netzwerk mit “niedrigen” Gebühren ist ein Netzwerk mit wenig Sicherheit und Anfälligkeit für externe Zensur. Diejenigen, die die niedrigen Gebühren für Bitcoin-Alternativen ankündigen, beschreiben unwissentlich die Schwäche dieser sogenannten “Altcoins”.

Die Wurzel der Kritik an den “hohen” Transaktionsgebühren von Bitcoin ist die Überzeugung, dass Bitcoin zuerst ein Zahlungssystem und später ein Wertspeicher werden sollte. Wie wir bei den Ursprüngen des Geldes gesehen haben, stellt dieser Glaube den Wagen vor das Pferd. Erst wenn Bitcoin zu einem fest etablierten Wertspeicher geworden ist, wird es als Tauschmittel geeignet sein. Sobald die Opportunitätskosten für den Handel mit Bitcoins auf einem Niveau liegen, auf dem sie als als Tauschmittel geeignet sind, werden die meisten Geschäfte nicht mehr im Bitcoin-Netzwerk selbst, sondern in Netzwerken der zweiten Ebene mit viel niedrigeren Gebühren stattfinden. Netzwerke auf einer zweiten Ebene wie das Lightning-Netzwerk, stellen das moderne Äquivalent zu den Schuldscheinen dar, mit denen im 19. Jahrhundert Titel für Gold übertragen wurden. Schuldscheine wurden von Banken verwendet, da die Übertragung des zugrunde liegenden Edelmetalls weitaus teurer war als die Übertragung der Note, welche Anspruch auf eine bestimmte Menge Gold auf der Bank darstellte. Im Gegensatz zu Schuldscheinen wird das Lightning-Netzwerk jedoch die kostengünstige Übertragung von bitcoins ermöglichen und gleichzeitig wenig oder gar kein Vertrauen in Dritte wie Banken erfordern. Die Entwicklung des Lightning Netzwerks ist eine sehr wichtige technische Innovation in der Geschichte von Bitcoin. Der Wert dieser Innovation wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Wettbewerb

Als Open-Source-Softwareprotokoll war es schon immer möglich, die Software von Bitcoin zu kopieren und das Netzwerk nachzuahmen. Im Laufe der Jahre sind viele Nachahmer entstanden, von einfachen Kopien wie Litecoin bis hin zu komplexen Varianten wie Ethereum, die versprechen, beliebig komplexe Vertragsgestaltungen mit einem verteilten Computersystem zu ermöglichen. Eine häufige Kritik an Bitcoin ist, dass es seinen Wert nicht halten kann, wenn Wettbewerber mit neuen Innovationen und Softwarefunktionen sich einfach erschaffen lassen und den Markt so übersättigen.

Die Schwäche in dieser Argumentation ist, dass der im Laufe der Jahre entstandene Netzwerkeffekt von Bitcoin als erste dominante Kryptowährung vernachlässigt wird. Der Netzwerkeffekt ist ein wichtiges Merkmal, da die Nutzung des am weitesten verbreiteten Netzwerkes einen erheblichen Vorteil bringt. Insbesondere für Technologien, die einen Netzwerkeffekt brauchen um erfolgreich zu sein, ist dieser bei weitem das wichtigste Merkmal.

Der Netzwerkeffekt für Bitcoin umfasst die Liquidität des Marktes, die Anzahl der Personen die ihn besitzen und die Gemeinschaft der Entwickler, welche die Software und das Markenbewusstsein pflegen und verbessern. Große Investoren, einschließlich der Nationalstaaten, werden den liquidesten Markt suchen, damit sie schnell in den Markt ein- und austreten können ohne den Preis zu beeinflussen. Die Entwickler werden sich der dominanten Entwicklungsgemeinschaft zuwenden, die über die besten Talente verfügt und so die Stärke dieser Gemeinschaft erhöhen. Die Markenbekanntheit erhöht sich automatisch, da Möchtegern-Konkurrenten von Bitcoin immer im Kontext von Bitcoin selbst erwähnt werden.

Eine Weggabelung

Im Laufe des Jahres 2017 entstand ein Trend, nicht nur die Software von Bitcoin zu imitieren, sondern die gesamte Geschichte der vergangenen Transaktionen (die so genannte Blockchain) zu kopieren. Mit diesem Prozess, der auch als Forking bekannt ist, konnten die Wettbewerber von Bitcoin das Problem der Verteilung ihres Token an eine große Nutzerbasis lösen. Sie kopierten hierfür die Blockchain von Bitcoin bis zu einem bestimmten Zeitpunkt und spalteten sich dann in ein neues Netzwerk ab.

Die bedeutendste Abspaltung dieser Art fand am 1. August 2017 statt, als ein neues Netzwerk namens Bitcoin Cash (BCash) geschaffen wurde. Ein Besitzer von N-Bitcoins vor dem 1. August 2017 würde dann sowohl N-Bitcoins als auch N-BCash-Token besitzen. Die kleine, aber feine Gemeinschaft der BCash-Anhänger hat unermüdlich versucht, sich die Markenbekanntheit von Bitcoin anzueignen, sowohl durch die Benennung ihres neuen Netzwerks als auch durch eine Kampagne, um Neulinge im Bitcoin-Markt davon zu überzeugen, dass Bcash der “echte” Bitcoin ist. Diese Versuche sind weitgehend gescheitert und dieses Scheitern spiegelt sich in der Marktkapitalisierung der beiden Netzwerke wider. Für neue Investoren besteht jedoch nach wie vor das offensichtliche Risiko, dass ein Wettbewerber Bitcoin und seine Blockchain klonen und es in der Marktkapitalisierung überholen und damit zum De-facto-Bitcoin werden könnte.

Eine wichtige Regel lässt sich an den bekanntesten Forks ablesen, die sowohl im Bitcoin- als auch im Ethereum-Netzwerk passiert sind. Der Großteil der Marktkapitalisierung wird sich auf dem Netzwerk abspielen, das die hochkarätigste und aktivste Entwicklergemeinde beibehält. Denn obwohl Bitcoin als ein sich in der Entstehung befindendes monetäres Gut angesehen werden kann, ist es auch ein auf Software basierendes Computernetzwerk, das gewartet und verbessert werden muss. Der Kauf von digitalen Gütern eines Netzwerkes, das wenig oder unerfahrenen Entwickler-Support hat, würde dem Kauf eines Klons von Microsoft Windows gleichkommen, der nicht von den besten Entwicklern von Microsoft unterstützt wird. Aus der Geschichte der Forks im Jahre 2017 geht hervor, dass die besten und erfahrensten Informatiker und Kryptographen sich verpflichtet haben, für den ursprünglichen Bitcoin zu arbeiten und nicht für eine der wachsenden Legionen von Nachahmern, die daraus entstanden sind.

Reale Risiken

Obwohl die übliche Kritik an Bitcoin in den Medien und in der Wirtschaft fehl am Platz ist und auf einem mangelhaften Verständnis von Geld basiert, gibt es reale und erhebliche Risiken bei Investitionen in Bitcoin. Es wäre ratsam, dass ein zukünftiger Bitcoin-Investor diese Risiken versteht und abwägt, bevor er eine Investition in Betracht zieht.

Risiken auf Protokollebene

Das Bitcoin-Protokoll und die kryptographischen Fundamente, auf denen es basiert, könnten einen Designfehler aufweisen oder mit der Entwicklung von Quantencomputern unsicher gemacht werden. Wenn ein Fehler im Protokoll gefunden wird oder neue leistungsfähigere Rechner das Knacken der zugrunde liegenden Kryptographie ermöglichen, kann der Glaube an Bitcoin stark beeinträchtigt werden. Das Protokollrisiko war in den ersten Jahren der Entwicklung am größten, als es selbst für erfahrene Kryptographen noch unklar war, ob Satoshi Nakamoto tatsächlich eine Lösung für das Problem der byzantinischen Generäle gefunden hatte. Die Besorgnis über schwerwiegende Fehler im Bitcoin-Protokoll hat sich im Laufe der Jahre zerstreut, aber aufgrund seines technologischen Charakters wird das Protokollrisiko für Bitcoin immer bestehen bleiben, wenn auch nur als höchst unwahrscheinliches Risiko.

Zusammenbruch von Handelsplattformen für Kryptowährungen

Als dezentrales Gut hat Bitcoin ein bemerkenswertes Maß an Widerstandsfähigkeit gegenüber zahlreichen Versuchen verschiedener Regierungen bewiesen, es zu regulieren oder abzuschalten. Die Börsen an denen Bitcoins gegen Fiat-Währungen gehandelt werden, sind jedoch stark zentralisiert und anfällig für die Regulierung und Schließung. Ohne diese Börsen und die Bereitschaft des Bankensystems, mit ihnen Geschäfte zu machen, wäre der Prozess der Monetarisierung von Bitcoin stark beeinträchtigt, wenn nicht sogar vollständig gestoppt. Während es für Bitcoin alternative Liquiditätsquellen gibt, wie z.B. außerbörsliche Broker und dezentrale Märkte für den Kauf und Verkauf von bitcoins, findet der kritische Prozess der Preisfindung an den liquidesten Börsen statt, die alle zentralisiert sind.

Durch das Risiko vom Staat geschlossen zu werden, nutzen Handeslplattformen für Kryptowährungen die Möglichkeit in Länder mit vorteilhafter Regulierung umzuziehen. Binance, eine wichtige Börse, die in China gegründet wurde, zog nach Japan, nachdem die chinesische Regierung ihre Aktivitäten in China verboten hatte. Die nationalen Regierungen schrecken jedoch auch davor zurück, eine aufstrebende Industrie zu ersticken, die sich als so folgenreich wie das Internet erweisen könnte. Bei einem Verbot, würden Länder anderen Ländern, die kein solches Verbot einführen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Nur mit einer koordinierten globalen Abschaltung der Bitcoin-Börsen, könnte der Prozess der Monetarisierung vollständig gestoppt werden. Der Wettlauf um die Verbreitung von Bitcoin ist im Gange, so dass eine vollständige Abschaltung ebenso politisch undurchführbar wird, wie eine vollständige Abschaltung des Internets. Die Möglichkeit einer solchen Abschaltung ist jedoch noch real und muss in die Risiken einer Investition in Bitcoin einbezogen werden. Wie im vorherigen Abschnitt über den Eintritt von Nationalstaaten diskutiert wurde, erkennen die nationalen Regierungen allmählich die Bedrohung, die eine nichtstaatliche, zensurresistente, digitale Währung für ihre Geldpolitik darstellt. Es ist eine offene Frage, ob sie auf diese Bedrohung reagieren werden bevor sich Bitcoin so fest etabliert hat, dass sich ein politisches Vorgehen dagegen als Ineffektiv erweist.

Fungibilität

Die offene und transparente Natur der Bitcoin-Blockchain ermöglicht es Staaten, bestimmte bitcoins durch ihren Einsatz in verbotenen Aktivitäten als “schmutzig” zu markieren. Obwohl die Zensurresistenz von Bitcoin auf der Protokollebene die Übertragung dieser Bitcoins ermöglicht, könnten Gesetze für Börsen und Händler geschaffen werden, welche die Annahme solcher bitcoins verbieten würde. Bitcoin würde dann eine der kritischen Eigenschaften eines monetären Gutes verlieren: die Fungibilität.

Um die Fungibilität von Bitcoin zu verbessern, müssen auf Protokollebene Modifikationen vorgenommen werden, welche die Privatsphäre von Transaktionen verbessern. Während es in dieser Hinsicht neue Entwicklungen gibt, bei denen die digitalen Währungen Monero und Zcash Pionierarbeit geleistet haben, gibt es große technologische Zielkonflikte zwischen der Effizienz und Komplexität von Bitcoin und dessen Privatsphäre. Es bleibt eine offene Frage, ob Bitcoin mit Privatsphäre fördernden Funktionen in einer Weise ausgestattet werden kann, die seinen Nutzen als Geld nicht auf andere Weise beeinträchtigt.

Zusammenfassung

Bitcoin ist ein sich entwickelndes Geld, das sich von einem Sammlerstück mittlerweile zu einem Wertspeicher entwickeln konnte. Als nichtstaatliches monetäres Gut ist es möglich, dass Bitcoin irgendwann in der Zukunft zu einem globalen Geld ähnlich wie Gold während des klassischen Goldstandards des 19. Jahrhunderts wird. Die Adoption von Bitcoin als globales Geld wäre exakt das bullische Szenario für Bitcoin und wurde bereits 2010 von Satoshi Nakamoto in einem E-Mail-Austausch mit Mike Hearn artikuliert:

Wenn man sich vorstellt, dass bitcoins nur für einen Bruchteil des Welthandels verwendet werden und es trotzdem nur 21 Millionen bitcoins für die ganze Welt geben wird, muss eine Einheit dieser 21 Millionen extrem wertvoll sein.

Dieser Fall wurde von dem brillanten Kryptographen Hal Finney, dem Empfänger der ersten von Nakamoto gesendeten Bitcoins, kurz nach der Ankündigung der ersten funktionierenden Bitcoin-Software, noch deutlicher gemacht:

Stell dir vor, das Bitcoin erfolgreich wird und sich als dominantes Zahlungssystem etabliert, welches weltweit im Einsatz ist. Dann sollte der Gesamtwert der Währung gleich dem Gesamtwert des gesamten Vermögens der Welt sein. Aktuelle Schätzungen des gesamten weltweiten Haushaltsvermögens die ich gefunden habe, reichen von 100 Billionen bis 300 Billionen Dollar. Bei 20 Millionen bitcoins ergibt das für jeden bitcoin einen Wert von etwa 10 Millionen Dollar.

Selbst wenn Bitcoin nicht zu einem vollwertigen globalen Geld werden sollte und einfach mit Gold als nichtstaatlicher Wertspeicher konkurrieren würde, ist es derzeit massiv unterbewertet. Die Abbildung der Marktkapitalisierung des vorhandenen oberirdischen Goldangebots (ca. 8 Billionen Dollar) auf ein maximales Bitcoin-Angebot von 21 Millionen Münzen ergibt einen Wert von ca. 380.000 Dollar pro Bitcoin. Wie wir in den vorangegangenen Abschnitten gesehen haben, ist Bitcoin für die Attribute, die ein monetäres Gut als Wertaufbewahrungsmittel geeignet machen, Gold entlang jeder Kategorie mit Ausnahme der etablierten Geschichte überlegen. Im Laufe der Zeit, wenn der Lindy-Effekt seine Wirkung entfaltet, wird die etablierte Geschichte kein Wettbewerbsvorteil mehr für Gold sein. Daher ist es nicht übertrieben zu erwarten, dass Bitcoin sich der Marktkapitalisierung von Gold im nächsten Jahrzehnt nähern und diese vielleicht sogar übertreffen wird.

Ein Vorbehalt gegen diese These ist, dass ein großer Teil der Marktkapitalisierung von Gold von Zentralbanken kommt, die es als Wertaufbewahrungsmittel halten. Damit Bitcoin die Marktkapitalisierung von Gold erreichen oder übertreffen kann, ist eine gewisse Beteiligung der Nationalstaaten erforderlich. Ob sich die westlichen Demokratien an der Adoption von Bitcoin beteiligen werden ist unklar. Es ist wahrscheinlicher und zu bedauern, dass isolierte Diktaturen und Kleptokratien die ersten Nationen sein werden, die in den Bitcoin-Markt eintreten.

Wenn keine Staaten am Bitcoin-Markt teilnehmen, bleibt für Bitcoin immer noch ein optimistisches Szenario. Als nichtstaatlicher Wertspeicher, der nur von Privatanlegern und institutionellen Investoren genutzt wird, befindet sich Bitcoin noch in einem frühen Stadium seiner Entwicklung — die so genannte “frühe Mehrheit” tritt nun in den Markt ein, während die späte Mehrheit und die Nachzügler noch Jahre davon entfernt sind. Mit einer breiteren Beteiligung von Privatanlegern und insbesondere institutionellen Investoren ist ein Preisniveau zwischen 100.000 und 200.000 US-Dollar möglich.

Der Besitz von bitcoins ist eine der wenigen asymmetrischen Wetten, an denen Menschen auf der ganzen Welt teilnehmen können. Ähnlich wie bei einer Call-Option ist der Verlust eines Investors auf 1x begrenzt, während seine potenzielle Vermögensvermehrung immer noch 100x oder mehr beträgt. Bitcoin ist die erste wirklich globale Blase, deren Größe und Umfang nur durch den Wunsch der Bürger weltweit begrenzt ist, ihre Ersparnisse vor den Launen des wirtschaftlichen Missmanagements der Regierungen zu schützen. Tatsächlich stieg Bitcoin wie ein Phönix aus der Asche der globalen Finanzkrise 2008 — eine Katastrophe, die durch die Politik von Zentralbanken wie der Federal Reserve ausgelöst wurde.

Abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen von Bitcoin wird sein Aufstieg als nichtstaatlicher Wertspeicher schwerwiegende geopolitische Folgen haben. Eine globale, nichtinflationäre Reservewährung wird die Nationalstaaten zwingen, ihren primären Finanzierungsmechanismus von der Inflation auf die direkte Besteuerung umzustellen, die politisch weit weniger durchsetzungsfähig ist. Die Staaten werden so zu einer Größe schrumpfen, welche sich durch das erheben von Steuern finanzieren lässt. Darüber hinaus wird der Welthandel in einer Weise geregelt, die Charles de Gaulle’s Bestreben erfüllt, dass keine Nation ein Privileg über irgendeine andere hat:

Wir halten es für notwendig, dass der internationale Handel, wie er vor den großen Unglücken der Welt der Fall war, auf einer neutralen Währung aufgebaut wird, die nicht das Zeichen eines bestimmten Landes trägt.

In 50 Jahren wird diese neutrale Währung Bitcoin sein.

Über den Autor

Ich bin ein ehemaliger Google-Ingenieur, der sich für die österreichische Schule der Nationalökonomie interessiert. Ich bin auch ein Ehemann und liebevoller Vater von Addie und Will. Folge mir auf Twitter.

Danksagungen

Ich möchte Alex Morcos, John Pfeffer, Pierre Rochard, Mat Balez, Ray Boyapati, Daniel Coleman, Koen Swinkels, Patri Friedman, Ardian Tola, Michael Flaxman und Michael Hartl für ihr wertvolles Feedback zu früheren Entwürfen dieser Artikelserie danken. Sanjay Mavinkurve stellte großzügig seine brillanten Designfähigkeiten zur Verfügung, um einige der Charts zu erstellen.

Über die Übersetzer

Daniel Schnurr

Ich studiere im Moment Internationale Betriebswirtschaftslehre und bin überzeugt das Bitcoin die größte Innovation seit der Erfindung des Internet ist. Ich war schon immer interessiert an der Österreichischen Schule der Nationalökonomie was auch mein Interesse an Bitcoin geweckt hat. Während meines Auslandssemesters an der Napier University in Edinburgh habe ich mit zwei Freunden die Blockchain & FinTech Society gegründet um Studenten von der Philosophie auf der Bitcoin basiert zu begeistern.

Simon Lutz

Schon früh habe ich mich für gesellschaftliche Themen, Politik, Psychologie und Informatik interessiert. Fasziniert von Bitcoin absolvierte ich den MOOC der Universität Nicosia zum Thema Kryptowährungen. Auf diesem Fundament basierend, erweitere ich bis heute in jeder freien Minute mein Wissen. Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, welcher außerordentliche Chancen mit sich bringen wird. Mehr deutschen Inhalt zu Bitcoin findest du auf blockinfo.ch

Arlene Roa Aillaud

Ich studiere im Moment Internationale Betriebswirtschaftslehre und nachdem ich “The Bitcoin Standard” gelesen habe verstand ich mehr und mehr wie Bitcoin funktioniert und warum es sich als eine revolutionäre Erfindung herausstellen könnte. Ich bin fasziniert davon dass Bitcoin irgendwann einmal ein alternativer Wertspeicher und eventuell sogar Währung sein könnte. Davon würden insbesondere Länder mit schwachen Währungen profitieren wie zum Beispiel mein Heimatland Mexiko.

Haftungsausschluss

Die in diesem Artikel dargestellten Ansichten und etwaige Fehler sind meine eigenen. Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken. Es ist nicht als Anlageberatung gedacht. Suchen Sie einen ordnungsgemäß zugelassenen Fachmann für die Anlageberatung.

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