Im Moment geht es bergab…

So ziemlich alles in der uns umgebenden Welt bewegt sich auf und ab — oder etwas metaphorisches in diese Richtung: Jäger-Beute-Schema, Tag und Nacht, Regen und Sonnenschein. Es ist mal gut und auch mal schlecht.

Derzeit bin ich der Meinung, dass wir kurz vor dem Tiefpunkt sind. Nicht viele Sachen sind so erwähnenswert wie der Wandel der Onlinewelt in den letzten sechs oder neun Monaten. Oder wie lange geht das jetzt schon? Ist es schon ein Jahr?

Das Internet hat uns unglaubliche Möglichkeiten eröffnet. Jedermann kann sich Zeitungsartikel des ihm gegenüberliegenden Teil des Erdballs durchlesen — in der Sekunde, in der der Autor auf publish klickt. Mit Hilfe der Digitalisierung werden den Menschen Sachen ermöglicht, die vor nicht allzu langer Zeit Wenigen vorbehalten waren. Bücher. DIY wurde abgelöst von PIY. Wer ein Buch schreiben will — über den Blick aus seinem Fenster oder eine Bergtour mit Verwandten — kann es der Welt eröffnen. Das ist Teil der Lösung und Teil des Problems.

Wir haben Social Media erfunden/erfinden lassen und plötzlich steigt die Reichweite der Meinung eines jeden um ein Vielfaches des Stammtisches, an dem er üblicherweise lallt. Auf der anderen Seite hat sich dieser Jemand noch nicht damit arrangieren können oder wollen, dass die digitale und die traditionelle Welt eine Symbiose eingegangen sind. Anders ist es nicht zu erklären. So wie ein Klick auf Jetzt kaufen ein reelles Paar Schuhe bedeutet (und eine Kontobewegung), bedeutet auch eine Äußerung auf Facebook eine Veränderung im wirklich echten, ganz reellen Leben. Was früher aber nur einigen wenigen zuzutrauen war, liefern jetzt ganz normale Bürger. Unverschämt äußern Leute ihre Gedanken, live, ohne Sicherheitspuffer, gerade heraus. Leute, die tatsächlich (das unterstelle ich hier einmal) nicht wählen gehen, werden zu Problemlösern in der Politik.

In der “Alles ist möglich”-Euphorie bemerken wir offenbar nicht, dass es wieder bergab geht. Wie kann es sein, dass sich die Menschen 2015 und 2016 so gehen lassen? Die Enthemmung, über die sich der besorgte Bürger nach der Silvesternacht empört, kann man ebenso beim besorgten Bürger selbst feststellen. Das muss ich nicht weiter erläutern; die Diskussion um die Löschbereitschaft von Facebook kann jeder selbst erleben oder recherchieren. Politiker an die Wand und die Parolen zum Sexmob prägen unsere Netze. Es gibt keine Tabus mehr.

Eine der Konsequenzen aus der Entwicklung ist das Gerede über eine mögliche Verbindung von CDU und AfD. Und auch das wird man ja wohl noch sagen dürfen, die AfD ist zu einem guten Teil ein brauner Haufen. Die Stimmung in den sozialen Netzen zu messen, hat aber auch die CDU gelernt. Durch populistische Platzpatronen versuchen auch die Unionspolitiker Prozente aus der Bevölkerung zu ziehen. Diese Art von Alternative ist aber in jeglicher Hinsicht ein Unding und markiert hoffentlich — aus 2017 aus betrachtet—den besagten Tiefpunkt, nach dem es wieder bergauf geht.

Deutschland ist statistisch gesehen N°1 und ich liebe es. Ein Staat, in dem der eine den anderen Bewohner auffängt, wenn er den Halt verliert und dessen Wirtschaftskraft unbedingt auf Vielfalt und Zusammenhalt aufbaut. Ich weiß, dass Deutschland, durch die Aufnahme von Flüchtlingen in diesem Maße, Probleme bekommen wird, aber auch, dass Deutschland diese Probleme meistern kann. Das Prinzip der Abschottung wiederum, disqualifiziert von der Teilnahme an der modernen Welt — politisch und wirtschaftlich. Vor allem in der Zeit, in der es wieder bergauf geht will ich aber dabei sein.

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