2019 — die ersten Male

100% Hausmann gewesen, einen Halbmarathon gelaufen und mehr Bücher gehört als gelesen– ein Blick zurück auf das vergangene Jahr anhand von Dingen, die ich zum ersten Mal getan oder erlebt habe.

David Bauer
Dec 29, 2019 · 5 min read

Frühere erste Male: 2015 | 2016 | 2017 | 2018

  • Ich wurde zum ersten Mal Papa genannt. ❤️
  • Ich war zum ersten Mal zu 100% Hausmann, zwei Monate lang. Im Januar und Februar habe ich unbezahlten Urlaub genommen (yay, Schweiz!) und mich um unsere dann sechs Monate alte Tochter gekümmert. Neben zig schönen Momenten eine fordernde, immer mal wieder überfordernde Zeit — und genau deshalb so wichtig. Empfehle ich jedem jungen Vater, sofern es finanziell irgendwie drin liegt (und: Mütter, fordert das ein, wenn der Vater nicht von allein drauf kommt! Ich habe auch einen kleinen Schubs benötigt.). Und ja, es wäre hilfreich, wenn längere vaterschaftsbedingte Absenzen auch für Schweizer Arbeitgeber zur Normalität würden.
  • Ich war zum ersten Mal in Slowenien und in Kroatien. Von Kroatien habe ich nur einen kleinen Teil in Istrien gesehen, Slowenien kann ich aus voller Überzeugung empfehlen. Ein bisschen wie die Dolomiten, einfach weniger überlaufen.
Triglav-Nationalpark im Nordwesten Sloweniens.
  • Ich habe zum ersten Mal ein Testament geschrieben. Der Anstoss dazu kam von So sterben wir von Roland Schulz. Sehr lesenswertes Buch.
  • Ich habe zum ersten Mal ein 21-Gänge-Menü gegessen, im Hiša Franko. Ein altes Bauernhaus, umgebaut zu einem wunderschönen Gasthaus, entspannte Atmosphäre, lokale Küche auf allerhöchstem Niveau. (Wer Chef’s Table kennt, kennt es) Ein fantastisches Erlebnis (nur noch getoppt durch das Babyphone, das den ganzen Abend stumm blieb).
  • A propos Essen: Ich habe 2019 zum ersten Mal einen Beyond Burger probiert (nicht schlecht, bin aber von der Technologie bisher mehr beeindruckt als vom Geschmack), Insekten (Flammkuchen mit Grillen war noch nicht der Weisheit letzter Schluss), sowie sojabasiertes veganes Hackfleisch (restlos überzeugt).
  • A propos Essen, nochmals: Ich war zum ersten Mal Pilze suchen. Im wunderschönen Schlans in der Surselva, wo ich ebenfalls zum ersten Mal war. Gefunden habe ich keine — war aber in guter Begleitung, die für einen noch besseren Risotto gesorgt hat.
  • Weitere neue Orte in der Schweiz: Albispass, Gamplüt, Jaun, Lauterbrunnen, Widderalp, Zweisimmen.
Jaun, oben rechts, hat sich für Instagram für wenige Momente von seiner schönsten Seite gezeigt. Die restlichen drei Tage hat’s geregnet.
  • Ich habe zum ersten Mal für sämtliche Reisen, beruflich wie privat, meine CO2-Emissionen kompensiert. Es ist ein kleiner Schritt, ein zu kleiner Schritt, aber wo anfangen, wenn nicht irgendwo?
  • Ich habe zum ersten Mal mehr Bücher gehört als gelesen. Das hatte vor allem praktische Gründe: Seit ich Vater bin, sind die Gelegenheiten, zu lesen, rarer geworden. Hingegen lassen sich Bücher wunderbar hören, während man ein schlafendes Kind durch die Nachbarschaft kutschiert. Ich habe aber auch festgestellt, dass es bei manchen Büchern schlicht das eindringlichere, authentischere Erlebnis ist, den Text in der Stimme des Autors oder der Autorin zu hören. Etwa bei den stark autobiografisch geprägten Werken Between the World and Me (Ta-Nehisi Coates), Herkunft (Saša Stanišić) und Thick: And Other Essays (Tressie McMillan Cottom).
  • Ich habe — glaube ich — erstmals Frieden geschlossen mit der Tatsache, dass ich wohl eher Generalist denn Spezialist bin. Geholfen dabei hat Range von David Epstein. Es ist eins von 11 Büchern, die mich dieses Jahr besonders inspiriert haben, aber wohl das, das für mich persönlich das wichtigste war.
  • Ich bin tatsächlich zum ersten Mal einen Halbmarathon gelaufen. Genau genommen waren’s sogar noch ein paar Meter mehr, beim Swissalpine von Klosters nach Davos. Um es mit David Foster Wallace zu sagen: A supposedly not fun thing I might actually do again.
  • Ich verkaufe zum ersten Mal etwas anderes als meine Arbeitskraft. Mein Newsletter Weekly Filet ist neu kostenpflichtig. Reich werde ich damit aller Voraussicht nach nicht, aber ihr könnt das gerne ändern.
  • Ich bin zum ersten Mal eine Freeride-Strecke gefahren, Sunnbüel–Kandersteg. Tolle Stecke, spassige Sache, muss ich aber so schnell nicht wieder machen. Dann doch lieber wieder Berge hochrennen.
  • Ich habe zum ersten Mal einen Wikipedia-Artikel erstellt, zur britischen Band The Slow Show. Einzelne Korrekturen und Ergänzungen hatte ich in der Vergangenheit immer wieder vorgenommen, nie aber einen eigenen Artikel erstellt. Es ist immer wieder erstaunlich lehrreich, ein Produkt aus einer neuen Perspektive kennenzulernen.
  • Schliesslich: Ich starte, wenn mich nicht alles täuscht, zum ersten Mal in ein neues Jahr, ohne zu wissen, was dieses beruflich bringen wird. Ins Blaue kündigen war nichts Neues (das ist schon fast mein modus operandi), aber nun triffts zum ersten Mal einen Jahreswechsel. Fühlt sich komischerweise ein bisschen grösser an deswegen, dennoch ein super Gefühl. Vieles ist möglich, 2020 wird gut.
  • Oh, und von wegen «vieles ist möglich»: Nachdem ich mich jahrelang erfolgreich dagegen gewehrt hatte, besitze ich nun erstmals einen LinkedIn-Account. Sieht aus wie Facebook anno 2015, hat aber beeindruckend gute Algorithmen: Aufgrund der Tatsache, dass mein letzter Job «Head of Visuals» war, schlägt mit LinkedIn eine offene Stelle als «Leiter Operationssaal» vor. Nächsten Dezember dann: Zum ersten Mal ein Skalpell in einem Patienten vergessen…

Danke an Mathias Möller, der mich damals zu dieser Art Jahresrückblick inspiriert hat und seinerseits ebenfalls schon zum fünften Mal seine ersten Male aufgeschrieben hat.

David Bauer

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Journalist. Maker of things: www.davidbauer.ch. Subscribe to my newsletter: http://weeklyfilet.com 📨✨

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