Digital Leader Summit 2018

Das nenn ich mal eine Location…

Wenn man eingeladen wird, dann gehört es sich ja, dass man da auch hingeht. Bei der Einladung zum Digital Leader Summit 2018 von Crisp Research musste ich nicht mal einen klitzekleinen Augenblick mit der Zusage zögern. Spannende zwei Tage standen auf dem Programm und das auch noch in einem der schönsten und luxuriösesten Orte, die man sich für einen solchen Summit ausdenken kann.

Sanieren oder Skalieren — Dr. Carlo Velten

Conference with av view

Los ging es mit dem Vortrag von Carlo und dem Seitenhieb auf die Kollegen von Gartner. Der berühmte Hype-Cycle verleitet viele Unternehmen die ersten Kurven abzuwarten und dann erst einzusteigen, wenn der Zyklus auf dem Plateau der Produktivität angekommen ist — das funktioniert aber heutzutage nicht (mehr)!
Bis 2030 teilt Carlo die Reise in die digitale Welt in die folgenden Bausteine/ Phasen ein:

  • Innovate
    Diesen Schritt haben schon einige Unternehmen gemacht. Hier finden sich so Schlagworte wie die Digital Labs, MVP-Ansätze, Agile Vorgehensmodelle oder auch Organisationsformen wie ein CDO
  • Build
    Auf der letzen Phase aufbauend werden hier digitale Businessmodelle und Plattformen entwickelt. Man hat den Weg in die Cloud abgeschlossen und operiert in der Cloud. Dazu werden über M&A-Ansätze entsprechende Bereiche angereichert.
  • Grow
    Hier spielen Themen wie Blockchain, automated operations, API-economy und der Übergang CDO zu CEO eine Rolle

42% der Unternehmensentscheider gehen davon aus, dass 2030 über 50% der Wertschöpfung aus der (digitalen) künstlichen Intelligenz kommt.

Von der Hardware zur Smartware — Dr. Thorsten Müller (Osram)

Thorsten stellte den Osram-Case vor, den ich aber in ähnlicher Weise schon auf der Crisp Perspective gehört hatte. Hier dennoch ein paar weitere Punkte:

  • Osram hat eine extreme Transformation hinter sich. Von ehemals 42 Glühbirnen Produktionswerken sind jetzt noch genau 0 übrig
  • wichtig war es, dass die ganzen Vorhaben nicht “par ordre du mufti” angegangen werden
  • man braucht ein Leitmotive — hier war es “from hardware to smartware”
  • lieber erst etwas emotionales finden und spielen und dann den offiziellen Antrag stellen
  • Wenn man eine Plattform baut ist eine der größten Erfolgsfaktoren, dass man Partner auch auf die Plattform lässt
  • Vorstand hatte und hat eine gewisse Weitsicht bzw. Risikoaffinität:
“Wenn ich nichts tue, dann mach ich was falsch”
Frühstücksterasse

Your Journey to Digital in an Interconnected World — Christian Zipp (Equinix)

In diesem Vortrag wurde es ein bisschen technischer und daher für mich persönlich nicht mehr ganz so relevant. Allerdings war es doch beeindruckend zu sehen, welche Herausforderungen für die “Interconnection” in den nächsten Jahren anstehen. Einer der größten Treiber sind übrigens die Banken und Versicherungen.
Aber auch insbesondere für das von allen so selbstverständlich angesehene Nutzererlebnis benötigt man kurze Latenzen und schnelle “Roundtrips” — diese kann man u.U. nur mit Partnern wie Equinix sicher stellen.

Was der digitale Wandel mit Guerilla Gardening zu tun hat? — Dr. Thomas Mannmeusel (Webasto)

Einen tollen und kurzweiligen Vortrag hatte Thomas von Webasto dabei.

“Sag ich die Wahrheit, wird es langweilig”

Folgende Thesen stellte er in den Raum bzw. zur Diskussion:

These 1:
Man sollte doch tunlichst mit der Frage “Warum?” starten. Also die Frage nach der digitalen Strategie.
Hier fällt mir immer das Zitat ein

“Wir brauchen keine digitale Strategie, sondern eine Strategie für die digitale Welt”

These 2:
“Die eine” digitale Strategie gibt es gar nicht. Man sollte immer sehr flexibel bleiben und sich anpassen können. Was passiert denn eigentlich wenn jemand auf die Idee kommt, Zölle auf Services zu erheben (z.B. auf Office365)?

These 3:
IT und Business wachsen komplett zusammen. In Zukunft könnte man auch viel weniger Programmierer benötigen (geht ja alles automatisch) — allerdings ist das auch eher eine Zukunft in 15 bis 20 Jahren. Begründung: Ich muss nicht wissen wie KI geht, um es anzuwenden. Ich muss auch nicht wissen wie ein Telefon geht, damit ich es bedienen kann.

These 4:
Die nächste Krise trennt die digitale Spreu vom Weizen.

These 5:
Viele Anbieter haben den digitalen Wandel noch nicht verstanden.

These 6:
Zukünftige Lösungen sind dezentral und chaotisch — sie entwickeln sich organisch.

Spannend fand ich auch, dass es bei Webasto Workshops gibt, die die Frage stellen “Was macht mein Produkt obsolet?”

Mach mal 360-Grad-Drohne!

Quo Vadis Digitale Transformation — Dr. Markus Pleier (Nutanix)

Ähnlich wie bei Equinix war auch dieses Thema ein bisschen weiter weg von meinen aktuellen Themen, dennoch ein paar Punkte:

  • Es gilt heutzutage “not a single cloud anymore, multi-cloud is the new normal
  • Das Wachstum in der digitalen Welt ist exponentiell und wird grundsätzlich unterschätzt.
  • Schöne Abkürzung FAANG
    (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google)

Cloud Platform Development & Operations at Scale — Markus Rautert und Daniel Eichten (adidas)

Einen tollen Case hatten auch Markus und Daniel von adidas mitgebracht. Insgesamt sicherlich einfacher in einem Umfeld wie bei adidas so etwas hinzubekommen, als jetzt bei einem eher konservativen und traditionellen — sagen wir mal — Versicherer. Der Case drehte sich um den Aufbau einer Plattform für Entwicklungen, die auch noch in den nächsten Wochen als Open Source für die ganze Welt zur Verfügung gestellt wird. Folgende Takeaways:

  • Man muss den Mitarbeitern klar machen: 
    “Your job is save, your role is not!”
  • Leitmotiv bei adidas — “our belive”
    Through sport we have the power to change lives
  • Der einzig ehrliche/akzeptable Liefertermin ist jetzt
  • Man soll den Begriff “Plattform” nicht mit IT besetzen
  • Der jüngeren Generation sagen:
    Das Gehirn ist wie eine App — dann nutzen die das auch
  • adidas hat auch ITIL überwunden, jetzt wird erst das Problem gelöst und dann ein Ticket geschrieben. Es gibt kein Ticket-Bingo mehr
  • mit einer der wichtigsten KPI ist Happiness
    Wie fühlt ihr euch?
    Habt ihr einen Sinn für euer Tun?
    Würdet ihr euren Arbeitgeber weiterempfehlen?

Managed Cloud Evolution in der Praxis — Olaf Fischer (Claranet)

Einen Einblick in die Praxis teilte Olaf von Claranet mit uns und zwar beispielhaft am Gruner + Jahr Case, der damit endete, dass bei Claranet 1.300 VMs laufen. Und ja es stimmt, die internen Mitarbeiter betreuen das nun nicht mehr, allerdings können diese Mitarbeiter dann andere Jobs übernehmen.
Sehr lustige aber auch bittere Geschichte bzgl. dem Hack des TV-Senders TV5, der auch bei Claranet gehostet wird:
Passwörter hingen einfach so im Raum an die Wand gepinnt rum — siehe auch hier LINK.

Neben den Vorträgen gab es noch verschiedene Workshops, in denen auch viele Erfahrungen und Praxisbeispiele ausgetauscht wurden. Allerdings würde das hier dann doch ein bisschen zu viel werden, wenn ich das alles aufschreibe — gerne Rückfragen, Kommentare, Anfragen, Feedback — bin ja Fan von WOL (wir probieren das gerade mal intern…)