6 Tipps an mein 28-jähriges Ich

Im Internet stolpert man immer wieder über Ratschläge an sein jüngeres Ich. Was man damals hätte besser machen können, wenn man nur schon so schlau wie heute gewesen wäre. Davon inspiriert versetzte ich mich nun einmal in die Lage, welche Ratschläge mir mein 40-Jähriges Ich heute geben würde. Quasi inside-out. In 12 Jahren kontrolliere ich dann, ob das alles so stimmig war. Und heute sehe ich die Tipps einfach als eine Mischung aus Neujahrsvorsätzen, besserwisserischem Getue und Glückskecks-Weisheiten an.

#1 — Bleib neugierig

Es gibt kaum eine wichtigere Eigenschaft, die dich auf die Zukunft vorbereiten kann. Sei aufgeschlossen für neue Entwicklungen und bilde dir eine eigene Meinung, bevor du den Fortschritt verteufelst. Du hast schließlich schon bei deinen Großeltern die Augen verdreht, wenn sie “dieses Internet” nicht einmal ausprobieren wollten — dabei hätten sie so viel Inspiration, Unterhaltung und Motivation daraus ziehen können. Du wolltest nie so sein. Also fange lieber gar nicht erst damit an neue Plattformen schlecht zu reden, bevor du sie selbst ausprobiert hast. Und vor allem: Trauere dem Alten nicht hinterher. 1.000 Freunde auf MySpace waren in dem Moment nichts mehr wert, als Facebook den Zähler auf Null gestellt hat. Go with the flow!


#2 — Programmiere selbst

Alles fing so vielversprechend an: Nach der AG Schul-Homepage folgten Ausflüge in die Welt von Turbo-Pascal im Informatik-Unterricht sowie Processing an der Uni. Ich verstand früh wofür Schleifen gut sind und welche Datentypen wofür einsetzbar sind. Meine eigenen Internet-Auftritte habe ich in den ersten Jahren noch selbst gecoded und später mit dem zuverlässigen Content-Management-System Wordpress umgesetzt. Im Jahresrhythmus galt es neue Themes anzupassen (und alle Inhalte dafür wieder zu optimieren). Ich liebte das! Doch dann verschoben sich meine Prioritäten schleichend in Richtung Inhalte erstellen und Strategien ausarbeiten. Ich konnte einfach nicht mehr alles selbst machen. Für neue Projekte mussten externe Entwickler hinzugezogen werden, die natürlich viel mehr in viel kürzerer Zeit zustande bekommen haben. Allerdings habe ich gelernt, dass es von unschätzbarem Wert ist, wenn man sich mit ihnen auf Augenhöhe unterhalten kann. Nicht als Designer, nicht als Konzepter und auch nicht als Redakteur. Als Gleichgesinnter, der sich für die Herausforderungen der technischen Umsetzung interessiert und eigene Impulse einbringen kann. Als ich wieder mit dem Coden begann, eröffnete sich mir plötzlich eine neue Welt! Für einen Funktionsprototypen musste ich nicht gleich jemanden engagieren. Viel besser, ich konnte mich voller Tatendrang sofort in die eigene Idee stürzen. Mein Tipp: Kaufe dieses Tutorial, um das du schon so lange herumschleichst und leg einfach mal los. Du wirst es mir danken.


#3 — Folge deinem Bauchgefühl

Nicht selten meinen die anderen besser zu wissen, was gut für dich ist. Aber glaub mir, das mit dem Bauchgefühl bekommst du auch ganz gut allein hin. Es hat sich bewahrheitet, dass es für deinen Weg noch keine Karte gibt. Es lohnt sich also immer wieder auch mal nach links und rechts zu schauen! Die größten Erfolge werden sich aus zufälligen Begegnungen und Nebenprojekten ergeben, die du einfach aus Spaß an der Freude gestartet hast. Weiter so.


#4 — Deute die Zahlen

Gleich nach dem Bauchgefühl kommt die Absicherung. Du wirst nicht im Lotto gewinnen, sondern die richtigen Entscheidungen treffen müssen. Und dabei hilft ein Blick in die Zahlen ungemein. Denn oftmals liegt der richtige nächste Schritt bereits darin versteckt — in den Statistiken, Auswertungen und Nutzungsgewohnheiten. Höre auf die Besucher, Leser und Anwender, für die du dir Sachen ausdenkst und gib ihnen das, wonach sie verlangen. Richtig gut klappt das, sobald du die Muster zu deuten lernst: Wie verändern sich Bewegungspfade? Was wollen die Menschen erreichen, wenn sie dein Tool benutzen? Welche Geschichten berühren sie emotional am meisten? Die große Erkenntnis lautet: Es ist egal was du denkst, dass den Leuten gefällt. Sie sagen es dir, mit den Spuren, die sie hinterlassen.


#5 — Lerne aus Filmen

Müsste man alle Erfahrungen erst selbst machen, um sie zu kennen, wäre das Leben ganz schön aufwendig. Ist es aber nicht. Daher empfehle ich dir so viele Filme, Serien und YouTube-Videos anzuschauen, wie du kannst. Denn um mit der Zeit zu gehen, muss man a) die Popkultur kennen, b) Geschichten erzählen und c) andere Kulturen verstehen und einschätzen können. Und alle drei Dinge lernt man prima aus bewegten Bildern. Obwohl es dir lange nicht bewusst war, wurde zum Beispiel dein Wissen über die 60er-Jahre maßgeblich von der Serie “Mad Men” geprägt. Und dein Gefühl für die Verschiedenheit der Welt hat sich erst dadurch gebildet, dass du dir jedes Jahr die Filme angeschaut hast, die für die Oscar-Kategorie “Bester fremdsprachiger Film” nominiert waren. Je emotionaler die Inhalte waren, desto größeren Einfluss hatten sie auf dich. Merke: Geschichten überdauern die Zeit.


#6 — Lass dir nicht alles gefallen

Ich weiß, zurückbellen ist nicht so dein Ding. Meins auch nicht. Aber das ist auch nicht weiter schlimm! Denn du bist schlauer als die ganzen Großmäuler da draußen und kannst sie mit deinen Mitteln schlagen. Oder von den Besten lernen. In diesem Sinne möchte ich dir ans Herz legen, dass man sich nicht immer alles gefallen lassen muss. Für Arbeit zum Beispiel sollte man bezahlt werden, ohne Wenn und Aber. Vor allem wenn dir vorher Dinge versprochen wurden, die sich später als unwahr herausstellen. Kämpfe um deine Rechte. Gehe, wenn du dich schlecht behandelt fühlst. Und spiele mit offenen Karten, damit deine Mitmenschen wissen, was in deinem Kopf vorgeht. Wichtig ist, dass du mit dir im Reinen bist. Diese Aufgabe kann dir niemand abnehmen.


#7 — Brich die Regeln

Ich weiß, eigentlich waren nur sechs Tipps angekündigt. Aber man muss ja nicht immer nach den Regeln spielen. Im Studium hat ein Kommilitone immer nur eine der zahlreichen Aufgaben erledigt, dafür aber bravourös. Und den Dozenten war es egal, denn sie wussten er leistet gute Arbeit. Im Grunde waren nur wir anderen verdutzt von seinem Vorgehen. Aber er ist sogar damit durchgekommen seine Abschlussarbeit Wochen nach der Frist einzureichen. Dafür verstand er sich einfach zu gut mit seinen Betreuern. Regeln und Pflichten dienen in erster Linie nämlich nur dazu den Apparat am Laufen zu halten. Wenn sich da mal einer die Freiheit herausnimmt, andere Prioritäten zu setzen, wird das nur selten belangt, dafür aber oft bewundert. Denk mal darüber nach! Mit diesem Gedanken möchte ich dich gerne in den Tag entlassen.


Bis 2028, wenn du 40 bist! 👋 Haha.