Bogdanows Blut

Wie der russische Revolutionär und Science-Fiction-Autor Alexandr A. Bogdanow das ewige Leben durch Blutaustausch suchte und daran starb.

1908 veröffentlichte der russische Philosoph, Ökonom, Soziologe und Autor Alexandr A. Bogdanow den Roman »Der rote Planet«. Das Buch handelt von einem revolutionären Russen, der von Marsmenschen zu einer Reise zum Mars eingeladen wird. Der Protagonist nimmt die Einladung an und erfährt somit als einziger Erdenmensch, dass es auch eine Zivilisation am Mars gibt.

Cover des Buchs

Im Verlauf des Buchs wird der Leser darüber aufgeklärt, dass auf dem Mars eine sozialistische Gesellschaft lebt, die nicht nur moralisch, sondern auch technisch der Erdenbevölkerung überlegen ist.

Der bolschweistische Querdenker Bogdanow zeigt in dem Roman wie er sich einen realen Sozialismus vorstellt und worin die Schwierigkeiten bei der Umsetzung auf der Erde entstehen können. Ein lesenswertes Werk für Menschen, die sich mit Geschichte beschäftigen.

Mir ist während der Lektüre ein interessantes Detail aufgefallen. Bogdanow erklärt in dem Roman warum Marsmenschen so lange jung bleiben:

»(…)Warum bleiben die Marsmenschen so lange jung? Ist das eine Besonderheit Ihrer Menschen, die Folge besserer Lebensbedingungen? Oder hat das einen anderen Grund?«

»Eine Besonderheit der Menschen unseres Planeten ist es nicht; Vor zweihundert Jahren haben wir nur halb so lange gelebt. Bessere Lebensbedingungen? Ja, in hohem Maße wohl. Aber nicht nur. Das Wichtigste ist unsere Lebenserneuerung.«
»Was ist das?«
»Eigentlich eine ganz einfache Sache, doch Ihnen wird sie merkwürdig vorkommen. Dabei könnte sie auch auf der Erde schon angewandt werden. Um die Lebensfähigkeit der Zellen oder der Organismen zu erhöhen, ergänzt die Natur bekanntlich ein Individuum durch ein anderes. Zu dem Zweck verschmelzen zwei einzellige Lebewesen, wenn ihre Lebenskraft abnimmt, und nur auf diesem Wege gewinnen sie ihre Vermehrungsfähigkeit in vollem Maße wieder — das ist die ‘Unsterblichkeit’ ihres Protoplasmas. (…) Auf der Erde kennt man schon die Anwendung von Blutserum, um bestimmte Eigenschaften von einem Lebewesen auf ein anderes zu übertragen — beispielsweise erhöhte Widerstandskraft gegen bestimmte Krankheiten. Wir gehen weiter und nehmen einen Blutaustausch zwischen zwei Menschen vor. Jeder überträgt auf den anderen Eigenschaften, die seine Lebenskraft fördern. Dabei werden einfach die Venen beider Menschen an entsprechende Geräte angeschlossen. Wenn man alle Vorsichtsmaßnahmen beachtet, ist das völlig ungefährlich. Das Blut des einen Menschen lebt im Organismus des anderen weiter, wobei es sich mit dem vorhandenen Blut mischt und bewirkt, dass alle Gewebe regeneriert werden.«
(…)
»Warum nutzt unsere Medizin dieses Mittel nicht, wenn es so einfach ist? Sie kennt doch die Blutübertragung seit mehreren hundert Jahren.«
»Ich weiß es nicht, vielleicht gibt es besondere organische Bedingungen, so dass dieses Mittel bei Ihnen nicht wirkt. Oder Ihre Auffassung vom Individuum ist schuld daran, denn auf der Erde ist ein Mensch von anderen stark abgegrenzt, und der Gedanke an eine lebendige Vereinigung ist Ihren Gelehrten bisher fremd. (…)«

In den 1920er Jahren gründete Bogdanow ein Institut für Bluttransfusionen. Im Rahmen von wissenschaftlichen Selbstversuchen führte er elf Transfusionen an sich selbst durch, die auf ihn einen positiven Einfluss gehabt haben sollen. Einer seiner Kollegen, Leonid Krasin, behauptete, dass Bogdanow sich um 10 Jahre verjüngt hat. Auch Lenins Schwester, Marija Iljinitschna Uljanowa, nahm an den Experimenten teil.

Das Blut der zwölften Transfusion stammte von einem Studenten, der an Malaria und Tuberkulose litt. Während der Student von Bogdanows Blut geheilt worden sein soll, starb Bogdanow nach der Behandlung. Es wird vermutetet, dass es eine Inkompatibilität bei den Blutgruppen gab. Es gibt jedoch auch Theorien über einen Selbstmord.