Planwirtschaft mit Amazon

Der Wirtschaftsprofessor Allin Cottrell hat mit dem Informatiker Paul Cockshott 1993 mit dem Werk „Towards a new socialism“ ein viel beachtetes Werk über eine moderne Form der Planwirtschaft verfasst. Im Grunde geht deren Theorie davon aus, dass mit Computernetzwerken die logistischen sowie informationstechnischen Probleme der sowjetischen Planwirtschaft gelöst werden können.

Zwar hat bisher noch keine Volkswirtschaft ernsthaft versucht eine digitalisierte Form der Planwirtschaft umzusetzen, aber dafür private Konzerne. Ein Unternehmen, welches sich vorgenommen hat, weltweit Menschen mit allen Waren und Dienstleistungen zu versorgen, ist Amazon.

Amazon hat als Online-Buchhandlung gestartet, aber mittlerweile werden so gut wie alle Waren verkauft. Seien es Lebensmittel, Autos oder digitale Produkte wie E-Books.

Ebenfalls übernimmt Amazon immer mehrVertriebsschritte in die eigene Hand. So können bei Amazon Bücher ohne Umwege über eine Druckerei oder einen Verlag direkt bei Amazon publiziert werden. Das Unternehmen lässt für die Videosparte eigene Filme und Serien produzieren und lässt auch andere Waren unter dem eigenen Namen herstellen (“AmazonBasics”).

Amazon stellt die unglaubliche Infrastruktur auch anderen Händlern zur Verfügung. Händler können nicht nur den Marktplatz von Amazon nutzen, sondern auch die gesamte Logistik auslagern. Das beschränkt sich nicht nur auf den Vertrieb von physischen Produkten, sondern Amazon bietet sein Know-How auch in der digitalen Welt an. Airbnb, Expedia, Netflix, Slack, Pinterest, Spotify, Soundcloud, Yelp und etliche andere Unternehmen setzen auf die IT-Infrastruktur von Amazon.

Aber wie immer in einer Planwirtschaft, gibt es auch bei Amazon Probleme. Während man in der Sowjetunion oft in langen Schlangen Stunden auf seine Waren warten musste und am Ende manchmal dennoch mit leeren Händen dastand, muss man bei Amazon manchmal Tage auf Pakete warten. Wie in der UdSSR hat man jedoch die Möglichkeit mit ein bisschen Schmiergeld (Amazon Prime) die Wartezeit zu verkürzen und Produkte zu bekommen, die zuvor nicht lieferbar waren.

Ebenfalls gibt es auch Lieferschwierigkeiten bei selbst produzierten Geräten. In der DDR musste man sich für einen Trabi auf eine Warteliste setzen lassen, bei Amazon muss man sich für Lautsprecher anmelden: