E-Commerce weiter denken: Ein Workshop mit Spryker
Die wichtigste Sache, die ich über all die Jahre im E-Commerce gelernt habe: E-Commerce ist kein einfach zu verstehendes Geschäft, es gibt keine Patentrezepte für den Erfolg. Auch wenn dies viele Marktteilnehmer suggerieren.

E-Commerce ist wie Zehnkampf — man muss in sehr vielen unterschiedlichen Disziplinen sehr gut bis exzellent sein, um am Ende erfolgreich ein Zwischenziel zu erreichen. Und wenn man angekommen ist, an einem wie auch immer definiertem Meilenstein, dann geht es von dort mit erhöhter Schlagzahl weiter.
Insofern könnte man, um bei einem einprägsamen Bild zu bleiben postulieren, dass E-Commerce so etwas wie Zehnkampf in einem Hamsterrad ist.
Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis, welche sich ganz besonders auch auf die IT Systemlandschaft erstreckt, veranstalteten wir als E-Commerce Berater von bridging IT für einen unserer Kunden aus dem Bereich Konsumgüter einen technischen Workshop. Dafür konnten wir mit dem Gründer und dem CTO von Spryker Systems, Alexander Graf und Fabian Wesner, hochkarätige und interessante Key Speaker gewinnen.
Das Spannende an diesem Workshop war zweifellos die Darstellung der Ideen und der Philosophie über den aktuellen Stand des E-Commerce, die zur Gründung und dem Design von Spryker geführt haben.
Denn — viele der mittelständischen Unternehmen in Deutschland stehen vor einem nicht trivialen Problem: Die IT Systeme der 1980er und frühen 1990er Jahre sind veraltet, aber immer noch mit neueren Systemen — wie z.B. Onlineshops — verbunden.
Die Anforderungen an den Omnichannel E-Commerce bzw. die Digitalisierung von Unternehmen im Jahr 2016 sind derart, dass diese gewachsenen Systemlandschaften technisch nicht mehr modernisierbar und auch nicht mehr skalierbar sind. Sie müssen, mindestens, umfangreich homogenisiert, verschlankt, modernisiert werden. Oder die Legacy — Systeme müssen vollständig durch moderne IT ersetzt werden.
Eine veraltete Systemlandschaft kann zwar immer noch performant sein, wird aber eher dadurch charakterisiert, dass sie Entscheidende Prozesse eben nicht mehr abbilden kann: Bei Multichannel — Händlern ist es oft so, dass ein Vertriebskanal wie die (offline) — Filialen oftmals ein eigenes (sehr altes) ERP und Bestellsystem hat. Der später angeflanschte Onlineshop hat dann, weil nicht kompatibel, ein eigenes ERP, CRM oder eigenes Lagerverwaltungssystem, und ist ggf. sogar eine komplette Insellösung. Multichannel — Prozesse wie z.B. Retourenartikel in einer Filiale abzugeben, welche online gekauft wurden (oder click and collect), sind so nicht ohne weiteres möglich. Und ein ERP zu ersetzen ist eine der schwierigeren Übung bei der Ablösung von Altsystemen, riskant, langwierig und teuer. Zudem ohne Erfolgsgarantie.
Vor diesem Hintergrund setzt Spryker an. Denn laut Gründer und GF Alexander Graf bedingen die Erfordernisse eines sehr dynamischen Marktes die technischen und architektonischen Prinzipien von Spryker.
Um das vielleicht grundlegendste Missverständnis aus dem Weg zu räumen: Spryker ist keine Onlineshop-Software-Suite wie beispielsweise Intershop oder IBM Websphere. Es werden auch Kunden bzw. Systeme von anderer Grösse mit dem Spryker Framework adressiert, als es die beiden oben genannten Schwergewichte tun.
Spryker geht davon aus, dass gerade vor dem Hintergrund sehr heterogener bestehender Systemlandschaften bei gleichzeitig sehr dynamischen Marktumfeld eine Onlineshop-Software so flexibel und schlank wie möglich agieren muss.
Und hat deshalb von Beginn an auf eine Trennung der Kernelemente des Frameworks bzw. eine umfängliche Modularität gesetzt. Frontend und Backend sind voneinander getrennt, komplexe Module wie ein Payment Gate, CRM, ERP sind ebenfalls modular integrierbar. Somit lassen sich auch die verschiedenen Vertriebskanäle im Omnichannel E-Commerce bei Bedarf unterschiedlich technisch adressieren und bedienen.
Im Workshop, welcher in erster Linie für die Software Architekten unseres Kunden durchgeführt wurde, stieß diese Flexibilität, auch in Verbindung mit micro services, auf grosses Interesse.
Ermöglicht sie doch, z.B. ein internes Bestellportal aufzusetzen und dafür nur das Spryker Backend zu benutzen, welches das Sortiment verwaltet, Preise und Bestelllogik ausspielt, und so eine schnelle und einfache Lösung unter Beibehaltung des bewährten Frontendsystems ermöglicht.
Weil die meisten Onlineshopsysteme in PHP programmiert sind , setzt auch Spryker auf PHP, und gewährt so, die Modularität auch auf bestehende z.B. Magentoshops auszuweiten.
Modularisieren, segmentieren, entkoppeln sind also die Architekturprinzipien des Spryker Frameworks.
Dadurch bietet diese Architektur des Frameworks zusätzlich ein sehr hohes Skalierungspotenzial, denn es gibt keine klassischen bzw. potenziellen Bottlenecks zwischen den Modulen.
Das Ziel des Workshops war, keine Verkaufsveranstaltung für Spryker durchzuführen, sondern Impulse und Ideen eines modernen, agilen E-Commerce Frameworks an die Software-Architekten eines grossen Omnichannel — Händlers weiter zu geben.
Dieses Ziel hat unser E-Commerce Workshop, auch auf sehr unterhaltsame und kurzweilige Art, absolut erfüllt.
Weitere Information gerne auf Anfrage bei mir.
Quellen: